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Eine Schatzkiste mitten in Wien

Museum. Im Münzkabinett werden Briefe seines früheren Direktors ausgewertet.

Münzen, Medaillen und Papiergeld: Die Sammlung im Wiener Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums (KHM) beherbergt insgesamt 600.000 Objekte. Je nach Ausstellung sind allerdings nur rund 2000 davon für Besucher zugänglich. Hinter den Kulissen wird weiter an den Schätzen geforscht.

Gegründet wurde die „Schatzkiste“ im Zentrum Wiens von Kaiser Karl VI. Er ordnete im Mai 1714 an, im kaiserlichen Billardzimmer ein Münzkabinett einzurichten. Maria Theresia machte die kaiserlichen Sammlungen und somit auch das Münzkabinett schließlich allgemein zugänglich. Und sie stellte die Weichen für die Numismatik als Wissenschaftsdisziplin, indem sie 1774 Joseph Hilarius Eckhel zu dessen Direktor berief. In seinem Hauptwerk revolutionierte Eckhel die Erforschung antiker Münzen und Geldsysteme – manche Erkenntnis gilt bis heute.


Numismatisches Netzwerk

Im Archiv des Münzkabinetts aufbewahrte Briefe an Eckhel von 38 Gelehrten aus ganz Europa werden nun in einem vom Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Forschungsprojekt erstmals detailliert ausgewertet. Außerdem werden Briefe Eckhels an seine Korrespondenzpartner in ausländischen Archiven gesucht. So soll der ganze Briefwechsel, der in französischer, italienischer, lateinischer und deutscher Sprache stattfand, rekonstruiert werden.

Damit schaffen Forscher der ÖAW und des Münzkabinetts die Basis für eine Analyse des wissenschaftlichen Werks Eckhels auf der Grundlage aller verfügbaren Quellen. Sie erhoffen sich daraus auch weiterreichende Aufschlüsse zur Wissenschafts-, Sozial- und Geistesgeschichte der Zeit. (gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2015)