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Würdig und echt

Wenn sich plötzlich alle wundern, dass von Österreich aus einmal etwas funktioniert. Über einen Exportschlager.

Es ist keine Übertreibung, im Falle des Debütalbums der steirischen Musikerin Soap & Skin von einem großen Erfolg zu sprechen. Der Tonträger hat sich binnen eines Monats im deutschsprachigen Markt weit über 15.000-mal verkauft, weshalb es „Lovetune for Vacuum“ in Deutschland in die Top 50 und hierzulande in die Top 5 schaffte. Zudem rangiert Soap & Skin da wie dort in den Top 10 der iTunes-Charts. Im restlichen Europa gelangte die CD diese Woche in den Handel, Japan, die USA und Australien folgen. Das mediale Interesse ist gewaltig, exklusive Konzerte – etwa eine persönliche Einladung von John Cale zu einem Nico-Tribute – sind fixiert. In Relation dazu, dass sich eine durchschnittlich begabte hiesige Band sonst über 50 (in Worten: fünfzig) über den Handel abgesetzte Tonträger freut und sich den Sprit für den Tourbus damit verdient, ein paar hundert CDs signiert nach Live-Gigs loszuwerden, also: ein Riesenerfolg.

Klar, das Produkt ist gut und stimmig. Die elektronisch akzentuierte Melancholie, der Heroin-Chic, den die noch nicht Zwanzigjährige mit restriktiver Bildpolitik verbreitet – wen wundert ein Erfolg? Nun, in Österreich offenbar viele. Man muss sich hier erst daran gewöhnen, dass das, was andernorts mit Anstrengung gelingt, auch in und von Österreich aus funktionieren kann. Dass Dinge, ja auch Rädchen, ab einem gewissen Zeitpunkt konzertiert ineinandergreifen. Dass es eines Hypes bedarf, um Nachfrage zu schaffen. Dass Erfolg zwar viele Akteure, oft aber nur ein Gesicht hat. Denn Soap & Skin blickt uns heute auch deshalb von Magazincovers entgegen, weil vor Monaten Christoph Moser, der mittlerweile verunglückte Musikenthusiast aus dem Hause Hoanzl, internationale Labelmenschen zum ausverkauften Konzert ins Wiener Radiokulturhaus geholt hat, wo diese – von der Begeisterung des Publikums beeindruckt – beschlossen, mit der Künstlerin zusammenzuarbeiten.

Wie der Hype um Soap & Skin auszuhalten sei, wollte ein Journalist unlängst im Kulturteil dieser Zeitung von Clara Luzia, einer anderen österreichischen Songwriterin, wissen. Wobei weniger die Frage – die wohl darauf abzielte, Kritik, vielleicht sogar ein wenig Neid herauszulocken – überraschte als die Antwort: „Sie tut mir ein bisserl leid. Das muss ziemlich anstrengend sein. Ich verstehe aber, warum sie auf solche Resonanz stößt.“ Believe the hype.

Thomas Weber, 31, ist Herausgeber des Popmagazins THE GAP (www.thegap.at).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2009)