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Kulturerbe: "Ein irreparabler Verlust für Nepal und die ganze Welt"

Tempel, Statuen, Klöster und andere historische Gebäude in Nepal wurden zerstört, dabei kamen auch Touristen ums Leben.

Kathmandu. Dem reichen Kulturerbe des vorwiegend hinduistischen Himalaja-Landes versetzte das Beben einen schweren Schlag: In Kathmandu sowie in den angrenzenden Königsstädten Bhaktapur und Patan, die wie weitere Anlagen im Kathmandu-Tal auf der Liste des Weltkulturerbes stehen, wurden Tempel und Statuen vom zwölften bis zum 18.Jahrhundert beschädigt oder zerstört.

Die UN-Kulturorganisation Unesco sammelt noch Informationen, befürchtet aber das Schlimmste: „Zwei Tempel in Patan sind komplett eingestürzt, auf dem Durbar-Platz in Kathmandu ist es noch schlimmer“, sagte der Unesco-Vertreter für Nepal, Christian Manhart. Man müsse auch herausfinden, wie die Lage an der Weltkulturerbestätte Lumbini, 280 Kilometer westlich von Kathmandu, ist, die als Geburtsort Buddhas gilt.

Neben anderen alten Gebäuden stürzte der Dharahara-Turm in der Altstadt von Kathmandu ein. Von dem neunstöckigen Turm mit einer Wendeltreppe von 200 Stufen steht nur noch der Sockel. Der Überlebende Dharmu Subedi, der beim Einsturz verletzt wurde, sagte, zum Zeitpunkt des Bebens hätten sich wohl mehr als 100 Menschen in dem bei Touristen beliebten Turm aufgehalten.

Im Kathmandu-Tal sind insgesamt sieben Unesco-Kulturstätten. Neben den Durbar-Plätzen der Königsstädte Kathmandu, Bhaktapur und Patan mit ihren Hindu-Tempeln und Palästen gehören dazu auch die buddhistischen Stupas und Klöster von Swayambhunath und Baudha sowie die hinduistischen Tempel von Pashupatinath und Changu Narayan außerhalb von Kathmandu.

 

Wiederaufbau vermutlich unmöglich

Auf dem Durbar-Platz, an dem mehrere der für Nepal charakteristischen zwei- oder dreistufigen Pagoden stehen, lagen am Sonntag Haufen von Ziegeln, Holzbalken und andere Trümmer verteilt. Der Experte P.D. Balaji von der Uni Madras (Indien) äußerte Zweifel, dass die Gebäude wieder aufgebaut werden könnten: „Es ist ein irreparabler Verlust für Nepal und die Welt.“ (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2015)