Amanshausers Welt: 133 Hawaii

(c) Die Presse (Amanshauser)
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Die modernen Lango­barden des Lifestyles treiben bäuchlings auf ihren Brettern.

Surfer zu sein auf Hawaii – große Tradition. Seit tausend Jahren reiten Hawaiianer die Wellen. Christliche Missionare schafften es im 19. Jahrhundert fast, den Volkssport auszurotten. Ihnen schien er skandalös, weil Frauen und Männer damals zusammen surften. Heute wagen sich nur die Mutigsten in die 20-Meter-Wellen von Jaws, dem wildesten Spot. Laien würden von solchen Wellen einfach getötet. Nach Jaws führt eine Dreckstraße, fünf Kilometer lang vollgeparkt: 2000 Neugierige, viele mit Boards. Die Surf-Dudes, mit Pudelmütze und Quiksilver-Kleidung, sind eine Kombination aus fettfreien Naturburschen und begeisterten Clubbern.

Vorne fletscht Jaws seine Zähne: Jetskis ziehen die Profis in die blubbernde Wellenhölle. Der Begleiter auf dem Jet wirkt dabei fast noch verrückter als der Wellenreiter. Auf dem Kamm der Welle lässt er den Surfer frei – und der zischt davon. Vor der nächsten Welle muss der Begleiter den Wellenreiter wieder einklinken, sonst ist der verloren.

Die Surferstadt Pa’ia, nahe Jaws, pflegt das Image. Du bist Punk, Snowboarder oder eben Surfer. Ein braun gebrannter Junge mit Banzai-Pipeline-Shirt: „Ich war zwei Stunden draußen, aber keine Chance heute.“ Sein Freund: „Hier sind normal Superwellen, aber heute ging gar nichts.“ Kein Problem: Vom Strand aus gesehen, also von dort, wo die Boardgirls sitzen, sind die Surf-Dudes ja nur kleine schwarze Punkte.

Oft brandet an ihre Spots untertags keine surfbare Welle. Sie treiben bäuchlings auf ihren Brettern, ein ganzes Rudel. Sie schaukeln auf der Oberfläche wie tote Fische, warten gute Bedingungen ab. Wenn aber plötzlich Wellen kommen, sind sie überfordert, und das Rudel driftet unauffällig ab in sanftere Gefilde.Der typische Surf-Dude begibt sich nachmittags zur Bar. Die wahre Action findet nicht im unpersönlichen Meer statt, sondern in den Clubs.

Die Langobarden der Lifestyle-Völkerwanderung sind offen und unpolitisch, kennen keine Alters- und Rassenbeschränkung, keine Klassenzugehörigkeit.
Wellenreiten ist eine einfache Religion wie
Facebook, hat keine komplizierte Kultur,
keine ausgefeilten Sitten. Der Hawaiianer Duke Paoa Kahanamoku (1890–1968) mit seinem Papa-Nui-Brett gilt als Begründer des modernen Wellenreitens, aber als Surfer brauchst du die Götter nicht zu kennen. Benötigt werden ein Board mit Surfwachs („Mr. Zogs Sexwax“) und das richtige Outfit.

Traveller-Talk: „Ich weiß einen großartigen Spot. Nicht auf Maui, sondern drüben auf
Oahu. Riesenwellen, gigantisch! Aber heute, das war nichts.“ Bei sieben Inseln ist es aber immer möglich, dass die besten Wellen anderswo sind. Die Wellen sind nur der Common Ground für die große Party. An vielen Stränden wird Surfunterricht angeboten, bei 50-Zentimeter-Wellen. Die Idee daran ist weniger das Lernen, sondern eher, dass die Angehörigen ein Foto schießen: Er war in Hawaii. Er stand auf einem Surfbrett.

Martin Amanshauser, "Logbuch Welt", 52 Reiseziele
Bestellungen online, per Fax 01/514 14-277.

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