Eine Forscherin aus der Dominikanischen Republik glaubt, den Bestattungsort der sagenumwobenen Königin gefunden zu haben. Die entscheidende Grabung soll demnächst an drei Orten nahe Alexandria beginnen.
War sie nun schön oder hässlich, Kleopatra, jene raffinierte und fesselnde Frau, die sich und ihr Reich retten wollte, indem sie sich mit den Vertretern der fremden Macht bzw. Übermacht einließ, erst mit Cäsar, dann mit Mark Anton? Letzteres war ihr einziger Fehler, sie hatte auf das falsche Pferd gesetzt, Mark Antons Rivale Octavian gewann, er nannte sich später Augustus und zeigte 29 v.Chr. im Triumphzug in Rom ein Bild von Kleopatra mit zwei Schlangen. Damit machte er ihren Selbstmord via Schlangenbiss offiziell. Ob es wirklich so war, ist ungeklärt, fest steht nur, dass sie im August 30 v.Chr. starb, kurz nach ihrem Geliebten (und möglicherweise: Ehemann) Mark Anton.
Den hatte sie vermutlich in den Tod gelockt, um spät ihren Fehler zu korrigieren und sich mit Octavian zusammenzubringen: Als Mark Anton die Entscheidungsschlacht vor Alexandria verloren hatte, ließ sie ihm die Meldung überbringen, sie habe Selbstmord begangen. Er stürzte sich in sein Schwert, starb nicht gleich, sondern sah sie noch einmal. Was sah er da, eine wunderschöne Frau oder eine potthässliche? Darstellungen gibt es kaum – Octavian ließ die Geschichte partiell ausradieren –, nur Münzen bieten Bilder, eine zeigte vor zwei Jahren die „hässliche Wahrheit“. So nannten Forscher der Newcastle University ihren Fund, eine Münze mit Bild einer Kleopatra mit scharfer Nase, dünnen Lippen und spitzem Kinn (auf der Rückseite der Münze war Mark Anton: hervorquellende Augen, Hakennase, Stiernacken).
So waren sie auf der Münze vereint, vielleicht waren sie es auch im Grab, man weiß es nicht, man sucht es schon lange. Nun sind wieder Münzen aufgetaucht, im Tempel Taposiris Magna nahe Alexandria, sie zeigen ein ganz anderes Bild: Es widerlege die Meinung, Kleopatra sei „sehr hässlich“ gewesen, berichtet Zahi Hawass, Ägyptens Chefarchäologe: „Kleopatra war in keiner Weise unattraktiv, sie hatte Anmut.“
Zehn Mumien, zwei in Gold gehüllt
Jetzt muss man sie (und Mark Anton) nur noch finden, Hawass und ein Team aus der Dominikanischen Republik um Kathleen Martinez setzen auf Taposiris Magna, weil sie dort schon 27 Gräber und zehn Mumien gefunden haben – zwei in Gold gehüllt –, auch eine Begräbnismaske, die zu Mark Anton passen soll. Drei potenzielle Bestattungsorte wurden identifiziert, nächste Woche beginnt die entscheidende Grabung.
Das Internet füllt sich derweil mit Mutmaßungen darüber, warum ausgerechnet eine Archäologin aus der Dominikanischen Republik den Fund machen soll, den Hawass noch über den der Schätze im Tal der Könige stellt. Aber wer weiß, was der Chefarchäologe im Sinn hat: Er steht Kleopatra an Raffinesse nichts nach, an Machtbewusstsein auch nicht, und er hat viele Rechnungen mit den klassischen Ausgräberländern offen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2009)