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Laura Ebenberg: „Eine andere Modewelt ist möglich“

Laura Ebenberg
Laura Ebenberg(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Zwei Jahre nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza ruft Laura Ebenberg mit Kollegen aus der Modebranche zur Fashion Revolution auf.

Neubaugasse 4, gleich nach Starbucks, gegenüber von Blue Tomato: ein schmales Modegeschäft, Jeans, Shirts, ein paar Kleider, ganz normal. Kein Hinweis auf das, womit das Ebenberg eigentlich werben könnte: damit, dass es „Viennas first ethical und organic concept store“ ist, (das Green Ground in der Servitengasse öffnete erst ein paar Wochen danach). Jedes Stück, das im Ebenberg hängt, wurde nachhaltig und fair gehandelt und stammt aus ökologischer Produktion. „Aber ich will, dass die Leute einfach das Kleid hübsch finden, das sie in der Auslage sehen“, sagt Chefin Laura Ebenberg.

So entspannt sie im Verkauf ist, so dezidiert ist sie in der Sache, die ihr ein Anliegen ist. Ganz genau könne sie sich noch an den Tag erinnern, als die Nachricht kam, dass die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch in sich zusammengestürzt ist. Mehr als 1130 Menschen starben, 2500 wurden verletzt. „Es war das bisher größte Unglück, aber so etwas passiert in der konventionellen Textilindustrie immer wieder.“ Englische Kollegen aus der Modebranche rund um Fair-Fashion-Pionierin Carry Somers hätten damals gemeint, „es reicht – und das sehen wir genauso“.

Am 24. April des Vorjahrs, dem ersten Jahrestag des Rana-Plaza-Unglücks, fand weltweit der erste Fashion Revolution Day statt. Heuer beteiligen sich bereits 71 Länder an der Aktion, auf Ebenbergs Initiative hin auch Modeleute aus Österreich. „Es geht darum, aufmerksam zu machen“, sagt sie – und darum, dass Entschädigungen endlich gezahlt werden. „Zwei Jahre danach sind immer noch sechs Millionen Dollar ausständig.“

An die „Zeigefingermethode“ glauben die Organisatorinnen von Fashion Revolution Österreich dabei nicht. „Wir wollen lieber Alternativen aufzeigen. Weil eine andere Modewelt möglich ist.“ Der morgige Freitag ist freilich als Gedenktag vorgesehen – und dient (neben einer Filmvorführung mit Podiumsdiskussion) der öffentlichen Frage: „Who made my clothes?“ Dabei werden die Menschen aufgefordert, Kleidung verkehrt zu tragen, sodass die Etiketten sichtbar werden, Fotos zu posten und die obige Frage an die Lieblingsmarke zu stellen.

Der Samstag ist dann den besagten Alternativen gewidmet. Fair-Fashion-Touren führen zu Anbietern, die nicht auf „Fast Fashion“ setzen; im Fair Fashion Carré in der Malzgasse bittet Ulrike Plichta von B.dressed lokale, fair produzierende Designer zum Sale, darunter Labels wie Anja Lauermann (sie ist auch eine der Organisatorinnen), Jchoerl, Maiken K., Madame with a Mission oder Milk. Den Abschluss bildet eine Party im Magdas Hotel.

 

Leben in Gift, Flüsse in Modefarbe

Dass sie die gängigen Produktionsmethoden in der Textilindustrie nicht hinnehmen will, ist Laura Ebenberg schon in der Modeschule klar geworden. „Da haben wir relativ unkommentiert gelernt, dass es eben so ist: Dass die Inder für die schönen Farben eben im Gift stehen und halt nur 35 Jahre alt werden. Und dass dann halt auch die Flüsse die jeweilige Modefarbe haben. Das ist mir wirklich gegen den Strich gegangen – die ganze Modeindustrie. Außer, dass sie von außen hübsch ist, ist da nicht viel.“

Ebenberg reagierte mit Boykott – und kehrte der ganzen Branche fünf Jahre lang den Rücken. Über einen Styling-Job bei Perfect Props fand sie schließlich zurück. „Da habe ich gesehen, es gibt doch Alternativen.“ 2008 eröffnete sie ihren Shop, eingekauft wird etwa auf der Ethical Fashion Show Berlin. Die Preise beginnen bei 20 Euro für ein T-Shirt, 100 Euro für die Jeans. „Wir können nur mit Billigketten nicht mithalten“, sagt Ebenberg. „Ansonsten: ganz normal, wie beim Essen. Es muss nicht nach Ökolatschen ausschauen.“ Apropos, das mit den Schuhen sei noch schwierig. „Ich bin Sneaker-Fan, da gibt es praktisch nichts. Aber man kann ja nicht immer nur streng zu sich sein. Und man kann bei den großen Firmen seine Wünsche deponieren.“

Genau das wollen die Organisatorinnen auch mit der Fashion Revolution anregen. „Es ist schön, dass es uns kleine Biogeschäfte gibt“, sagt Ebenberg, „aber das reicht nicht. Wir müssen die Großen dazu bringen, die Gifte wegzulassen und ihre Leute fair zu behandeln. Dann könnt' es noch was werden mit der Welt.“

AUF EINEN BLICK

Fashion Revolution ist eine internationale Aktion, die zum Jahrestag des Einsturzes der Rana-Plaza-Textilfabrik in Bangladesch am 24.April Bewusstsein schaffen will, etwa mit der Social-Media-Frage „Who made my clothes?“. Ebenfalls am Freitag wird im Schikaneder-Kino der Film „Traceable“ gezeigt. Am Samstag finden in Wien mehrere Fair-Fashion-Walks statt, in der Malzgasse 12a gibt es einen Designerausverkauf. Abschlussparty um 20 Uhr im Magdas Hotel. Auch im Burgenland gibt es eine Aktion.

fashionrevolution.org/country/austria

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.04.2015)