Katharina Straßer: Im Ersten und im Jenseits

Katharina Straßer
Katharina Straßer(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Wien? Für die Volkstheater-Schauspielerin Katharina Straßer ist das: Ziegenkäsesalat im Bistro, altmodische Buchhandlungen und "strawanzen" in der Innenstadt. Ein Cityguide.

Ohne Monsieur Seguin geht gar nichts. „Den musst du un-be-dingt nehmen“, sagt Katharina Straßer. Monsieur Seguin, so heißt der Ziegenkäsesalat im Café-Bistro „Le Bol“, und den bestellt Straßer, die mit dem Nachwuchs-Nestroy dekorierte Schauspielerin, hier immer. Das „Le Bol“, ist – wie fast immer – voll, Straßer sitzt an einem der Fensterplätze und blickt auf den Neuen Markt.

Warum es die junge Schauspielerin, mit 25 Jahren „das Küken“ (wie sie selbst sagt) im Volkstheater-Ensemble, in Wiens ältesten Bezirk, den Ersten, zieht? Da muss Straßer nachdenken. Nein, nicht nur wegen Monsieur Seguin. Auch wegen früher. Mit 14 war die gebürtige Innsbruckerin mit ihrer Schulklasse das erste Mal in Wien „und da klappert man natürlich den ersten Bezirk ab“. Noch heute, sagt Straßer, „gibt mir der Erste ein Gefühl, als wäre ich gar nicht in der Stadt, in der ich täglich lebe und arbeite. Ein bissl wie im Urlaub.“

Graben statt SCS. Ihre Affinität zum Ersten, das fällt ihr erst beim Spaziergang Richtung Graben ein, kommt auch vom „Kons“. Drei Jahre hat sie im Wiener Konservatorium (Johannesgasse 4a) Schauspiel studiert, „und da bin ich natürlich in jeder Pause hier im ersten Bezirk rumgegangen.“ Damals wie heute war ein Fixpunkt das CD- und DVD-Geschäft „Gramola“ am Graben. Straßer, derzeit mit der „Reifeprüfung“ am Volkstheater, steht vor der Auslage und blickt auf die Qualtinger-DVD-Kollektion, die „edition Burgtheater“. Das große Burgtheater sei aber nicht ihr Ziel. Klar, wenn die sie fragen würden, „würde ich's mir sicher überlegen“. Aber derzeit sei „mehr drehen“ das Ziel. Um mehr Zeit für Filmprojekte zu haben, „trau ich mich heuer erstmals weg vom Volkstheater-Ensemble“. Kommenden Dienstag (ORF1, 20.15 Uhr) ist sie das erste Mal in einer TV-Serie zu sehen: In „Schnell ermittelt“ spielt sie eine der vier Hauptfiguren, die junge Polizistin Maja, die zweite Staffel wurde eben abgedreht.

Dass der Erste für sie immer noch so wichtig ist, mag auch daran liegen, dass sie es vom Volkstheater nicht weit hierher hat und „zum Strawanzen und Schmökern“ immer wieder hier ist. Wie auch zum Einkaufen: Shoppingcenter hasst sie, sie shoppt klassisch auf der Kärntner Straße, gern auch im H&M am Graben, der wahrscheinlich schönsten Filiale des schwedischen Konzerns überhaupt.

Von hier ist es nicht weit zum Franziskanerplatz, den sie vor allem im Sommer mag. „Wie in Italien“ sei es hier, im Gastgarten des Kleinen Cafés. Eigentlich, sagt Straßer, „der einzige schöne Platz hier in der Nähe.“ Ein paar Meter weiter in der Weihburggasse 16 zieht es die Schauspielerin in die Buchhandlung Aichinger. Und dort, im klassisch-altmodischen Buchladen, wird sie lange bleiben. Zuerst sieht sie „Gut gegen Nordwind“ („schon gekauft“), dann lässt sie sich die Kochbücher von Donna Hay zeigen. Blättert in Bildbänden über New York, lacht bei originellen Fotos laut und herzlich.

„Ja, das alte Wien“, sagt sie, als sie sich dann doch wieder von der Buchhandlung losreißt, „das hat schon was Romantisches. Das Traditionelle finde ich besonders schön.“ Klingt ungewöhnlich aus dem Mund einer 25-Jährigen, die gleichzeitig sagt, dass sie Berlin „so geil findet, weil es so abgefuckt ist.“ Wenn „die Zeit es erlaubt“ ist sie gern in der deutschen Hauptstadt. Von dort könnte sich Wien ein paar coole Lokale abschauen, findet Straßer. Auch wenn es die in Wien schon gebe. Im MQ. Oder das „Tanzcafé Jenseits“ in der Nelkengasse im Sechsten, einem nächtlichen Künstlertreff.


Tanzen inder Roten Bar. Im „Jenseits“, sagt Straßer, wäre sie vermutlich noch öfter, hätte das Volkstheater mit der „Roten Bar“ nicht ein eigenes „schönes, geiles“ Lokal. Hier trinken nicht nur die Theaterbesucher nach der Vorstellung ein Glas Sekt, auch die Schauspieler haben hier mit dem „Weißen Salon“ ihren eigenen Bereich. „Manchmal bleiben wir so lange, dass der Kellner uns den Schlüssel dalässt“, erzählt Straßer. „Da stecken wir den iPod an, drehen die Anlage auf. Das ist wie Kindergeburtstag.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.04.2009)

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