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Bürgerrechtler marschieren von Baltimore nach Washington

Freunde und Familie trauern in Baltimore am offenen Sarg von Freddie Gray, der Opfer von Polizeigewalt wurde.
Freunde und Familie trauern in Baltimore am offenen Sarg von Freddie Gray, der Opfer von Polizeigewalt wurde.(c) APA/EPA/MICHAEL REYNOLDS
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Die Polizei geht von einer ernsthaften Bedrohung durch "Killer-Gangs" aus. 3000 Menschen kamen zur Beerdigung von afroamerikanischem Polizeigewalt-Opfer.

Nach wiederholten Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Afroamerikaner in den USA planen schwarze Bürgerrechtler einen zweitägigen Protestmarsch von Baltimore in die Hauptstadt Washington. Das kündigte Al Sharpton vom National Action Network (NAN) an, einer der wichtigsten Verfechter der Belange von Afroamerikanern.

Der Marsch über 60 Kilometer im Mai soll an die Fälle von Freddie Gray, Eric Garner, Walter Scott und Eric Harris erinnern, die bei oder nach Auseinandersetzungen mit der Polizei ums Leben kamen. Der Marsch soll auch Ermittlungen beim Justizministerium anstoßen, das sich unter Führung der neuen, am Montag vereidigten Justizministerin Loretta Lynch mit den Fällen befasst.

Beerdigung von Freddie Gray

In Baltimore versammelten sich am Montag Medienberichten zufolge rund 3000 Menschen zu einem Gottesdienst anlässlich der Beerdigung von Freddie Gray, der dort vor rund zwei Wochen nach seiner Festnahme eine Rückenmarkverletzung erlitten hatte. Nach Angaben der Behörden fiel er später ins Koma und starb.

Tagelang kam es in der Ostküstenstadt zu Protesten, am Wochenende waren 34 Menschen festgenommen und sechs Polizisten verletzt worden. Nach Informationen der Polizei haben sich dort mittlerweile verschiedene Gangs zusammengeschlossen, um Polizisten "auszuschalten". Die Behörden gehen von einer ernsthaften Bedrohung aus.

Unter großer Anteilnahme wurde Gray beigesetzt. Er war in einem offenen weißen Sarg aufgebahrt gewesen. Der 25-Jährige war am 19. April - eine Woche nach seiner Festnahme gestorben. Der genaue Hergang der Ereignisse ist noch unklar, möglicherweise wurde der Afroamerikaner aber von Polizisten misshandelt. Auf Videos ist zu sehen, wie die Beamten Gray auf einem Gehweg zu Boden drücken, bevor sie den vor Schmerz schreienden jungen Mann zu einem Polizeibus schleifen. Rund eine Stunde später wurde er in ein Krankenhaus gebracht, wo er ins Koma fiel.

Protest mündete in Gewalt

Am Wochenende waren zunächst friedliche Proteste in Baltimore in Gewalt umgeschlagen. Demonstranten warfen Steine auf Polizeiwagen und Geschäfte. Nach Behördenangaben gab es mehr als 30 Festnahmen, sechs Polizeibeamte seien verletzt worden. Sowohl die Behörden in Baltimore als auch das US-Justizministerium haben Ermittlungen zu Grays Tod eingeleitet. Sechs Beamte wurden für die Zeit der Untersuchung vom Dienst suspendiert.

Der afroamerikanische Bürgerrechtsaktivist Jesse Jackson beklagte auf einer Pressekonferenz vor der Trauerfeier eine "Epidemie der Morde" in den USA. "Wir sind zu gewalttätig geworden, zu hasserfüllt", sagte er. Der Anwalt von Grays Familie sprach von einer "Aushöhlung der Justiz" und forderte eine Polizeireform. "Wir sind hier wegen Freddie Gray, aber wir sind auch hier, weil es viele Freddie Grays gibt", sagte William Murphy bei der Zeremonie.

(APA/dpa/AFP)