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Gründerzeit: „Idee entstand beim allabendlichen Studententreffen“

Serie. Was Gründer und Serial Entrepreneurs bewegt: Michael Altrichter gründete im Jahr 2000 die paysafecard Wertkarten AG. Heute ist er an 15 Start-ups beteiligt.

Welche Unternehmen haben Sie wann gegründet?

Im Jahre 2000 habe ich die paysafecard Wertkarten AG gegründet und 2011 die Payolution GmbH.
Seit 2012 war ich bei mehreren Gründungen von Startups als Business Angel dabei.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gerade dieses Unternehmen zu gründen?

Die Idee zur paysafecard entstand bei einem abendlichen Studententreffen.
Die Idee war überzeugend: zu dieser Zeit feierte die Prepaid-Karte zum Aufladen von Handys ihren Siegeszug und war in aller Munde. Wir haben damals das Konzept der Prepaid-Karte als Bezahlfunktion auf das enorm boomende Internet bzw. den aufkommende e-Commerce übertragen.

Nach einigen „blutigen“ Jahren und einiger Anlaufschwierigkeiten hat sich aber dann herausgestellt, dass die Idee perfekt passte.

Welche Unternehmen davon führen Sie heute noch?

Bei der paysafecard und payolution war ich lange Jahre Vorstand bzw. Geschäftsführer. Heute „führe“ ich kein Unternehmen mehr, bin aber an 15 Start-ups beteiligt und dabei als Business Angel aktiv – um nicht zu sagen sehr aktiv - und zum Teil auch Beiratsvorsitzender (z.B. bei rublys). Aber ich habe keine offizielle GF-Funktion mehr (abgesehen von meiner eignen GmbH).

Woran haben Sie erkannt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich von einem bestimmten Unternehmen zu trennen?

Bei beiden (paysafecard und payolution) hatte sich eine Opportunity aufgetan. Wir haben damals keinen expliziten Verkaufsprozess eingeleitet, sprich wir waren „not on Sale“, sondern es hat sich jeweils eine Option ergeben, aus der tatsächlich dann ein Deal wurde.

Wie haben Sie den Verkauf angebahnt? Wie haben Sie Ihre Gesprächspartner ausgesucht?

Beide Unternehmen wurden an Skrill verkauft. Aufgrund meiner Tätigkeit als Vertriebsvorstand bei paysafecard habe ich die Gründer und GF von Skrill sehr gut gekannt und gleichzeitig auch stets Pläne geschmiedet. Da hat dann das eine das andere ergeben.

Welche Schritte waren beim Verkauf zu gehen?

Bei payolution habe ich gemeinsam mit dem Gründer und CEO Stefan Kalteis wenige Monate nach Gründung eine erweiterte Business Angel Runde aufgestellt. Das eigene investiere Geld wurde dabei durch Co-Investoren „aufgefettet“. Ich habe den damaligen Skrill CEO angesprochen, ob er nicht als Business Angel bei payolution einsteigen will. Daraus hat sich dann gleich ein Übernahmegespräch entwickelt und der Rest ist „Geschichte“: Skrill hat payolution nach nur 5 Monaten nach Gründung zu 100% übernommen.

Was waren die größten Schwierigkeiten beim Verkauf?

Das schwierigste war in jedem Fall den “richtigen Käufer“ zu finden. Mir ist es wichtig, dass das Unternehmen auch nach dem Verkauf bestmöglich weitergeführt wird, soll heißen dass auch die Mitarbeiter übernommen werden.

Mit „richtigem Käufer“ meine ich eben nicht irgendein Unternehmen aus der Finanzbranche, sondern jemanden der das Unternehmen mit dem gleichen (oder ähnlichen) Spirit weiterführt.

Was haben Sie beim Verkaufen gelernt?

Jede Menge. Ich wollte nach meinem Studium eigentlich einen MBA machen. Ich bin heute allerdings überzeugt, dass ich „on the Job“ sehr sehr viel gelernt habe, also von der Gründung über Aufbau bis zum Verkauf. Ich behaupte sogar, dass man das in keinem Institut lernen kann, dass muss man erleben.

Was würden Sie heute definitiv nicht mehr machen?

Das Geld, das geraised wird, auch gleich wieder mit beiden Händen ausgeben. Es ist am Anfang verlockend, wenn Millionen ins Unternehmen gepumpt werden, damit gleich die ganze Welt erobern zu wollen und dabei übersieht, dass man noch keine Grundlage für ein „sustainable Business“ geschaffen hat. Man muss den richtigen Zeitpunkt für Investitionen immer wieder hinterfragen und sehr gut überlegen.

Wann haben Sie zum ersten Mal die Idee gehabt, ein Unternehmen zu gründen?

Ich hatte immer schon teils skurrile und teils verrückte Ideen. Schon als kleiner Junge wollte ich beispielsweise die besonderen Weckerl von unserem Dorfbäcker österreichweit vermarkten.

Und wie lange hat es dann bis zur Umsetzung gedauert?

Die Weckerl habe ich nie vermarktet, das ist ja schon allein aus logistischer Sicht Unsinn. Der damalige Bäckermeister ist leider auch schon verstorben und die heute Produktion bringt (leider) nicht mehr die selben Weckerl hervor.

Spaß beiseite: die Gründung der paysafecard hat vom Erstgespräch im Wirtshaus bis zur Gründung ca. vier Monate gedauert. Der wichtigste Schritt in diesen vier Monaten war der vom Wirtshaustisch in die „Garage“ (in unserem Fall war es eine Küche). In anderen Worten: die wenigsten Ideen überleben den Sprung von der „trunkseligen Studentenrunde wo „Welt-Ideen“ gesponnen werden“ in die Garage bzw. das erste Office.

Welche Rolle hat Ihre Familie, welche Rolle Ihre Ausbildung gespielt, dass Sie zu einem Serial Entrepreneur wurden?

Meine Familie hat mich sehr unterstützt, was natürlich speziell für junge Startup-Gründer wichtig ist. Das Studium der technischen Physik war sowohl für meine „Ausbildung“ als auch für meine persönliche Entwicklung sehr wichtig. Aber speziell auf das Gründen wurde ich da (leider) überhaupt nicht vorbereitet.

Das ist heute viel besser: Das Informatics Innovation Center i2C der TU Wien als Beispiel bietet heute Studenten genau die Überführung von high tech Founder Ideen / Innovationen hin zu Start-ups, also in die Wirtschaft.

Wieviel Zeit nimmt Ihr Entrepreneurship in Anspruch?

Jetzt nur mehr „Halbzeit“ also 40-50 Stunden pro Woche. Als Gründer (PSC + payo) war es mehr als doppelt so viel. Meine Familie dankt es mir.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht gerade ein Unternehmen führen?

Ich verbringe Zeit mit meiner Familie/meinen beiden Kindern. Wenn dann noch Zeit bleibt: Sport.

Wenn Sie kein Gründer wären, welchen Beruf würden Sie gerne ausüben?

Da fällt mir eigentlich keine Alternative ein.

Was ist Ihnen zu diesem Thema noch wichtig, was hätten wir Sie noch fragen sollen?

Über dieses Thema könnte man noch Stunden reden/schreiben/elaborieren/. Ein kurzes Abschluss-Statement: Ich bin leidenschaftlich gerne Business Angel, es macht mir viel Spass, immer wieder bei Neu-Gründungen dabei zu sein, und jungen, innovativen Teams in der Umsetzung ihrer Visionen zu helfen. Ich würde mir wünschen, dass es einerseits noch mehr Gründer und andererseits mehr Investoren gibt, die Startups fördern.

 

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