Arya geht durch die schwarze Tür. Ob das etwas zu bedeuten hat?

"Game of Thrones": Staffel fünf, Folge zwei

"The House of Black and White" besucht viele Figuren, dabei übersieht man fast entscheidende Entwicklungen. Ein neuer Schauplatz enttäuscht.

SPOILERWARNUNG: Ich blogge wieder zu jeder neuen "Game of Thrones-Folge und verrate Details zur Handlung. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Unlängst wurde ich gefragt, worüber ich im "Game of Thrones"-Episodenblog am liebsten schreibe. Leichter fällt mir die Antwort, worüber ich weniger gerne schreibe. Etwa über Folgen, bei denen man bei vielen Figuren vorbeischaut, aber nirgends lange genug bleibt. So geht es mir mit "The House of Black and White", in der es mindestens fünf wichtige Entwicklungen in der Handlung gibt:

  • Jon Snow wird Commander of the Night's Watch. Das passiert fast so im Vorbeigehen.
  • Arya tritt in das titelgebende "House of Black and White" in Braavos ein.
  • Die Serie zeigt – endlich – Dorne und den Prinzen des Landes im Süden, Doran Martell.
  • Brienne findet – endlich – Sansa Stark.
  • Daenerys verliert das Vertrauen ihrer "Kinder".

Aber der Reihe nach.

Der Flakturm of Black and White

Das "House of Black and White" in Braavos, quasi das Venedig dieser Welt, ist ein imposanter fensterloser Tempel, erinnert mich aber etwas an die Flaktürme in Wien: gigantische Bunker. Besser gefiel mir der Koloss von Braavos, dem ein Eigenleben zugesprochen wird. In der Zeit, in der Arya auf den Einlass in das Haus wartet, geht sie ihre "Todesliste" durch. Auf der stehen erstaunlicherweise nur mehr vier Namen: Cersei, Walder Frey, The Mountain und Meryn Trant, der mutmaßliche Mörder ihres Schwertkampflehrers Syrio Forel. Wieso Jaqen H'ghar sie zuerst nicht einlässt? Sie spricht ihn falsch an, denn "I am no one". Das Innere des Hauses bekommen wir nicht zu sehen. Ob es etwas zu bedeuten hat, dass sie durch die schwarze Tür geht und nicht durch die weiße? Sicher.

Der Norden vergisst nicht

Immerhin ist das Geheimnis von Sansas dunklem Haar gelüftet: Sie hat es gefärbt. Das erfahren wir, als Brienne und Podrick in einer Schenke auf Sansa und "Littlefinger" Peter Baelish stoßen. Wie er die sozial ungeschickteste Ritterin (okay, sie ist vielleicht auch die einzige) von Westeros beschämt, indem er ihre Ex-Arbeitgeber auflistet, ist fast schon komisch. Sansa scheint aber weniger von ihm beeindruckt, als von Brienne enttäuscht: "At Joffrey's wedding you kneeled", erinnert sie sich. Der Norden vergisst nicht. Und Sansa hat gelernt zu lauschen; von welchem Hochzeitsantrag Littlefinger spricht, ist trotzdem nicht klar. Zumindest will Brienne Sansa nicht so schnell aus den Augen lassen.

"You are the queen mother. Nothing more."

Zwei Königinnen und ihre Gremien: Cerseis Onkel Kevan erteilt ihr im "Small council" eine Abfuhr, die sich gewaschen hat. "You are the queen mother. Nothing more." Das hat weh getan. Wenn sie schon aus der eigenen Familie solchen Gegenwind bekommt, wie wird es von anderen Adelsfamilien werden? Sie sieht sich als logische Erbin ihres Vaters, der restliche Hof offenbar nicht. Zumindest Jaime folgt seiner Schwester noch brav und bricht mit Ritter Bronn (schönes Wiedersehen) nach Dorne auf, um Myrcella heimzuholen. Wieder so eine "Das steht aber nicht im Buch"-Handlung.

Etwas leblose Water Gardens

Myrcella scheint es in Dorne aber ausgesprochen gut zu gehen, schlendert sie doch mit einem der Martell-Kinder (Trystane? Quentyn?) durch die Water Gardens. Die ledigen Töchter Oberyn Martells und seine Mätresse Ellaria Sand würden das gerne ändern. Der Herrscher Dornes, Prinz Doran Martell spricht ein Machtwort: "We do not mutilate little girls for vengeance. Not here. Not while I rule."

