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Der Goldsektor ist fast schon ausgeblutet

(c) REUTERS (LISI NIESNER)
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Die besten Investoren steigen ein, wenn das Blut auf den Straßen fließt. Aber wenn die Inflation wieder kommt, kann es bergauf gehen.

Wien. Fallende Inflationsraten, fallende Ölpreise, steigender Dollar. Der Goldpreis hätte in den vergangenen zwölf Monaten viele gute Gründe für eine Talfahrt gehabt. Doch die blieb aus. In Dollar gemessen wandert der Goldpreis seit Langem stur an der 1200-Euro-Grenze entlang. Im immer schwächeren Euro befindet er sich bei rund 1100 Euro pro Unze – also nicht allzu weit unter dem Allzeithoch von rund 1300 Euro.

Aber warum bewegt Gold sich seitwärts oder steigt sogar – während die übrigen Rohstoffe im Preis massiv nachgeben? „Gold ist eigentlich kein Rohstoff, es ist ein monetäres Metall“, sagt Doug Groh, Manager des Falcon Gold Equity Fund (LU0794518190), im Gespräch mit der „Presse“. Aber während die monetäre Rolle des Goldes von den Zentralbanken, die ständig Metall zukaufen, nicht vergessen wurde, scheint sie für Privatanleger nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre an Bedeutung verloren zu haben.

 

Produktionskosten 1100 Dollar

Nirgends wird das sichtbarer als im Sektor der Minenaktien. Die Minenunternehmen hatten in den vergangenen Jahren gleich mehrfach zu kämpfen: „Die Kosten für Personal, Ausrüstung, etc. sind gestiegen, während der Goldpreis gefallen ist“, so Groh. Grund: Die Geologie hält sich nicht an den Goldpreis, der vor allem an den Terminbörsen entsteht. Die Minen müssen immer mehr Geld investieren und Geröll aus der Erde holen, um eine Unze Gold zu produzieren. „Wenn man aus einer Tonne zwei Gramm Gold holen kann, braucht man 15 Tonnen für eine Unze. Ist nur ein Gramm Gold in einer Tonne, braucht man 30 Tonnen.“ Groh, selbst Geologe und Partner des bekannten Investmentmanagers John Hathaway bei Tocqueville Asset Management, sieht die aktuellen Produktionskosten pro Unze bei 1100 Dollar. Entscheidend sei aber der Preis, bei dem sich neue Schürfungen auszahlen würden. Und der liege bei rund 1500 Dollar. Heißt: Solange der Goldpreis sich nicht oberhalb dieser Marke befindet, wird die Jahresproduktion nicht zunehmen, und das jährliche Angebot an neuem Metall geht zurück. Deswegen sind die Aktien von Goldminen auch in beide Richtungen für die Extreme auf dem Goldmarkt verantwortlich. Steigt der Goldpreis, steigen die Aktien schneller. Fällt er, fallen sie schneller. So gelten Aktien auch als die risikoreichste Form, in Gold zu investieren. Die konservativste ist freilich der Kauf von physischem Gold.

Aber auch das muss ja jemand aus der Erde holen. Groh und Hathaway bauen auf eine ausgedehnte Konsolidierungsphase, bevor es mit den Titeln wieder nachhaltig bergauf geht. Die Frage ist nur: Wann ist es so weit?

„Die Stimmung ist schlechter, als ich es je erlebt habe. Die Investoren ignorieren Gold derzeit fast komplett“, sagt Groh – dessen Fonds aber weiterhin im Minensektor bleibt. Die interessantesten Titel laut Groh: Barrick – der größte Goldproduzent überhaupt – sowie Newmont, Agnico-Eagle, Goldcorp und Randgold.

 

„Stehen an der Seitenlinie“

„Dass die Stimmungslage desaströs ist, sieht man an allen Indizes und Handelsbewegungen“, sagt auch Ronald Stöferle, Fondsmanager bei Incrementum (Austrian Economics Golden Opportunities Fund, LI0226274285).

Stöferle und sein Ko-Manager Mark Valek lassen trotzdem noch die Finger vom Goldsektor: „Wir haben in unserem Fonds derzeit keine Position im Gold und keine Minenaktien. Wir stehen an den Seitenlinien und sehen uns das an.“ Der Grund: „Wir warten auf steigende Inflationstendenzen. Wir steigen wieder ein, wenn unser Inflationssignal nach oben dreht. Das war seit August 2014 auf Disinflation. Inzwischen ist es wieder neutral.“ Steigt die Inflation wieder, seien Goldaktien für den Einstieg sehr interessant. „Man hat die Kosten gesenkt. Bei vielen Firmen wurde das Management ausgetauscht. Die haben ihre Hausaufgaben gemacht. Der Hebel auf einen steigenden Goldpreis sollte höher denn je sein“, so Stöferle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2015)