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UN-Sondergesandter für den Jemen tritt zurück

UN-Sondergesandter für den Jemen tritt zurück
Jamal BenomarAPA/EPA/YAHYA ARHAB
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Der marokkanische Diplomat hat den Rückhalt der arabischen Golfstaaten verloren.

Inmitten des tiefen Konflikts im Jemen sieht sich der zuständige UN-Sondergesandte Jamal Benomar zum Rücktritt gezwungen. Benomar habe um seine Versetzung gebeten, teilte die UNO am Mittwoch (Ortszeit) in New York mit. Laut einem UN-Vertreter hat der 58-jährige marokkanische Diplomat den Rückhalt der arabischen Golfstaaten verloren.

Diese werfen ihm vor, mit seinen diplomatischen Bemühungen ein Erstarken der Houthi-Milizen ermöglicht zu haben. Benomar hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon seit 2012 als Jemen-Gesandter gedient. Ban würdigte in der Erklärung Benomars jahrelange "unermüdliche Bemühungen" um Frieden im Jemen. Benomars Nachfolger werde "zu gegebener Zeit" ernannt, hieß es in der UN-Mitteilung weiter.

Ein UN-Vertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Benomar ziehe mit seinem Rücktritt die Konsequenzen daraus, dass er den Rückhalt der arabischen Golfstaaten verloren habe. Als ein möglicher Nachfolger werde der mauretanische Diplomat Ismail Ould Cheikh Ahmed gehandelt, der derzeit die UN-Mission zur Bekämpfung von Ebola führt.

Schiitische Houthi-Rebellen und mit ihnen verbündete Soldaten liefern sich im Jemen seit Wochen heftige Kämpfe mit den Truppen und Milizen von Präsident Abd Rabbu Mansour Hadi, der im Februar aus der Hauptstadt Sanaa in die Hafenstadt Aden floh. Als die Rebellen Mitte März auf Aden vorrückten, setzte sich Hadi nach Saudi-Arabien ab und bat um militärische Hilfe. Seit dem 26. März fliegt eine von Riad angeführte Allianz Luftangriffe.

Diskussion über Bodenoffensive

Angesichts der begrenzten Erfolge der Angriffe wird auch über eine Bodenoffensive diskutiert. Saudi-Arabiens US-Botschafter Adel al-Jubeir sagte hingegen am Mittwoch in Washington, die Offensive habe die Erwartungen übertroffen und einen großen Teil der militärischen Infrastruktur der Houthi zerstört. Die Allianz könne allerdings nicht auf halbem Wege aufhören.

Benomars Vermittlungsversuch zu Beginn der Krise war ohne Erfolg geblieben. Die Golfstaaten werfen dem UN-Diplomaten vor, er habe sich von den Houthis hinters Licht führen lassen: Während sie mit ihm über eine friedliche Lösung verhandelten, hätten sie gleichzeitig ihre Offensive zur Einnahme weiterer Gebiete im Jemen vorangetrieben.

Am Dienstag verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine Resolution, die ein Waffenembargo gegen die Houthis und Sanktionen gegen ihre Anführer verhängt. Zudem werden die Rebellen darin aufgefordert, ihre Truppen aus der Hauptstadt Sanaa abzuziehen und auf ihre Stellungen von September 2014 zurückzukehren.

Saudi-Arabien machte unterdessen deutlich, dass es weiter militärisch eingreifen will. Ägypten kündigte am Mittwoch gemeinsame Militärmanöver mit Saudi-Arabien an, an denen auch Truppen der Golfstaaten teilnehmen sollten. Ein Zeitpunkt oder weitere Einzelheiten der geplanten Übungen wurden nicht genannt.

Der türkische Parlamentspräsident Cemil Cicek sprach sich während eines Besuchs in Moskau für die Organisation von Friedensgesprächen zwischen den Konfliktparteien in Istanbul oder Riad aus. Irans Präsident Hassan Rohani versicherte, sein Land strebe nicht nach regionaler Vorherrschaft. Saudi-Arabien wirft Teheran vor, die Houthi-Rebellen militärisch zu unterstützen.

(APA/AFP)