Eishockey: Weltmeister im Scharfschießen

Thomas Vanek und Familie
Thomas Vanek und Familie(c) APA (Helmut Fohringer)
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Zechtouren, Kostümfeste, Siege, Abstiege: Österreichs Eishockeyteam lieferte bei Großereignissen kuriose Geschichten auf und abseits der Eisfläche. Seitdem aber NHL-Profis wie Thomas Vanek mitspielen, steht nur der Erfolg im Vordergrund.

Gran Canaria wird nicht nur als Urlaubsinsel geschätzt, sondern ist auch in Österreichs Sportgeschichte verankert. Dort begann 1978 – zwischen Palmen, Strand und Swimmingpools – tatsächlich eine neue Zeitrechnung in der Eishockeyhistorie...

Unter der Leitung von Teamchef Walter Znenahlik sollte bei der C-WM auf den Kanaren der steile Weg aus der Bedeutungslosigkeit in Angriff genommen werden. Es klingt angesichts des Austragungsortes ebenso absurd wie die Tatsache, dass Österreich einst eine Puck-Macht war. Das belegen zwei WM-Bronzemedaillen (1931 & 1947).

Es sollten jedoch vierzehn weitere Jahre vergehen, ehe Österreich 1992 die B-WM in Kärnten gewann und die Rückkehr in die Weltelite (A-Gruppe) feiern konnte. Auch heute ist das ÖEHV-Team in den Top 16 der Welt und bei der A-WM in der Schweiz (ab 25. April) vertreten. Von Edelmetall aber blieb Österreich seit 1947 so weit entfernt wie Wien von Las Palmas.

Jahrelang begleitete das Eishockeyteam eine gewisse Skepsis. Nicht immer sollen es Spieler mit dem Zapfenstreich oder dem (Fremdwort) Alkoholverbot ganz genau genommen haben. Dass Spaß im Rahmen diverser Großereignisse an der Tagesordnung stand, gibt der ehemalige Teamspieler und heutige Teammanager Giuseppe Mion nun offen zu. „Die Extratouren aber sind verjährt. Jetzt geht das nicht mehr. Wer in die Top 16 der Welt will, muss ein Profi sein – auf und abseits der Eisfläche. So wie Thomas Vanek!“

Legendär seien die Ausflüge trotzdem gewesen, sagt Mion, der gleich mit ein paar „Schmankerln“ aufwarten konnte. 1981 traf sich die dritte Leistungsstufe beim C-Turnier in Peking. „Wir haben uns grüne Uniformen gekauft und sind damit in der Stadt herumgelaufen“, erzählt Mion. Passiert sei nichts, das Regime duldete es. Warum? „Wir waren schließlich die erste Mannschaft nach dem US-Tischtennisteam, die damals in China aufgetaucht ist.“ Österreich war aber kein Meister der „Pingpong-Diplomatie“, sondern ein Vertreter der „All-in-Strategie“. Die Namen derjenigen, die an spielfreien WM-Tagen weder die Mauer noch den Tian'anmen-Platz, dafür aber fast alle Wirtshäuser der Stadt gesehen haben, nannte Mion zwar, bat aber bei der Veröffentlichung doch um Nachsicht.

Auch bei Winterspielen, etwa 1984 in Sarajewo, setzte sich die Puck-Equipe nach schweren Niederlagen in Szene. „Wir haben alle Vierteln der Stadt abgeklopft“, gesteht der Villacher, „und haben immer ausgiebig gefrühstückt: Fladenbrot mit Knoblauch!“ Nach der „Geruchsneutralisation“ ging es sofort direkt zum Training, und stets stimmte der Einsatz, „schwört“ Giuseppe Mion hoch und heilig.

Auch die Spieler der Gegenwart wären ihren Vorgängern um nichts nachgestanden. Nach dem WM-Eklat 2003 (dem geschafften Klassenerhalt folgte im „Club Helsinki“ eine Party bis fünf Uhr früh, anschließend wurde kein Spiel mehr gewonnen) wurde vom Verband die Reißleine gezogen. Zuerst das Turnier, stellt Giuseppe Mion klar, dann das Vergnügen. Ausnahmslos.

Am sportlichen Erfolg aber änderte sich durch diese Maßnahme eigentlich wenig. Seit dem Abstieg bei der Heim-WM 2005 ging es für das Eishockeyteam nur noch rauf und runter. Auch bei der WM in Bern droht ein harter Kampf. In Gruppe C warten ab Freitag Schweden, USA und Lettland. Die Bilanz spricht Bände: Von insgesamt 52 Spielen gegen dieses Trio hat Österreich nur sieben gewonnen – in den vergangenen 60 Jahren gar nur drei.

(c) Die Presse / GK

Alle Hoffnungen ruhen daher auf Thomas Vanek. Der NHL-Star landet am Dienstag in Bern und freut sich auf die WM. Für seinen Einsatz fordert Buffalo vom ÖEHV eine Versicherung in Millionenhöhe. „Vanek alleine kann aber nichts entscheiden“, bremst Mion die Euphorie. „Er ist super für die Stimmung, gibt Energie. Alleine wenn er da ist, ist die Mannschaft gleich um zehn Prozent besser. Er ist ein Leader, weil er auf dem Eis macht, was er machen muss.“ Eishockey aber ist ein Teamsport. Bei Sieg und Niederlage, sowohl in als auch abseits der Halle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2009)

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