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Dawa: Entschleunigung der Musik, Beschleunigung der Karriere

(c) Dawa
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Das Folk-Quartett Dawa wurde beim Song-Contest-Vorentscheid Zweiter. Seitdem sind die Konzerte bestens besucht. Und bald soll es auch T-Shirts geben.

Wenn es so etwas wie Sieger der Herzen beim österreichischen Vorentscheid zum Song Contest gegeben hat, dann waren es wohl die vier Mitglieder der Indie-Band Dawa. Das sympathisch-schüchterne Folk-Quartett wurde hinter den Makemakes Zweiter. Die Entscheidung liegt nun mehr als einen Monat zurück. Bei Dawa überwiegt die Freude an der Teilnahme bei den ORF-Finalshows, der Frust dagegen ist überschaubar: „Natürlich wäre es cool gewesen. Andererseits müssten wir wie die Makemakes von einer Pressekonferenz zur nächsten, von einem Land zum nächsten jetten. Da bin ich ganz froh, dass ich nicht ständig dem Trubel ausgesetzt bin“, sagt Cellistin Laura Pudelek. Verändert hat sich ohnehin vieles: „Die TV-Auftritte brachten uns viel Erfahrung. Die Konzerte sind voll. Und wir haben einen medialen Push erhalten“, so Sänger John Dawa.

In Zeiten von Social Media ist ein Zuwachs von mehreren tausend Facebook-Likes, die seit dem Ende des Vorentscheids dazugekommen sind, ebenfalls ein Indikator für steigendes Interesse. Der Grad der Professionalität sei gestiegen, so werden bald auch die ersten Band-T-Shirts erhältlich sein. Von der Musik könne man aber noch nicht leben: „Ich glaube, wir sind auf dem besten Weg dahin“, meint Oama Richson (Cajón/Perkussion).

Er studiert Molekularbiologie und gibt Nachhilfe in Mathematik. Sängerin Barbara Wiesinger arbeitet derzeit als Security („Für mich ist der Job nur Mittel zum Zweck, Erfüllung ist die Band“), Laura Pudelek als Cello-Lehrerin. John Dawa ist Krankenpfleger im Wilhelminenspital. „Meine Kollegen sind so nett und tauschen Dienste.“ Er hat mittlerweile auf 30 Stunden heruntergeschraubt – denn die Folk-Band ist gefragter denn je. Man spielt viele Konzerte, vor Kurzem in München.

 

Soundtrack für Generation rastlos

Wenig überraschend also, dass es Angebote von Major-Labels gibt. „Ja, das ist aber nicht das erste Mal. Wir werden uns Zeit lassen“, erklärt Wiesinger. Die menschliche Komponente sei entscheidend. Freundschaften erwarte sich die Band selbstverständlich nicht, aber „es sollte doch familiär zugehen“, ergänzt John Dawa. Das Zuhause heißt seit jeher Las Vegas Records, ein kleines Wiener Indie-Label. Wohl auch deshalb wolle man nicht den Weg von Bilderbuch einschlagen und eine eigene Plattenfirma gründen.

2013 veröffentlichten Dawa auf Las Vegas Records ihr Debütalbum „This Should Work“, kein Jahr später die zweite – von Patrick Pulsinger und Oliver Brunbauer produzierte – LP „Psithurisma“ (Griechisch für Blätterrauschen). Auf dem ruhigen, aber kraftvollen Album finden sich Songtitel wie „Slow Down“ oder „On The Run“. Also ein musikalischer Ausdruck der notwendigen Entschleunigung unserer mobilen, rastlosen Gesellschaft? „Eigentlich nicht. Es gibt kein zentrales Thema, keine konkreten Botschaften. Wir wollen musikalisch umsetzen, was wir erleben und empfinden“, sagt Pudelek. Ob das nächste Album in eine andere, elektronische Richtung gehen werde, könne man noch nicht sagen. „Wir sind jetzt nicht dagegen. Aber was uns ausmacht, ist das Analoge. Ich glaube, jetzt elektronische Elemente einzubauen, wäre berechnend“, so John Dawa. Das ist also noch Zukunftsmusik. Sein Umzug von Wien nach Krems ist hingegen vollzogen: „Für mich persönlich ist Wien zu hektisch, dabei bin ich in Favoriten aufgewachsen. In Krems ist es etwas ruhiger.“

Dem privaten Slow Down steht eine Beschleunigung der Karriere gegenüber. Der gestiegene Wert von österreichischer Musik hierzulande ist dabei sicher kein Nachteil: „Endlich ist es so weit, dass der Fokus darauf gerichtet ist. Aber ich glaube nicht, dass es vor zehn Jahren weniger begabte Musiker gab“, sagt Wiesinger. Sie spricht respektvoll über die präsenten Wanda und Bilderbuch, aber auch über die Makemakes. Den ehemaligen ESC-Mitbewerbern drücke man am 23.Mai die Daumen, auch wenn man am selben Abend ein Open-Air in Friesach spielt. „Vielleicht finden wir ja einen Stream“ – hoffentlich einen schnellen.

ZUR BAND

Dawa. Gegründet wurde die Folk-Kapelle von John Dawa und Barbara Wiesinger. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten sie 2010. Später stießen Laura Pudelek und Norbert Kröll hinzu. 2014 ersetzte ihn Oama Richson. Das Debütalbum erschien 2013 auf Las Vegas Records. Im Februar 2014 veröffentlichte das Quartett den Nachfolger „Psithurisma“. Beim diesjährigen Vorentscheid zum Song Contest schafften es Dawa bis in das Finale der besten sechs Acts. In der entscheidenden Show wurden sie Zweite. The Makemakes gewannen den Vorentscheid.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2015)