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Verstorbener "Presse"-Chef Schulmeister für CIA tätig?

Symbolbild CIA
(c) EPA (Dennis Brack/Pool)
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Laut einem "profil"-Bericht hatte die CIA Otto Schulmeister als "Kollaborateur" eingestuft. Der ehemalige Chefredakteur soll Leitartikel fallweise nach den Wünschen der CIA ausgerichtet und Geschichten unterdrückt haben.

Über den verstorbenen Chefredakteur und Herausgeber der Tageszeitung "Die Presse", Otto Schulmeister (1916-2001), existiert laut Nachrichtenmagazin "profil" ein Dossier des US-Geheimdienstes CIA. Demnach habe Schulmeister seine Leitartikel fallweise argumentativ nach den Wünschen der CIA ausgerichtet, Geschichten unterdrückt, wenn sie dem US-Standpunkt schadeten und Informationen aus Hintergrundgesprächen mit österreichischen Politikern und Ostblock-Botschaftern preisgegeben", berichtet "profil" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. 

Am 19. Juni 1962 sei Otto Schulmeister von der CIA der Deckname "GRCAMERA" zugewiesen worden. "Von da an gingen bei Bedarf CIA-Anweisungen, wie diese oder jene politische Situation einzuschätzen sei, direkt an Schulmeister. Am 3. April 1964 schätzte die CIA den Stand der Zusammenarbeit ein: Die inhaltliche Ausrichtung der 'Presse' lasse "kaum zu wünschen übrig" (...) Nur die USA-Korrespondentin der "Presse" verursache "kleinere Irritationen" (...), das bedeutet nicht, dass Schulmeister unser Agent ist (...), doch wir können ihn führen, gerade so, als wäre er unser Agent", zitiert das Magazin aus dem Geheimdienstakt. Die Zeitung hatte insbesondere das militärische Engagement der USA in Vietnam unterstützt.

Als "Kollaborateur" eingestuft


1968 habe die CIA Schulmeister als "Kollaborateur" eingestuft. "Von unserer offiziellen Beziehung wissen auch einige seiner Kollegen (...) Sie wissen nicht, dass sich dahinter ein operativer Kontakt verbirgt". In den Schulmeister-Akten sind laut "profil" auch CIA-Kontakte zum Österreichischen Rundfunk, zum "Kurier", den "Salzburger Nachrichten" und der "Wochenpresse" angeführt. Die Namen der Journalisten seien unkenntlich gemacht.

Otto Schulmeister, nach seinem Tod vom damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil als "großer Patriot" und "publizistisches Gewissen einer ganzen Generation" gewürdigt, sei für seine Dienste nicht bezahlt worden, schreibt "profil". Die CIA habe 150 Dollar pro Jahr für "Einladungen und Geschenke" projektiert. In den 1970er-Jahren habe sich Schulmeister von der CIA zurückgezogen: "Die Entspannungspolitik zwischen Ost und West wollte er nicht mehr mittragen". Von 1976 bis 1989 fungierte er als Herausgeber der "Presse".

"Presse"-Reaktion

"Presse"-Chefredaktuer Michael Fleischhacker, der ironischerweise gerade in Moskau weilt, will im Interesse der Zeitung ein möglichst realistisches Bild bekommen.

Schulmeisters unmittelbarer Nachfolger, der pensionierte "Presse"-Chefredakteur Thomas Chorherr, der laut dem "profil"-Bericht "Anfang der siebziger Jahre ins Visier der CIA geraten war und ebenfalls in die Akten Eingang gefunden hat", sagte dem Nachrichtenmagazin: "Ich kann nicht glauben, dass Schulmeister mit der CIA Kontakt gehalten hat". Der 85-jährige Verleger Fritz Molden, früherer "Presse"-Eigentümer, dessen Vater Ernst Molden Schulmeister einst engagiert hatte, sagte seinerseits: "Wenn Schulmeister das getan hat, dann war er ein anderer, als ich dachte". Fritz Molden war ein Schwiegersohn des ehemaligen CIA-Direktors Allen Dulles.

(APA/Red.)