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Nepal: Retter befreien 15-Jährigen aus Trümmern

Der 15-jährige Pema Lama überlebt das verheerende Erdbeben in Nepal.
Der 15-jährige Pema Lama überlebt das verheerende Erdbeben in Nepal.(c) REUTERS (ADNAN ABIDI)
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Fünf Tage lang lag der 15-Jährige begraben unter Schutt eines zusammengestürzten Hauses. Im Norden des Mount Everest wurde alle Expeditionen abgebrochen.

Auch Tage nach dem Erdbeben geben die Bewohner Nepals nicht auf, unter den Trümmern ihrer Häuser Überlebende zu entdecken. Der 15-jährige Pema Lama überlebte etwa fünf Tage lang unter Schutt eines zusammengestürtzes Hotels in Kathmandu. Rettungskräfte befreiten den Burschen am Donnerstag, sagte ein Polizeisprecher. Weitere Angaben, etwa zum Gesundheitszustand des Geretteten, lagen vorerst nicht vor. Mehrere Stunden später bargen die Einsatzkräfte eine Frau, die unter einem eingestürzten Haus verschüttet war.

Indes erschweren Trümmer, fehlende Logistik und der schlechte Handy-Empfang den Helfern die Arbeit im Erdbebengebiet von Nepal. Auch die Gefahr weiterer Erdrutsche besteht in dem Himalaya-Land, weil es derzeit ständig regnet. Bei dem Beben der Stärke 7,8 am Samstag waren nach Angaben vom Donnerstag in Nepal mindestens 5489 Menschen ums Leben gekommen.

Kathmandu verschoben und angehoben

Am Donnerstag wurde von der Europäischen Weltraumagentur ESA in Paris mitgeteilt, dass das Erdbeben die betroffene Region leicht angehoben und nach Süden verschoben hat. Nach Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt liegt das Gebiet der Hauptstadt Kathmandu nach dem Beben im Schnitt 1,65 Meter weiter südlich als zuvor. Außerdem sei die Stadt um mehr als einen Meter angehoben worden, berichtete DLR-Wissenschaftler Thomas Fritz vom Institut für Methodik der Fernerkundung. "Unsere genaue Schätzung ist 1,26 Meter", ergänzte er. Die Berechnungen beruhen auf Satellitendaten.

China evakuierte Erdbebengebiet in Tibet

In den Nachbarländer Indien und China zusammen starben wenigstens 100 Menschen. Chinesische Behörden haben mehr als 4000 Menschen in Sicherheit gebracht. Nach dem Beben in Nepal waren in Tibet mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag mitteilte. Aus Angst vor Erdrutschen entschieden die Behörden, die Stadt Zham zu evakuieren, in der das Beben Häuser zerstört hatte.

Die Menschen wurden in Zelten in der 300 Kilometer entfernten Gemeinde Lhatse untergebracht. China hatte am Montag laut Xinhua alle Klettertouren während der Frühlingssaison auf der Nordseite des Mount Everest verboten. Das Beben vom Samstag hatte sein Zentrum in Nepal.

Helfer fürchten, dass die Opferzahl noch deutlich steigt, wenn weitere abgelegene Regionen in Nepal erreicht werden. Außerhalb der Hauptstadt Kathmandu sei die Suche nach Verschütteten und Auslieferung von Hilfsgütern "noch immer eingeschränkt", berichtete das UN-Büro für Katastrophenhilfe (OCHA) in der Nacht zum Donnerstag.

Everest: Expeditions-Abbruch im Norden

Auf der zu China gehörenden Nordseite des Mount Everest sind wegen des verheerenden Erdbebens in Nepal alle Expeditionen abgebrochen worden. Das berichteten unter anderen auch österreichische Alpinisten auf ihren Webseiten. Der blinde Osttiroler Andy Holzer machte sich ebenfalls auf den Rückweg, bestätigte seine Frau Sabine am Donnerstag der APA. Auf nepalesischer Seite soll es jedoch weitergehen.

Von den chinesischen Behörden wurden laut Sabine Holzer alle Berge in der Region gesperrt. Ihr Mann sei am Mittwoch in das Basislager auf der Nordseite in rund 5.200 Meter abgestiegen. Im Basislager auf der nepalesischen Südseite waren durch von dem Beben ausgelöste Lawinen mehrere Alpinisten ums Leben gekommen. Andy werde nun über die tibetische Hauptstadt Lhasa heimreisen, erläuterte seine Ehefrau.

"Blind Climber" Holzer hatte sich auch vor einem Jahr auf dem Everest befunden, als ein schweres Lawinenunglück sein erstmaliges Vorhaben, den höchsten Berg der Welt zu besteigen, beendete. Im April 2014 kamen 16 nepalesische Bergführer ums Leben, alle weiteren Besteigungsversuche wurden vorläufig abgesagt. Auch damals war er selbst nicht unmittelbar vom Unglück betroffen.

(APA/AFP)