Wenn Pröll Bundespräsident werden will, will auch die ÖVP

Erwin Pröll.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

KulisseNiederösterreichs Landeshauptmann lotet gerade seine Chancen aus. Alternativ könnte Christoph Leitl zum Zug kommen. Oder Othmar Karas.

Wenn er nicht doch noch in Wien einspringen muss, um nach der Gemeinderatswahl am 11.Oktober an Michael Häupls Stelle Bürgermeister zu werden, wird Rudolf Hundstorfer nächstes Jahr wohl für das Bundespräsidentenamt kandidieren.

Zumindest wünscht sich das die SPÖ-Spitze um Werner Faymann. Auch der Sozialminister, der in den vergangenen Monaten mit allen hohen Ämtern – Kanzler inklusive – in Verbindung gebracht wurde, soll sich gut vorstellen können, nach Heinz Fischer neunter Bundespräsident der Zweiten Republik zu werden.

Beim Koalitionspartner ist die Kandidatenfrage dagegen noch weitgehend unbeantwortet. Nach „Presse“-Informationen stehen in der ÖVP drei Anwärter zur Auswahl: der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl und der EU-Abgeordnete Othmar Karas.

Wobei man Pröll die Entscheidung freigestellt hat: Wenn er will, wird er Bundespräsidentschaftskandidat. Nur weiß Pröll noch nicht, ob er will. Fragen zu diesem Thema beantwortet er kryptisch. Parteifreunde berichten, dass der Landeshauptmann, ein strategischer Kopf und begnadeter Wahlkämpfer, mit seinem Stab gerade die Chancen auslote. Und sich damit durchaus noch Zeit lassen werde.

Sollte Pröll in Niederösterreich bleiben, steigen die Chancen von Leitl und Karas. Wobei sich der Wirtschaftskammer-Chef gerade mit der Partei angelegt hat, um den Steuerkompromiss noch abzuschwächen – im Sinn des Gastgewerbes, das sich von der Regierung ungerecht behandelt und von der Kammer schlecht vertreten fühlt. Karas wiederum würde gern Bundespräsident werden, hat aber von den drei Kandidaten die kleinste Lobby in der ÖVP.

Pröll wird seine Entscheidung auch von den Gegnern abhängig machen. Mit Hundstorfer als SPÖ-Kandidat darf er jedenfalls kalkulieren, aber andere wesentliche Fragen sind offen: Wird Alexander Van der Bellen für die Grünen antreten, so, wie sich das die Parteiführung um Eva Glawischnig wünscht? Der Professor, der in seiner Zeit als Bundessprecher immer auch für viele Nicht-Grüne wählbar war, hätte durchaus Chancen, wenn er es in die Stichwahl schaffte.

Und was macht die FPÖ? Kann sie Rechnungshof-Präsident Josef Moser doch noch zu einer Kandidatur bewegen, oder schickt sie den Dritten Nationalratspräsidenten Norbert Hofer in die Wahl? Auch Irmgard Griss war als überparteiliche Kandidatin im Gespräch. Aber darauf würden sich die Regierungsparteien vermutlich auch dann nicht einlassen, wenn die frühere Präsidentin des Obersten Gerichtshofs wollte.

Noch bleibt Zeit. Verstärkt werden die Parteien sich erst nach der vierten und letzten Landtagswahl des Jahres, jener in Wien, der Hofburg zuwenden. Aber Hundstorfer gegen Pröll gegen Van der Bellen – das hätte schon etwas. So spannend wäre eine Bundespräsidentenwahl selten gewesen.

Sollte Pröll sich zu einem Antritt entschließen, brauchte Niederösterreich einen neuen Landeshauptmann. Am ehesten kämen dann, wie aus ÖVP-Kreisen zu hören ist, Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und – mit geringeren Chancen – Agrarlandesrat Stephan Pernkopf infrage.

E-Mails an:thomas.prior@diepresse.com