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Risiken veröffentlicht: Pharmariese verklagt Startup

Symbolbild: Medikamente
Symbolbild: Medikamente(c) BilderBox
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Das Wiener Startup Diagnosia wies auf Wechselwirkungen eines Medikaments von Sanofi-Aventis hin. Der Konzern klagt auf Ruf- und Kreditschädigung.

Am heutigen Dienstag hätte der vom Pharamakonzern Sanofi-Aventis angestrebte Prozess gegen das Wiener Startup Diagnosia beginnen sollen. Es geht um den Vorwurf der Ruf- und Kreditschädigung, weil das österreichische Softwareunternehmen in seiner Datenbank einem Medikament des Konzerns Risiken zugeordnet hatte, die diesem nicht passten. Doch zur Verhandlung wird es vorerst nicht kommen: Wie das Magazin "profil" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wurde der Termin kurzfristig, ohne Angabe von Gründen, auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Causa im Detail: Im Jahr 2011 gründeten der Wirtschaftsinformatiker Marco Vitula und die Mediziner Lukas Zinnagl und Fritz Höllerer das Startup Diagnosia. Dieses bietet seither ein Arzneimittel-Sicherheitssystem für Spitäler und Ärzte an; konkret werden in einer Datenbank Wechselwirkungen von Medikamenten ausgewiesen. In dieser findet sich unter anderem das Schmerzmittel Novalgin, das von Sanofi-Aventis vertrieben wird.

Im Oktober 2014 richtete der Pharmakonzern laut "profil" und "futurezone" ein Schreiben an das Startup. Darin wurde Diagnosia aufgefordert, nicht mehr zu behaupten, dass eine "Interaktion zwischen Novaglin (Wirkstoff Metamizol) und den 114 oben angeführten Arzneimittel" bestehe. Weiters sollten Plattform-Nutzer, Ärzte und Spitäler über die "Richtigstellung" verständigt und ein entsprechender Artikel in der "Apothekerzeitung" veröffentlicht werden. Diagnosia, dessen Datenbank in 16 österreichischen Spitälern eingesetzt wird, entsprach der Forderung nicht und erhielt am 23. Dezember eine Klage auf Ruf- und Kreditschädigung. Weiters verlangte Sanofi-Aventis eine Einstweilige Verfügung, die aber im Jänner abgewiesen wurde. 

Vitula: "Es geht um ein Kräftemessen"

Der Hinweis auf die Risiken sei berechtigt, sagte Marco Vitula, Geschäftsführer des Startups, am Montag zur "futurezone". Die Informationen für die Fachdatenbank würden unter anderem vom schwedischen Karolinska Institut stammen sowie in diversen Fachpublikationen aufscheinen.

Nach der Klage habe man weiters mehrere Pharmakologen mit einer Prüfung des Sachverhaltes beauftragt. Das Ergebnis, so Vitula in dem Bericht: "Die Risiken haben eine Daseinsberechtigung und sind in Studien belegt." Seine These: "Es geht um ein Kräftemessen. Aus unserer Sicht ist das ein unfaires Match."

Sanofi-Aventis wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren bisher nicht öffentlich zu der Causa äußern. Der Streitwert beläuft sich auf rund 20.000 Euro.

>> Bericht der "futurezone"

(Red./hell)