Die externen Berater und ihre Lottotreffer

Rechnet eigentlich irgendjemand öffentliche Beratungshonorare nach?

Um für sein Leben ausgesorgt zu haben, muss man nicht unbedingt einen Haupttreffer in der Euromillionenlotterie gemacht haben. Es reicht, als Gutachter oder Berater von der öffentlichen Hand oder einem ihrer Unternehmen engagiert zu werden.

Der Eindruck drängt sich einem jedenfalls auf, wenn man sich etwa die Vorgänge um den Kärntner Seenkauf ansieht, bei dem das Land dem ÖGB und der Bawag ein paar Seegrundstücke freundlicherweise zum ungefähr doppelten Verkehrswert abgenommen und dabei die Steuerzahler möglicherweise um 22 Millionen Euro geschnalzt hat.

Basis für die interessanten Transaktionen waren Bewertungsgutachten, die laut anderen Gutachtern auf „mystischen Gewichtungen“ basieren, „nicht nachvollziehbar“ sind – und trotzdem mit sehr hohen Summen honoriert wurden. Da war möglicherweise das Ergebnis vom Auftraggeber vorgegeben, aber Gefälligkeitsgutachten waren es selbstverständlich nicht. Das wäre ja verboten... Ganz nebenbei waren in dem Umfeld Anwälte zugange, die das Zehnfache des üblichen Honorars kassiert haben, sagt jetzt ein Gutachter.

Das wundert einen zwar nicht im Land der „Patriotenrabatt“-Gutachten, aber wir stellen uns doch die Frage, ob sich jemand die Honorare in diesem Biotop anschaut und in Relation zum erbrachten Ergebnis setzt. Oder ob das egal ist, weil ja der Steuerzahler peckt.

Bei der Hypo Alpe Adria beispielsweise hat die ganze Nation relativ stoisch hingenommen, dass nach der Notverstaatlichung allein zwischen 2010 und 2013 Beratungsleistungen im Wert von 250 Mio. Euro extern zugekauft wurden. Klingt nach viel, aber die Globalsumme sagt noch nicht alles. Setzen wir ein Topberatungshonorar von 5000 Euro pro Manntag an (das bekommen nur wenige Spitzenconsultants), dann hätte die Hypo Beratungsrechnungen für 50.000 Manntage beglichen. Bei 250 Jahresarbeitstagen hätten in diesen vier Jahren also permanent 50 externe Topberater für die Kärntner Pleitebank gearbeitet. Wem kann man denn so etwas erzählen? Und, falls doch: Wofür hatten sie eigene, hoch bezahlte Manager?

josef.urschitz@diepresse.com