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Wenn's ein bisschen älter sein darf...

Historische Objekte. Von neuen Lofts in alten Fabriken und anderen Schätzen.

Wo einst die Lehmbacköfen Tag und Nacht liefen und bis zu 250 Pferdefuhrwerke damit beschäftigt waren, das gebackene Brot an die Wiener Bevölkerung auszuliefern, tummeln sich heute Kunst- und Kultureinrichtungen, haben Sozialprojekte ihren Platz und zukünftige Bewohner die Gelegenheit, sich Rohbaulofts nach ihren ganz eigenen Vorstellungen herzurichten.

Auf dem Gelände der alten Ankerbrotfabrik werden neben Ateliers, Galerien, Büros und Gastronomieeinrichtungen in insgesamt zwölf Gebäuden auf 26.000 Quadratmetern Lofts in allen Größen und Nutzungsmöglichkeiten entstehen. Als Filetstückerln gelten die sogenannten Skylofts, die sich im achten und neunten Stock des historischen Objekts 42 befinden, und mit mehreren Terrassen für große Ausblicke über die Stadt sorgen. Im gesamten Haus wurden die allgemeinen Flächen wie Stiegenhäuser, Gänge und Höfe saniert, Fenster und Fassaden erneuert, Kanal- und Wasseranschlüsse, Kabel aller Art bis zur Wohnungstür gelegt und die einzelnen Wohneinheiten an die Fernwärme angeschlossen. Ab der eigenen Eingangstür kann „der Käufer beim Innenausbau seiner Kreativität freien Lauf lassen“, wie die Umschreibung für die Edelrohbauvariante auf der Website der Loftcity Gmbh & Co KG so schön heißt. Hinter dieser stehen Walter Asmus sowie die Architekten Lukas Groh, Michael Wagner und Anton Wallner, die die stillgelegten historischen Teile der Ankerfabrik in unmittelbarer Nähe der noch bestehenden Produktionsstätten im Zehnten 2009 erworben haben, und das Gelände seitdem zu einem Standort der Creative Industries ausbauen. Die Lofts sind alle gewerblich gewidmet, die Nettopreise liegen zwischen 1500 und 3800 Euro pro Quadratmeter. Infos unter www.loftcity.at, am 12. Mai findet auch ein Grand Opening statt.

 

Leben in der alten Spinnerei

Knapp 30 Kilometer weiter südlich entstehen in einem anderen Denkmal des Industriezeitalters weitere stylische neue Wohngelegenheiten. In der alten Spinnerei in Oberwaltersdorf liefen ab 1822 27 Spinnmaschinen, die in der Blütezeit um das Jahr 1848 über 250 Arbeitskräfte beschäftigten. Mit dem Beginn des vorigen Jahrhunderts residierte hier die Litzen-, Spitzen-, Besatz- und Bortenfabrik, ehe das Gelände nach der Beherbergung eines Rüstungsbetriebs während der Kriegsjahre 1945 endgültig stillgelegt wurde. Aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen begann die Anlage dann im Jahr 2000, als sie von Richard Pfaffstaller in mehreren Etappen gekauft und einer Grundsanierung unterzogen wurde. Bis Ende des heurigen Jahres sollen nun die hier entstandenen insgesamt 23 Lofts in Größen zwischen 120 und 215 Quadratmeter fertiggestellt sein. Auch hier heißt das Stichwort Edelrohbau, vollständig entwickelt wurden die Fassaden und Fenster, Anschlüsse und Infrastruktur, außerdem verfügt jedes Loft zumindest über einen Balkon oder eine Terrasse, fünf Einheiten über einen eigenen Garten. Im Inneren ist dann jeder Eigentümer seiner Glückes Schmied – solang er sich an die Auflage hält, dass das Loft spätestens 15 Monate nach Kaufabschluss innen belagsfertig sein muss. Eine Maßnahme, mit der einer ewigen Baustellensituation auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Areal entgegengewirkt werden soll. Die gesamte Anlage steht darüber hinaus unter Denkmalschutz, den entsprechenden Auflagen wurde aber bereits mit der Restaurierung der Fassaden Rechnung getragen.