Ein Echo dessen, was sein Bruder in der vierten Staffel gesagt hat. Insgesamt bin ich ein wenig enttäuscht von den Water Gardens, die ich mir lebendiger vorgestellt habe. Aber im Fernsehen kann man wohl schwer einen älteren Mann zeigen, der stundenlang (halb-)nackten Kindern beim Spielen zusieht.

Daenerys in der Identitätskrise

Wie Cersei wird auch Daenerys beraten: Soll sie einen gefangenen Son of the Harpye aufknüpfen oder ihm den Prozess machen? Zwar wird ihr diese Entscheidung abgenommen, doch folgt eine schwerere: Auf den Mord eines (gefangenen) Menschen steht die Todesstrafe. "Law is law", weiß Daenerys. Das versteht ihr Volk nicht. Auf verzweifelte "Mhysa"- und "Gnade"-Rufe folgen Steine, die durch die Luft fliegen. In einer Stadt, in der ehemaligen Sklaven ums Überleben kämpfen, während ihre ehemaligen Herrscher in Palästen wohnen, kann es so schnell keinen Frieden geben.

Daenerys hat eine Identitätskrise: Ser Barristan Selmy hat ihren Vater, den verrückten König, selbst vom imaginären Thron gestoßen. Sie verliert die Liebe ihrer "Kinder", ihres Volkes, – und auch wenn ihr Drache Drogon sie beschützt, berühren lässt er sich von ihr nicht.

"You can give me the north"

Zu kurz war mir die Episode an der Wall: Stannis will die Wildlinge zu seinen Anhängern machen, tadelt Jon Snow und holt sich Rat von ihm ein. Um den Norden für sich einzunehmen, will er Jon zum Lord von Winterfell machen: "Kneel before me and you'll rise again as Jon Stark, Lord of Winterfell". Wie sehr sich Jon das immer gewünscht hat, sieht man ihm richtig an.

Jon Snow, 998. Lord Commander of the Night's Watch
Jon Snow, 998. Lord Commander of the Night's Watch(c) HBO

Natürlich muss er ablehnen, sein Schwur als Brother der Night's Watch erlaubt es nicht. "If I don't take my own words seriously, what Lord of Winterfell would I be", sagt Jon. Ned Stark hat ihn viel gelehrt. Aber er kommt gar nicht mehr dazu, Samwell Tarly fädelt eine andere Aufgabe ein: Er schickt ihn gegen Ser Alliser Thorne und Ser Denys Mallister in das Rennen um den Posten Commander of the Night's Watch. "He was the commander we turned to when the night was darkest", sagt Sam. Diese Formulierung würde auch Melisandre gefallen. Zwar wiegt der Vorwurf, Jon liebe die Wildlinge zu sehr, schwer, aber mit einer Stimme Vorsprung wird er zum Commander gewählt. Diese letzte Stimme, und damit die Entscheidung, kam von Maester Aemon. So unangenehm es dem jungen Mann aus Winterfell vielleicht ist, der 998. Lord Commander of the Night's Watch heißt Jon Snow. 

Auffälliges:

  • Gilly lernt zu lesen und wir lernen etwas über Stannis liebe Tochter Shireen. Aber wie genau hat Shireen die Krankheit Greyscale überlebt? Durch Zauberei?
  • Mich irritieren derzeit Fake-Akzente angloamerikanische Schauspieler (dem "Child 44"-Trailer sei Dank). Wenn die wunderbare Indira Varma, gebürtige Britin, mit pseudo-spanischem Akzent spricht, dann nervt mich das.
  • Die Szene mit Varys und Tyrion in ihrer "Box" war gut, aber da geht noch mehr im Verbalduell. Immerhin wissen wir jetzt, wohin sie reisen: Nach Volantis. Und dann nach Meereen.

Zitat der Woche:

  • Arya: "Nothing's worth anything to dead men."
  • Stannis: "I don't punish men for bravery. I reward them."

Clip zur Entspannung:

Der blonde Engel gibt einen kleinen, witzigen Auffrischungskurs zu "Game of Thrones":

Falls Sie einen Fehler finden, schicken Sie ein Mail an feedback@diepresse.com.

<< Zum Blog von Folge eins "The Wars to Come"

>> "Game of Thrones"-Episodenblog

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich zeigt.