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Nepal schrumpft jedes Jahr um zwei Fußballfelder

Nepal liegt genau in der Knautschzone zwischen der indischen und der eurasischen Erdplatte.
Nepal liegt genau in der Knautschzone zwischen der indischen und der eurasischen Erdplatte.(c) APA/EPA/YNA
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Das Beben von Nepal ist eine seit langem prophezeite Katastrophe. Zwei Erdplatten schieben das kleine Land immer weiter zusammen.

Nepal liegt auf der Grenze zweier Erdplatten, die sich über Millionen von Jahren hinweg aufeinander zubewegt und den Himalaya gebildet haben. Seit Jahrzehnten hat das lange unter Bürgerkriegen leidende Land kein größeres Beben mehr erlebt. Auf Erdbebenkarten ist die Region stets als explizite Gefahrenregion gekennzeichnet. Am Samstag wurde die Prophezeiung mit einer Stärke von 7,8 lange befürchtete Realität.

Untergrund verschob sich bis zu drei Meter

(c) Wikipedia/W. Jacquelyne Kious and Robert I. Tilling (U.S. Geological Survey)

Das Erdbeben in der Himalaya-Region hat zu erheblichen Verschiebungen auf der Erde geführt. Der Untergrund unter Kathmandu habe sich wohl um drei Meter nach Süden bewegt, sagte der Tektonik-Experte James Jackson von der Universität Camebridge am Dienstag nach ersten Analysen. Die Geophysikerin Sandy Steacy von der Universität Adelaide teilte diese Einschätzung, sie sprach von bis zu drei Metern.

In der Region treffen die indische und die eurasische Kontinentalplatte aufeinander. Jährlich schiebt sich die indische Platte nach Angaben des französischen Forschers Yann Klinger in der Himalaya-Region zwei Zentimeter in den Eurasischen Kontinent - ein Prozess, der erst zur Entstehung der Himalaya-Kette geführt hat. Die beiden tausende Kilometer breiten Erdplatten schoben immer weiter gegeneinander und verhakten schließlich an den Enden. Die Spannung löste sich ruckartig, ein Felspaket schob sich unter das andere.

Das löste das Beben der Stärke 7,8 aus, bei dem allein in Nepal nach bisherigen Regierungsangaben mehr als 4.300 Menschen ums Leben kamen. Bis zu 10.000 Tote werden befürchtet.

Nepal wird kleiner

Nepal liegt in einer besonders spannungsvollen geologischen Zone. Das Gebirge wächst etwa vier Millimeter pro Jahr. Nepal liegt mitten in einer Knautschzone und wird jedes Jahr durchschnittlich um zwei Millimeter kürzer. Entlang der etwa 600 Kilometer langen Grenze verliert Nepal jährlich die Fläche zweier Fußballfelder, schreibt der Journalist und Geologe Axel Bojowski im "Spiegel".

Unklar blieb zunächst, ob die Erdbewegungen so groß waren, dass geologische Hochpräzisionskarten angepasst werden müssen. Der weiter westlich gelegene Mount Everest bewegte sich nach Einschätzung der Experten durch das Beben wohl nur wenige Millimeter. Das höchste Gebirge der Welt liege "nicht direkt über der Bruchzone", sagte Geophysikerin Steacy.

Der Seismologie-Professor Ian Main von der Universität in Edinburgh schloss kleinere Höhenänderungen nicht aus. Es seien Satelliten-gestützte Analysen nötig, um dies beurteilten zu können. Der Everest ist offiziell 8.848 Meter hoch.

Prophezeihung wird wahr

Im Jahr 2010 sagte Risikoforscher David Petley von der britischen Durham-Universität in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP: "Im Westen von Kathmandu laufen Prozesse ab, die unweigerlich zu Erdbeben führen."  Auch andere größere Städte in der Region seien in Gefahr, doch laut einer Studie der US-Forschergruppe Geohazards International drohten in Kathmandu die größten Schäden: Sie listet vor allem die schlechte Bausubstanz auf, eine schwache Infrastruktur sowie die Tatsache, dass die Stadt auf den Sedimenten eines früheren Sees errichtet wurde. 2015 trat die Katastrophe schließlich ein.

Das letzte große Beben mit einer Stärke von 8,4 auf der Richterskala erschütterte 1934 den Osten Kathmandus - 8500 Menschen in Nepal und im benachbarten Indien wurden getötet. Damals war Kathmandu ein kleines Dorf.

Nachbeben dauern an

Geoforscher rechnen, dass Nepal noch längere Zeit mit Nachbeben konfrontiert sein wird. "Das wird sicherlich noch Wochen oder Monate so weitergehen und nur langsam abklingen", sagte der Seismologe Winfried Hanka vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam am Sonntag. Immer wieder könne darunter auch ein stärkeres Nachbeben sein.

(c) APA

(APA/AFP/Red.)