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Zehntausend beim „Marsch der Lebenden“

Gedenken in Auschwitz: Tausende Jugendliche, viele gehüllt in israelische Flaggen, nahmen am „Marsch der Lebenden“ von Auschwitz nach Birkenau teil.(c) APA/EPA/STANISLAW ROZPEDZIK (STANISLAW ROZPEDZIK)
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Gedenktag für Opfer des Holocaust in Auschwitz.

Auschwitz. Über ihren Köpfen schwebte die zynische gusseiserne Grußformel der Nazis: „Arbeit macht frei!“ Circa 10.000 Menschen marschierten am Donnerstag durch das Tor des Vernichtungslagers Auschwitz drei Kilometer lang nach Birkenau. Holocaust-Überlebende, Juden und Nichtjuden aus aller Welt, vor allem Jugendliche. Sie erfüllten den Ort, an dem 1,1 Millionen Menschen von den Nazis ermordet worden waren, mit Leben. 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz flatterten im Wind Flaggen aus Argentinien, Mexiko, Südafrika und etlichen anderen Staaten. Viele Jugendliche waren in israelische Flaggen eingehüllt. Aus Österreich waren rund 400 Schüler angereist.

An der Spitze der österreichischen Delegation stand der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch. Der „Marsch der Lebenden“ zeige, dass „wir über die kriminellen Nazis gesiegt haben“. Der Kampf gegen den Antisemitismus sei jedoch noch immer nicht ausgestanden. „Es werden wieder Juden getötet, bloß weil sie Juden sind – in Paris, Belgien, Dänemark“, sagte Deutsch.

Auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek war der Einladung der Kultusgemeinde zur Gedenkreise gefolgt. Ebenso der zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf und die Chefin der Grünen, Eva Glawischnig.

 

„Erinnern als Bildungsauftrag“

Erinnerungskultur sei ein Bildungsauftrag, gerade auch, weil Österreich lange die Auseinandersetzung mit der Geschichte gescheut habe, sagte Heinisch-Hosek. „Vergangenheitsbewältigung ist ein Zukunftsprojekt.“ Es gehe darum, die Jugend zu sensibilisieren und gegen Antisemitismus und Rassismus immun zu machen. Das Unterrichtsministerium unterstützt das Projekt finanziell seit 1988.

Die österreichischen Schüler aus Wien und Wiener Neustadt hatten bereits am Mittwoch das Konzentrationslager Auschwitz besucht. „Es wird einem teilweise schlecht, wenn man die Spuren des Massenmordes sieht“, sagte der 17-jährige Florian W. Die Reise sei sehr wichtig, denn in Auschwitz werde der Holocaust konkret und sei nicht mehr nur eine Zahl aus Büchern. (cu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2015)