Hypo-Akten: SP will Van der Bellen als Schwärzungs-Beauftragten

Alexander van der Bellen
Alexander van der BellenDie Presse (Clemenns Fabry)
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Der Ex-Grünen-Chef könnte als Ermittlungsbeauftragter das Problem der geschwärzten Akten im U-Ausschuss lösen.

Die Fraktionsführer im Hypo-U-Ausschuss verhandelten am Donnerstag, wie sie gegen die zahlreichen unkenntlich gemachten Dokumente vorgehen sollen. Während das Team Stronach den Fall vor den Verfassungsgerichtshof bringen wollen, bringen die Regierungsparteien einen Schwärzungs-Beauftragten ins Spiel: Die SPÖ griff am Donnerstag den ÖVP-Wunsch nach einem Ermittlungsbeauftragten auf und schlägt für die Funktion den früheren Grünen-Chef Alexander Van der Bellen vor. Dieser sei "jemand, der sehr hohes Ansehen genießt von allen Parteien im Hohen Haus", ist SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer überzeugt, dass Van der Bellen Beruhigung in die Debatte um geschwärzte Akten bringen könnte.

VP-Fraktionsführerin Gabriele Tamandl hatte am Mittwoch einen Ermittlungsbeauftragten vorgeschlagen, der bei den Behörden die Originalunterlagen sichtet und dann den Abgeordneten berichtet, was zurecht geschwärzt wurde und was nicht. Im Ausschuss bräuchte es für die Einsetzung eines solchen eine Zweidrittel-Mehrheit.

Krainer streut Van der Bellen Rosen

Krainer meint, Van der Bellen wäre ideal für diesen Posten: Als ehemaliger Abgeordneter arbeite er im Sinne des Parlaments, als Wirtschaftsprofessor kenne er sich außerdem inhaltlich aus, erklärte Krainer gegenüber der APA. Van der Bellen sei auch niemand, der "politisches Kleingeld" wechsle, streute Krainer dem Grünen Rosen. Mit ihm als Ermittlungsbeauftragten könne man zumindest einen Teil der Diskussion über die Schwärzungen wegbringen, glaubt Krainer.

Während ÖVP-Fraktionschefin Tamandl das als einen "sehr guten Vorschlag" bezeichnete, kann die Opposition dem Ganzen wenig abgewinnen.

Kogler: "Scherzbold-Aktion"

Grünen-Frontmann Werner Kogler sprach von einer "Scherzbold-Aktion" Krainers. Man schließe einen Ermittlungsbeauftragten zwar nicht aus, das sei jetzt aber nicht das Thema, erklärte Kogler. Es gehe jetzt darum, den Behörden mitzuteilen, alle Akten ungeschwärzt vorzulegen. Auch FPÖ, Team Stronach und Neos sehen das ähnlich. Damit gibt es die notwendige Zweidrittel-Mehrheit derzeit nicht.

Die FPÖ schlägt vor, gleich die Volksanwaltschaft mit den geschwärzten Akten zu befassen. Die Schwärzung von Aktenteilen könne nämlich einen Missstand in der Verwaltung darstellen, sieht man sich rechtlich auf der sicheren Seite. Laut Verfassung hätten alle Organe des Bundes, der Länder, der Gemeinden und der Gemeindeverbände die Volksanwaltschaft bei der Besorgung ihrer Aufgaben zu unterstützen, ihr Akteneinsicht zu gewähren und auf Verlangen die erforderlichen Auskünfte zu erteilen, argumentiert die FPÖ. Auch bestehe gegenüber der Volksanwaltschaft keine Amtsverschwiegenheit.

Auskunftspersonen für Anfang Mai noch unbekannt

Die ÖVP befürchtet unterdessen, dass der Hypo-Untersuchungsausschuss weitere Zeit verliert, weil die Opposition für die Sitzungen übernächste Woche noch immer keine Zeugen übermittelt hat. "Die Opposition soll bitte tunlichst eine Liste der Auskunftspersonen vorlegen", appellierte ÖVP-Fraktionsführerin Gabriele Tamandl am Donnerstag im APA-Gespräch.

Am 29. und 30. April soll die Befragung von FMA- und Nationalbank-Prüfern nachgeholt werden, offen ist aber, wer übernächste Woche kommen soll. Sie habe deshalb Bedenken, ob man die Sitzungen am 6. und 11. Mai überhaupt durchführen könne, sagte Tamandl. Bei der Ladung müsse man ja eine angemessene Frist einplanen, damit die Auskunftspersonen auch rechtzeitig davon erfahren, gibt sie zu bedenken.

(APA)

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