In den Nebengebäuden und rund um den Schlothof stehen außerdem gewerblich gewidmete Flächen zur Verfügung, in denen sich nach den Plänen der Entwicklungsgesellschaft Geschäfte und Gastronomieeinrichtungen ansiedeln sollen. Geplant ist auch ein Restaurant mit einer über die Triesting hinausragenden Terrasse. Angeboten werden die Lofts zu Preisen zwischen 1300 und 2500 Euro pro Quadratmeter, Infos unter www.altespinnerei.at

 

Historisches am Semmering

Vom Rohbau weit entfernt sind die Wohnungen, die aktuell in einem historischen Objekt am Semmering zum Verkauf stehen. Hier wurden in einem vom Architekten Alfred Wildhack gebauten Jahrhundertwendehaus acht Wohnungen aufwendig renoviert, wobei auf die Erhaltung der historischen Details viel Wert gelegt wurde. So finden sich auch bei den neuen Fenstern die klassischen Bogenformen, wurden die Holztrame unter den Decken zwar behandelt, aber nicht versteckt und bringen Holzböden und Wendeltreppen auch nach der Revitalisierung noch ein wenig Flair der Vergangenheit in die rund 80 Quadratmeter großen Einheiten. Nicht mehr zu spüren ist das allerdings bei der technischen Ausstattung der Wohnungen, hier sorgen moderne Bäder samt Whirlpool, ein Wellnessbereich und ein Lift für den Komfort der Gegenwart. Zu haben sind die Wohnungen zu Preisen ab 6000 Euro pro Quadratmeter, angeboten werden sie über Herzog Immobilien in Graz.

 

Alte Zeche in Breitenbrunn

Die älteste Vertreterin der historischen Objekte steht derzeit in Breitenbrunn zum Verkauf. Hier wird die ehemalige Kunigundenzeche, ein Freimaurerhaus aus dem Jahr 1589, die einst hungrigen und vor allem durstigen Durchreisenden Obdach bot, über Dominik Immobilien angeboten. Davon zeugen auch heute noch ein riesiger Gewölbeweinkeller samt typischem Presshaus, in dem sich auch noch eine Rauchkuchl sowie diverse Schlafräume finden, die einst der Unterbringung des Gesindes dienten. Über eine Steintreppe führt der Weg wie einst in den Herrschaftsteil, der neben diversen Zimmern – insgesamt hat das Anwesen 18 davon – über Marmorbäder und eine weitere Rauchkuchl samt Essbereich verfügt. In den Wohnräumen gibt es Kreuzgewölbedecken und große offene Steinkamine, außerdem sind die alten Holz- und Steinböden im Original erhalten. Insgesamt stehen in den diversen Bauten – inklusive Nebengebäuden, Stallungen, einem Stadl sowie einer Steinmetzwerkstatt – 940 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, ein 200 Quadratmeter großer Wohnbereich ist bereits modernisiert. Besonders wird das Anwesen auch durch seinen über 2500 Quadratmeter großen Garten, in dem sich nicht nur Steinmetzarbeiten und alte Bäume finden, sondern auch ein Pool aus der alten Zeit. Verkauft wird die Anlage zu einem Fixpreis von 1,25 Millionen Euro. (sma)

ALTE SCHÄTZE

Loftsim Edelrohbau enstehen derzeit in der ehemaligen Ankerbrotfabrik im 10. Bezirk und in der Alten Spinnerei in Oberwaltersdorf. (www.loftcity.com und www.altespinnerei.at)

In Breitenbrunn steht ein Freimaurerhaus aus dem 16. Jahrhundertzum Verkauf (www.dominik-immobilien.at) und am Semmering wurde ein Jahrhundertwendehaus vom Architekten Alfred Wildhack revitalisiert (www.herzog.at).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2015)