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Stadtplan: Grünes Lob für schwarzen LH

An dieser Stelle wurde Niederösterreichs Politik zweimal scharf kritisiert. Beide Male hat das heftige Reaktionen ausgelöst. Heut gibt's ein Lob.

Lob für die unentgeltliche, höchst qualifizierte Energieberatung Niederösterreichs. Knapp 70 Personen, die eine anspruchsvolle technische Schulung absolviert haben, kommen in Haus oder Wohnung und machen konkrete Vorschläge zur Energieeinsparung und Umrüstung auf erneuerbare Energieträger. Viele tausende Haushalte haben dies bisher in Anspruch genommen, aufgrund der Ratschläge Maßnahmen gesetzt – indem sie etwa die vielen Stand-by-Geräte erst einmal wahrgenommen haben –, um dann ihr Nutzverhalten zu ändern.

Vor allem Maßnahmen zur Wärmedämmung werden häufig unterschätzt und können den Energieverbrauch mehr als halbieren. Auf diese Weise wurde nicht nur die Umwelt entlastet. Vielen wurde auch sozial geholfen, denn so konnten die Kosten für Energie oft deutlich reduziert werden.

Bemerkenswert sind auch die finanziellen Anreize in Niederösterreich: Wer heute sein Haus thermisch saniert, bekommt bis zu einem Drittel der Kosten oder 20.000 Euro als verlorenen Zuschuss. Zählt man die Förderung für Pellets-Heizungen und Solaranlagen noch dazu, kann man zusätzlich an die 10.000 Euro Unterstützung erhalten. Manche dieser Förderungen sind richtigerweise bis Ende dieses Jahres befristet, um gerade jetzt im Abschwung Impulse zu setzen.

Wien ist anders: Trotz des unbestritten großen Erfolges der niederösterreichischen Energieberatung gibt es hier bis heute nichts Vergleichbares. Und gerade dort, wo Pellets-Öfen besonders sinnvoll wären, in Kleingartensiedlungen, sind sie verboten. Nun wird dort meist mit Strom geheizt, der in Europa immer häufiger aus Kohlekraftwerken stammt. Die Abgaswerte von Pellets-Öfen sind in den letzten zehn Jahren drastisch gesunken, österreichische Technologie ist hier Weltmarktführer geworden. Von unserer Bundesregierung hört man diesbezüglich kaum etwas, ebenso wenig vom Wiener Bürgermeister.

So schwer's mir politisch auch fallen mag: In diesem Punkt muss ich Erwin Pröll loben.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2009)