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Ausstellungsmanagement: „Keine Zeit, kein Geld, wenig Jobs“

LITERATURMUSEUM DER �STERREICHISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK
(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Auf der Gratwanderung zwischen Effizienz und Kreativität den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren, kann man in speziellen Lehrgängen für Museumsmanagement und Ausstellungskuratorik lernen.

Debatten wie jüngst um die parodistische Skulptur der österreichischen Künstlerin Ines Doujak, die im Museum für zeitgenössische Kunst in Barcelona (Macba) heftige Turbulenzen auslöste, zeigen den Druck, dem Museumsdirektoren oder Ausstellungskuratoren bisweilen ausgesetzt sind. Das Figurenensemble mit sexuellen Anspielungen auf den spanischen König provozierte die kurzfristige Absage der gesamten Schau, als Reaktion darauf Proteste in der Kunstwelt sowie als Gegenreaktion die erneute Öffnung der Ausstellung und das Rücktrittsangebot des Direktors.

Wie sich derlei Erfahrungen anfühlen und was für den Kurator zu tun ist, wird heuer bei der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg thematisiert. Leiterin Hildegund Amanshauser weiß um die Mühen des Kuratierens, Programmierens und Realisierens großer Ausstellungen: „Das Hauptproblem ist immer, dass es keine Zeit oder kein Geld gibt. Aber das allergrößte Problem ist, dass es auch kaum Jobs gibt. Selbst für ein Miniprojekt bekommen wir sofort 100 Bewerbungen.“ Wer es schaffe, eine Stelle zu ergattern, sei dann umso mehr damit beschäftigt, die Gratwanderung zwischen Effizienz und Kreativität zu meistern: „Wie manage ich mich selbst und das Projekt, sodass ich Geld und alle Ressourcen zur Verfügung habe und die Inhalte stimmen?“

 

Ausstellung in Theorie und Praxis

Eines der wenigen postgradualen Programme mit kuratorischem Schwerpunkt in ganz Europa ist der Masterlehrgang Educating/Curating/Managing“ (ecm) der Universität für angewandte Kunst Wien. Die Teilnehmerschaft sei in der Regel äußerst heterogen, sagt Leiterin Beatrice Jaschke. „Derzeit sind darunter sowohl Personen mit wirtschaftlichem als auch mit gestalterischem Hintergrund, zum Beispiel Grafiker oder Architekten, aber auch Quereinsteiger, wie etwa ein Steuerberater. Und sie stammen aus elf Ländern, darunter Brasilien, Griechenland, Luxemburg oder Ungarn.“ Unterrichtssprache sei dennoch Deutsch, auch wenn man häufig auf Englisch umsteige. Auch in ihren Erwartungen sind die Lehrgangsteilnehmer laut Jaschke sehr unterschiedlich. „Manche, die schon seit vielen Jahren Ausstellungen betreuen, sind speziell an der Theoriebildung interessiert. Andere brauchten die Praxis und ein curatorial tool kit. Es ist uns auch wichtig, dass jeder mit anpackt und konservatorische Praxis bekommt.“ Viel Wert wird auf das Knüpfen von Netzwerken und auf Exkursionen gelegt, darunter zwei größere Reisen zu ausländischen Museen und Institutionen (heuer nach New Dehli und Madrid). Im ersten Semester werden vor allem theoretische Grundlagen erarbeitet. Im zweiten und dritten Semester konzipieren die Teilnehmer ein gemeinsames Ausstellungsprojekt, das als Publikumsschau realisiert wird. „Im vierten Semester stehen – abgesehen von der Masterthese – die zweite große Exkursion sowie ein zweiter Theorieschwerpunkt auf dem Programm.

„Es ist interessant zu beobachten, dass dann die Diskussionen auf einem ganz anderen Niveau ablaufen“, sagt Jaschke. Insgesamt gelinge es immer wieder, den Teilnehmern buchstäblich die Augen zu öffnen. „Man sieht auch ganz praktische Dinge plötzlich ganz anders. Das geht bis zu Steckern und Lüftern in Ausstellungsräumen oder, wie ein Bild hängt.“

 

Chancen für Digital Natives

Ebenfalls berufsbegleitend, aber kürzer und zeitlich flexibel organisiert ist der Zertifikatslehrgang Kulturmanagement, den das Institut für Kulturkonzepte anbietet. Der Lehrgang richtet sich laut Kulturkonzepte-Chefin Karin Wolf an Personen, die sich beruflich in diesem Feld weiterentwickeln möchten. „Die Mehrheit der Teilnehmer arbeitet bereits in Kulturinstitutionen oder -vereinen oder ist selbstständig tätig. Für Studierende, die noch keine Berufserfahrung haben, bieten wir die Sommerakademie an, ein vierwöchiges, kompaktes Programm für Einsteiger.“ Man kann jederzeit in den Lehrgang einsteigen und hat danach ein Jahr Zeit, um sieben Seminare (aus 18 angebotenen) zu absolvieren, eine Abschlussarbeit zu verfassen und diese vor einer Jury zu präsentieren.

Allgemein haben österreichische Museen laut Wolf dank Sparmaßnahmen vermehrt Bedarf an Kompetenzen in den Bereichen Leadership und Controlling. Und, unabhängig davon, an Social Media. Wolf: „Hier gibt es Jobchancen für die jüngere Generation, für die Digital Natives, die mit dem Kommunikationsverhalten ihrer Altersgenossen vertraut sind.“

INFORMATION

• Universität für angewandte Kunst Wien:

Masterlehrgang ECM, Masterlehrgang Art & Enonomy, www.dieangewandte.at

• Institut für Kulturkonzepte:

Zertifikatslehrgang Kulturmanagement

www.kulturkonzepte.at, Zertifikatslehrgang Kunst- und Kulturvermittlung, www.kulturkonzepte.at

Weiterführende Infos: www.summeracademy.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2015)