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EU will Kakao aus Schulmilchförderung streichen

(c) FABRY Clemens
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Kakao enthält sehr viel Zucker und widerspreche damit dem EU-Bildungs- und Gesundheitsgedanken. 22 Millionen Kinder seien in der EU übergewichtig.

Der Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments hat sich mehrheitlich gegen die Förderung von Schulkakao mit EU-Mitteln ausgesprochen. Nach Angaben der ÖVP-Europaabgeordneten Elisabeth Köstinger sind 85 Prozent aller in Österreich gelieferten Schulmilchprodukte Kakao und Fruchtmilch. "Das ist jetzt in Gefahr", sagte Köstinger.

Hintergrund ist die Zusammenlegung der bisherigen Schulmilch- und Schulobst-Programme der EU. Für das neue Programm stehen 230 Millionen Euro EU-Förderungen jährlich zur Verfügung, davon 150 Millionen für Obst und Gemüse. Nach dem Willen der EU-Kommission sollten Kakao und Vanillemilch nicht mehr gefördert werden.

"Anschlag auf die Esskultur"

Die sozialdemokratische EU-Abgeordnete Karin Kadenbach stimmte gegen eine spezielle Ausnahme für Kakao und Vanillemilch, wie sie sagte. "Ich bin in erster Linie Gesundheitspolitikerin", sagte Kadenbach gegenüber der APA. "Produkte mit Zucker und Zusatzgeschmacksstoffen widersprechen dem Bildungs- und Gesundheitsgedanken." 22 Millionen Kinder seien in der EU übergewichtig, so die Abgeordnete.

Köstinger sieht hingegen in dem Vorstoß einen "sozialistischen Anschlag auf die Esskultur". Gerade die Schulmilch sei "ein Beitrag für gesundes, bewusstes Essen und vielleicht eine letzte Barriere vor Cola und Schokoriegeln", zeigte sich Köstinger in einer Aussendung überzeugt.

Beschluss für neues Schulmilch-Programm fehlt noch

Die Argumentation des zuständigen EU-Parlamentsberichterstatters, des belgischen Sozialisten Marc Tarabella, wonach in erster Linie Großkonzerne von den EU-Förderungen profitierten, lässt die ÖVP-Abgeordnete nicht gelten. "In Österreich werden Schulmilchprodukte fast ausschließlich von Hofmolkereien geliefert, also von Betrieben, die selbstproduzierte Milch verarbeiten", betonte Köstinger. Auch das verwendete Kakaopulver stamme beinahe zur Gänze aus zwei kleinen österreichischen Firmen, eine davon ein Familienbetrieb.

Letztlich stimmte auch die christdemokratisch-konservative EVP für die Änderungen in der EU-Verordnung. Wenn das Plenum des EU-Parlaments endgültig abstimmt, will die EVP eine Ausnahme für den Schulkakao noch einmal auf den Tisch bringen. Das neue EU-Schulmilch- und Schulobst-Programm muss von den EU-Agrarministern und dem Europaparlament gemeinsam beschlossen werden.