Frankreichs Marine verfolgt gekapertes Baggerschiff

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Die niederländische Marine verhaftete sieben somalische Piraten. Diese hatten 20 jemenitische Fischer in ihrer Gewalt. Nach Rücksprache mit der Nato sei aber beschlossen worden, die Piraten freizulassen.

DEN HAAG/ANTWERPEN. Die somalischen Piraten im Golf von Aden haben am Wochenende erneut zugeschlagen, aber auch eine weitere Niederlage einstecken müssen. Es gelang ihnen, das unter belgischer Flagge fahrende Baggerschiff „Pompei“ zu kapern. Eine weitere Geiselnahme aber wurde von einem niederländischen Kriegsschiff beendet.

Bei dem belgischen Schiff, das sich seit Samstag in der Gewalt der Piraten befindet, handelt es sich um ein Baggerschiff der Antwerpener Reederei De Nul. Es befand sich, als die Piraten angriffen, 700 Kilometer vor der Küste Somalias und war auf dem Weg zu den Seychellen. Dort sollte das Spezialschiff den Hafen von Victoria ausbaggern und vertiefen.

 

Telefongespräch brach jäh ab

In der Gewalt der Piraten an Bord der „Pompei“ befinden sich zehn Besatzungsmitglieder, darunter auch der niederländische Kapitän, zwei belgische Offiziere sowie vier kroatische und drei philippinische Matrosen. Dem niederländischen Kapitän gelang es noch, zwei Notrufe abzusetzen, bevor die Piraten an Bord der „Pompei“ gelangten. Ein Sprecher der belgischen Reederei erklärte am Sonntag, dass man sofort telefonischen Kontakt mit dem Schiff und dem Kapitän gesucht habe. Der sei auch zustande gekommen, aber schon nach wenigen Sekunden abrupt abgebrochen worden.

Das Schiff habe inzwischen den Kurs geändert und fahre in Richtung somalische Küste. „Wir rechnen damit, dass wir bald eine Lösegeldforderung der Piraten erhalten“, sagte Jak Raes, Sprecher des in Belgien eingerichteten Krisenzentrums. Zwei französische Fregatten und ein spanisches Kriegsschiff sollen inzwischen Kurs auf die „Pompei“ genommen haben und verfolgen die Piraten.

Kurz vor der Kaperung der „Pompei“ war es der niederländischen Kriegsmarine gelungen, die Geiselnahme von Fischern im Golf von Aden zu beenden. Die Besatzung der Fregatte „De Zeven Provincies“ überwältigte und verhaftete sieben somalische Piraten. Diese hatten 20 jemenitische Fischer in ihrer Gewalt. Nach Rücksprache mit dem Haager Verteidigungsministerium und der Nato sei aber beschlossen worden, die Piraten freizulassen. Ihre Waffen seien vernichtet worden.

 

„Freilassung war ein Fehler“

Man habe sich zur Freilassung entschieden, weil sich unter den Geiseln keine Niederländer befunden hätten, die Aktion nicht in niederländischem Hoheitsgewässern stattfand, und es deshalb keine völkerrechtliche Grundlage gebe, um die Piraten in den Niederlanden vor Gericht zu stellen, erklärte das Haager Verteidigungsministerium.

Das wurde von Juristen kritisiert. Sie argumentieren, Piraterie sei eines der ältesten internationalen Verbrechen und könne daher auch in den Niederlanden geahndet werden. „Das war ein großer Fehler. Unsere Marinesoldaten haben ihr Leben riskiert, um diese Piraten zu verhaften. Man hätte ihnen in den Niederlanden den Prozess machen sollen“, meint der Völkerrechtler Gert-Jan Knoops.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2009)