Wieder ein Label, das leichtfüssig zwischen Design und Kunst hin- und herhüpft. Doch dem niederländischen Trio Demakersvan sind solche Schubladen egal. Für sie sind ihre Entwürfe einfach nur Geschichten.
Besonders reizvoll ist es nicht, eher kahl, und der Wind pfeift rund um die niedrigen ehemaligen Lagerhäuser. Trotzdem. In Rotterdams altem Hafen hat sich eine junge Designszene angesiedelt. Warum? „Weil hier einfach genug Platz zum Denken ist“, sagt einer der beiden Verhoeven-Zwillinge Joep und Jeroen. Und manchmal steigt auch einer der Seeleute von seinem Frachtschiff und schaut vorbei. Dann prallen Welten und Kulturen aufeinander, und demakersvan genießt das. So heißt das Designbüro, das die Verhoevens 2006 gemeinsam mit ihrer Eindhovener Studienkollegin Judith de Graauw gegründet haben.
Zwei Seiten von demakersvan. Sie alle sind Anfang 30 und recht unprätentiös. Für den Erfolg, den sie haben. Vorigen Herbst hat immerhin Brad Pitt bei der Designmesse in Miami einen ihrer Cinderella-Tische erstanden, ein typisches demakersvan-Produkt; hier treffen sich Alt und Neu, Marmor und Lasertechnik. Heraus kommt ein hyperbarocker Schreibtisch, ein amorphes Hightechgebilde. Bekannt wurde das Trio aber mit einer Erfindung, so einfach wie genial – dem Lace Fence, also Spitzenzaun.
Versehen mit traditionellen Mustern werden aus hässlichen Maschendrahtgittern ornamentale Raumtrenner, universell anwendbar, in Luxusshops wie an Hausfassaden. Ein Verhoeven-Twin ist gerade aus Indien zurückgekommen, dort lassen sie ihr Spitzenprodukt nämlich produzieren, nutzen die alte Technik der Metallknüpfer, verkaufen das Teil dann um 110 Euro pro Quadratmeter weiter. Fast schon ein Massenprodukt. Die eine Seite von demakersvan. Die andere ist exklusiver, geht in Richtung Kunst. So wird gerade an einer Ausstellung in der Galerie Haunch of Venison getüftelt. Im Zentrum soll ein unglaublich poetisches Objekt stehen – ein Luster, der wie eine Wolke aus Schmetterlingen wirken soll, die von einer Lichtquelle, einem glühenden Ball, angezogen wird.
Grenzüberschreitend. An der Wand hängen die Entwürfe, die zu dem märchenhaften Endprodukt aus hauchdünnem Silicium führten – es sind assoziative Collagen aus Zeichnungen, Zeitungsausschnitten et cetera. „Eigentlich typisch niederländisches Design“, meinen sie. „Wir verkaufen Emotionen, wollen eine Geschichte erzählen, die Fantasie anregen.“ Und diese „Story“ geht dann eben entweder in die kommerzielle Produktion oder in limitierter Auflage auf den Kunstmarkt. Da und dort fühlen sich demakersvan als Fremdkörper: „Die Industrie betrachtet uns als Künstler, die Kunstszene als Designer.“ Stimmt, die Grenzüberschreitung lässt stutzen.
Kunst und Design – ja darf man das denn wirklich so vermischen? Steckt da nicht kommerzielles Interesse der Auktionshäuser dahinter, beziehungsweise wollen die Galeristen durch ein breiteres Angebot nicht nur ihre Sammler umfassender bedienen? Zum Bild an der Wand noch die Lampe dazu? Das solle man doch nicht so eng sehen, meinen die drei. „Warum alles in Boxen sperren, das ist doch langweilig, wir sollten lieber an die Zukunft denken!“
Die Zukunft. An eine bessere erinnern demakersvan zum Beispiel mit ihrem Light Wind, einem sprichwörtlichen Windlicht, einer Straßenlaterne mit großem Propeller obendrauf, der den Strom für diese eine, autarke Beleuchtungszelle liefert. Schaut skurril aus wie aus einem Comic, funktioniert aber.
Anspielung auf die Wirtschaftskrise soll das aber, bitte, keine sein. Denn demakersvan sieht das unverschämt positiv. Anders als andere Design-Shootingstars haben sie ihr Büro klein gehalten, aus ganz hedonistischen Gründen noch dazu. „Es ist leicht, 20 Leute zu beschäftigen. Aber wenn die Zeiten tougher werden, musst du sie alle bezahlen – und fade Dinge dafür machen.“ Und für kleine Designbüros scheint die Rezession gar nicht einmal schlecht zu werden – „viele Hersteller können sich große Büros jetzt nämlich nicht mehr leisten“, so ein Verhoeven-Bruder.