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Rettung für Silicon-Valley-Legende: Oracle kauft Sun

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Der US-Software-Konzern Oracle will 7,4 Mrd. Dollar für Sun Microsystems hinlegen. Die Sun-Aktie sprang um 27 Prozent in die Höhe, die Oracle-Aktie gab 4,2 Prozent nach.

New York/Wien. (mac/ag.). Investoren und Analysten reagierten geschockt, als der angeschlagene Softwareanbieter Sun Microsystems Anfang April das Kaufangebot von Microsoft als zu niedrig ablehnte. Kein anderer Käufer sei in Sicht, lautete die allgemeine Einschätzung. Rasch werde die Sun-Führung von den Anlegern zurück in die Arme des IT-Riesen getrieben werden.

Trotz starker Wertverluste an der Börse blieb die Sun-Spitze ruhig. Seit Montag ist klar, warum. Der neue Käufer musste nicht erst gesucht, sondern nur noch zur Unterschrift bewegt werden. Zwei Wochen nach dem Scheitern der IBM-Gespräche ist es offiziell: Der zweitgrößte Softwareanbieter Oracle kauft seinen Konkurrenten um 7,4 Mrd. Dollar (5,6 Mrd. Euro) inklusive Schulden. Das sind 9,50 Dollar je Aktie, nur zehn Cent mehr, als IBM zu geben bereit war. Und 42 Prozent mehr, als die Aktie am Freitag wert war. Den Anlegern dürfte nicht klar sein, was von diesem Angebot zu halten ist.

Nachdem die Sun-Papiere am Montag kurzfristig über 30 Prozent zulegen konnten, büßten sie diesen Gewinn wieder komplett ein. Auch die Oracle-Aktien fielen um etliche Prozentpunkte.

„Kauf verändert die Industrie“


Dabei kann sich der Hauptkonkurrent von IBM und SAP den kleineren Rivalen durchaus leisten. Oracle zählt zu einer der liquidesten Firmen in der Branche. Erst kürzlich präsentierte das Unternehmen gute Quartalszahlen und stellte seinen Anlegern die erste Dividende in 23 Jahren an der Börse in Aussicht.
„Der Kauf von Sun wird die IT-Industrie verändern“, sagte Oracle-Chef Larry Ellison. Vor allem die Programmierplattform Java aus dem Hause Sun sei „der wichtigste Softwarekauf“ in der Geschichte seines Unternehmens.

Viertgrößter Serveranbieter


Das Oracle-Produkt „Fusion Middleware“ ist zur Gänze auf Java aufgebaut. Mit dem Zukauf will Oracle die kontinuierliche Weiterentwicklung garantieren. Branchenexperten zufolge will sich Oracle mit der Übernahme vor allem im Konkurrenzkampf mit IBM stärken. Zudem schafft sich der Softwareriese mit dem Kauf ein zweites Standbein. Er wird aus dem Stand zum viertgrößten Anbieter von Hochleistungsservern, hinter IBM, Hewlett-Packard und Dell. Ellison erwartet, dass die Übernahme den Gewinn bereits im ersten Jahr um 1,5 Mrd. Dollar steigern wird. Im zweiten Jahr rechnet Oracle mit zusätzlichen Gewinnen in der Höhe von über zwei Mrd. Dollar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2009)