US-Unternehmen haben kurze Lebenserwartung

A woman looks at 'Three Flags' by Jasper Johns during the opening preview at The Whitney Museum of American Art in New York
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Ökonomen haben berechnet, wie lang Unternehmen auf dem Markt bleiben. In den USA liegt die durchschnittliche Lebensdauer bei zehn Jahren. Der rasche Tod hält die Wirtschaft in Trab, er ist ein Zeichen für Innovation.

New York. Unternehmen scheinen für uns eine Selbstverständlichkeit zu sein. Sie sind auf dem Markt wie Berge in der Landschaft. Doch warum existieren Unternehmen überhaupt? Eine Antwort darauf findet sich in dem berühmten Aufsatz „The Nature of the Firm“ des Ökonomen und späteren Nobelpreisträgers Ronald Coase aus dem Jahr 1937. Coases Argument ist, grob gesagt, dass Unternehmen Transaktionskosten senken, da es schlicht einfacher ist, die Koordination von Mitarbeitern und Projekten unter einem Dach zu bündeln. So weit die Theorie. Doch hat die These auch noch in einer Zeit Bestand, in der E-Mails in Sekundenschnelle um den Globus gejagt werden?

Wirtschaftsprofessor Richard Foster von der Yale School of Management sah sich den Standard & Poor's 500 an, der die Aktien der 500 größten US-Konzerne umfasst. Er stellte fest, dass die Unternehmen vor 100 Jahren im Schnitt 67Jahre alt wurden, heute sind es 15. Alle zwei Wochen verschwindet ein S&P-Konzern vom Markt, bis 2027 sollen drei Viertel der Top 500 durch neue ersetzt werden. Selten war die Wirtschafts- und Warenwelt so schnelllebig. Man muss dabei unweigerlich an Marxens Diktum über den Kapitalismus denken: „Alles Ständische und Stehende verdampft.“

Eine neue Studie des Santa Fe Institute („The Mortality of Companies“) erhellt dieses Phänomen. Die Wissenschaftler haben sich die Lebenszyklen von 25.000 US-Firmen im Zeitraum von 1950 bis 2009 angesehen. Mithilfe einer komplexen statistischen Analyse ermittelten die Wissenschaftler die durchschnittliche Lebensdauer eines Unternehmens. Das Ergebnis: Rund zehn Jahre hält sich eine Firma auf dem Markt. Das Überraschende an der Untersuchung ist, dass staatliche Unternehmen und solche mit öffentlicher Beteiligung fast genauso lang existieren. Die öffentliche Hand hält in den USA nämlich staatliche Unternehmen seltener künstlich am Leben.

„Egal, ob man Bananen, Flugzeuge oder was auch immer verkauft – die Mortalitätsrate bleibt dieselbe“, resümierte Studienautor Marcus Hamilton. Die Wissenschaftler schränken die Aussagekraft ihrer Studie allerdings ein. In Japan gibt es allein 50.000 Unternehmen, die seit über 100 Jahre existieren und überwiegend von Familiendynastien geführt werden. Insofern spielt wohl auch die politische Kultur des Landes als erklärende Variable eine Rolle.

 

„Kreative Zerstörung“

Der zentrale Grund, weshalb Firmen sterben, sind Übernahmen und Fusionen. Die Unternehmen hören nicht auf zu existieren, sondern gehen in anderen Unternehmen auf. Ganz nach dem Schumpeter'schen Prinzip der „kreativen Zerstörung“. Wo etwas kaputtgeht, entsteht etwas Neues. Der Befund ist auch ein Nachweis für die hohe Innovationsfähigkeit der US-Wirtschaft.