Warum die Immofinanz jetzt gar kein schlechtes Investment ist und was Partizipationskapital wirklich bringt.
Wer Immofinanz sagt, denkt derzeit meistens an Abzocke und Totalverlust. Profis, die ein bisschen tiefer blicken, sehen das anders: Der Kurs der im Vorjahr total abgestürzten Immobilienaktie hat sich seit dem Tiefpunkt im vorigen November annähernd vervierfacht. Besonders in den vergangenen Tagen ist die Aktie regelrecht explodiert.
Schade, dass davon nicht die Opfer des früheren Immofinanz-/Immoeast-/Constantia-Privatbank-Finanzringelspiels (die sind längst ausgestiegen oder haben bisher nur einen Miniteil ihres mehr als 90-prozentigen Verlusts wettgemacht) profitieren. Sondern hart gesottene Profis, die um den Tiefpunkt herum Aktien eingesammelt haben. Die Frage, die sich „Amateure“ jetzt stellen: Kann man nach so einer Kursexplosion noch einsteigen und wenigstens einen kleinen Teil des Aufschwungs mitnehmen? Die Antwort: durchaus. Aber es ist riskant. Der Kurshöhenflug der Immofinanz kommt nämlich nicht daher, dass das Unternehmen bereits so toll „aufgestellt“ wäre. Sondern daher, dass es nach dem Absturz auf Konkursniveau notiert hat. Die Immofinanz war ja tatsächlich ein heißer Pleitekandidat.
Das hat sich zuletzt ein bisschen geändert. Das neue Management hat einige Maßnahmen gesetzt, um das Unternehmen finanziell zu stabilisieren. Unter anderem werden die – überwiegend institutionellen – Investoren der beiden Wandelanleihen per „Haircut“ ordentlich rasiert. Rückzahlungsverpflichtungen von 1,5 Mrd. Euro schmelzen solcherart auf 600 Mio. Euro zusammen. Das verschafft ein bisschen Spielraum. Die Aussicht auf eine Fusion mit der Immoeast noch in diesem Jahr hat ein Übriges zur Umkehr des Aktienkurses beigetragen.
Unter der Annahme, dass eine Insolvenz nun etwas aus dem Blickfeld rückt, ist die Aktie auch zum derzeitigen Niveau noch absurd niedrig bewertet. Der Buchwert pro Aktie liegt (bei allen Vorbehalten solcher Werte bei Immobilienaktien) beim annähernd Vierfachen des jetzigen Kurses.
Insider scheinen vom Überleben der Immofinanz (und damit von einem deutlichen Kurspotenzial) jedenfalls überzeugt zu sein: Ein Teil der Kursanstiege der jüngsten Zeit geht auf massive (meldepflichtige) Insiderkäufe zurück. Vor allem der Investor Rudolf Fries, der auch im Aufsichtsrat der Immofinanz sitzt und direkt oder indirekt schon mehr als zwölf Prozent hält, investiert heftig. Laut der Website der FMA hat Fries seit Jahresbeginn bis 14. April 2,5 Mio. Immofinanz-Aktien gekauft. Seither (Meldungen über Insiderkäufe erscheinen meist erst ein paar Tage später) sollen noch ein paar Millionen dazugekommen sein.
Solange der Zug in diese Richtung fährt, können auch Kleinanleger durchaus versuchen, die Kaufwelle „auszureiten“. Allerdings unter der Voraussetzung, dass sie den Markt genau beobachten und im Fall des Falles beherzt wieder herausspringen. Denn ausgestanden ist die Sache noch nicht. So ist beispielsweise der Vergleich mit der früheren Eigentümerin der Constantia Privatbank, Christine de Castelbajac, samt dessen Finanzierung noch nicht unter Dach. Sollte der platzen, sieht die Sache für die Immobiliengruppe wieder weniger freundlich aus.
Gestartet ist unterdessen das Angebot an Private, Bankenpartizipationskapital zu zeichnen. Die „Erste Group“ ist derzeit (bis 29. April) mit einem Angebot am Markt, das eine achtprozentige Verzinsung bis 2014 verspricht. Klingt gut und ist es auch. In Osteuropa ist zwar längst nicht alles so paletti, wie uns die Herren Pröll, Nowotny und Felderer neulich zu erzählen versuchten, aber die „Erste“ ist ein hervorragend aufgestellter Bankkonzern und wird aus heutiger Sicht wohl keine Probleme haben, ihr Partizipationskapital zu bedienen.
Anleger sollten nur von realistischen Vorstellungen ausgehen: Auch beim Bankenpartizipationskapital gibt es keinen „free lunch“. Ein Papier, das acht Prozent bringt, birgt also auch Risken. Beim „Erste“-Partizipationskapital ist das etwa die (im Werbematerial übrigens vorbildlich kommunizierte) Klausel, dass die Verzinsung nur in Jahren ausbezahlt wird, in denen sie durch einen Gewinn gedeckt ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies nicht immer der Fall sein wird, ist angesichts der Ostkrise relativ groß. Es werden also unterm Strich wohl nicht acht Prozent herauskommen – aber mit hoher Wahrscheinlichkeit immer noch eine vorzeigbare Verzinsung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2009)