Von Maurern und Mördern: Wiens erster „Liederat“

Machatschek
Machatschek(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der Machatschek habe, so sagt er, mit seiner „Liederatur“ etwas ganz Neues erfunden: schräge Geschichten, begleitet von neuen Wienerliedern.

Wer ist der Machatschek? Er trägt Bart, Halstuch, Hut, Sonnenbrille, Letztere nimmt er auch im Kaffeehaus oder bei Auftritten nie ab. „Eine Überempfindlichkeit“, sagt er. Ob mehr psychisch oder physisch, das sei nicht so klar und letztlich auch egal. Aber vor allem hat der Machatschek eine Legende, die es zu wahren gilt: Ihr zufolge ist er ein Maurermeister aus Simmering, der zwar gut mauern, aber weniger gut rechnen kann. Da er so den der Familienbetrieb nach der Übernahme schnell in den Bankrott geführt hat, konnte der Machatschek sich nur dank seiner Klampfen über Wasser halten.

Oder mit dem Versuch, anders zu Geld zu kommen. So bot er sich etwa in seiner ersten Nummer als Auftragskiller an – und bekam prompt Zuschriften mit Aufträgen, wie er das nun auch auf der Bühne, als Teil seines Programms, erzählt. Mit seiner Legende und seinen einmal derben, einmal poetischen, immer aber sehr wienerischen Liedern und Geschichten tritt der Machatschek heute auf Bühnen, in Kabaretts, Buchhandlungen und Beisln zwischen Wien und Deutschland auf. Er publiziert Romane („Der neue Groschenroman mit Herz“) im Eigenverlag, begleitet werden die Geschichten von Musik auf beigelegten CDs. In den Schundromanen, im Ton ein wenig an Wolf Haas angelehnt und offiziell verfasst von zwei Autoren im Hintergrund (Duo Infernalis), geht es um die Taten des tragischen Helden Machatschek. Seine Lieder illustrieren seine Beobachtungen in Wien („Gemma Giftler schau'n und Tschuschen hauen und Sandler schikanieren [...]. Den Weana Grind verwaht der Wind“) oder die fast romantische Begebenheiten des Machatschek („Jede Dame, die kein Herz aus Sta hot, die kann a schene G'schicht' von mir erzähl'n“).

Einmal klingt er da wie Ludwig Hirsch („Da wird mir kalt, wenn ich das höre“, sagt er da im viel feineren Wienerisch als dem derben Dialekt, in dem er singt), ein andermal wurde er schon als das bezeichnet, was herauskäme, wenn Helmut Qualtinger und Ostbahn Kurti ein Kind miteinander hätten. Dann wieder erinnert er mit seiner konsequenten Inszenierung als Kunstfigur, mit seinen Romanen über eigene Heldentaten, auch ein wenig an den Austrofred. Er selbst sagt, er sei Wiens erster „Liederat“, und mit seiner „Liederatur“ habe er etwas ganz Neues erfunden: Wienerlieder, Kabarett, schräge Geschichten, Wien-Satire. Zum Beispiel seinen „Adweantskalender“, auch bei Frühlingswetter sein Bestseller, in dem er sich als Heft und CD den Wiener Bezirken und ihren Eigenheiten widmet. Und das kommt derzeit vor allem außerhalb Wiens gut an.

In Bayern etwa spielt man ihn im Radio, eben hatte er eine Reihe von Auftritten in Berlin, bei denen die Berliner, „noch mehr Wienerisch“ von ihm gefordert hätten, wie er erzählt. Die Liebe zum Wienerischen, zur Musik aus Österreich, eine Welle, getragen vom Hype um Wanda oder Bilderbuch in Deutschland?

 

Wien stehe für charmanten Dreck

„Ich sehe das weniger als Welle“, sagt der Machatschek, „die Liebe zum Wienerischen war in Deutschland, gerade in Berlin, ja schon immer da. Wien ist ein Codewort für ein Gefühl. Für schwarzen Humor, für eine Art charmanten Dreck.“ Und so will er keinen Hype mitmachen, setzt eher auf das Langsame. Musik und Bücher bringt er trotz Angeboten ohne Verlag und Label heraus. Nun plant er ein „Liederaturfahrrad“ als Art mobilen Verkaufsstand, mit dem er seine Kunst verkaufen und sich auch in Wien ein größeres Publikum erspielen will.

Genauso mit den nächsten Auftritten (siehe links) oder dem Soundtrack zum Film „Sommer in Wien“, einem Stadtporträt von Regisseur Walter Größbauer, das im Herbst veröffentlicht wird. Mit all dem will er die alte Tradition der Bänkellieder wieder ein wenig in die Jetztzeit holen.

ZUR PERSON

Der Machatschek, seiner Legende nach mit vollem Namen Franz Joseph Machatschek, ist ein Simmeringer Maurermeister. Er schreibt Romane, begleitet von Liedern und nennt das „Liederatur“: neue, teils schräge, teils poetische Wienerlieder, mit denen er jüngst auch in Berlin Erfolge gefeiert hat.

Die nächsten Auftritte finden am Sonntag, den 26. April um 17 Uhr im Hanami (Karmelitergasse 6, 1020 Wien) und am Montag, den 4. Mai um 21 Uhr im Fluc am Praterstern beim Stand-up Fluc statt.

www.dermachatschek.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2015)