Barristan Selmy erzählt Daenerys eine Geschichte über ihren Bruder

"Game of Thrones": Staffel fünf, Folge vier

In "The Sons of The Harpy" werden drei starke Frauen eingeführt und viele Geschichten erzählt. Wir lernen Neues über einen großen Unbekannten.

SPOILERWARNUNG: Ich blogge wieder zu jeder neuen "Game of Thrones-Folge und verrate Details zur Handlung. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Wenn das Intro zu "Game of Thrones" die Silhouette eines gehäuteten roten Mannes, das Zeichen des Hauses Bolton, auf dem Dach Winterfells zeigt, schmerzt das immer noch. In "The Sons of The Harpy", der vierten Folge der aktuellen fünften Staffel, wurde dem Intro ein neuer Schauplatz hinzugefügt, ebenfalls mit einem brutalem Bild: Eine rote Schlange windet sich um einen Turm. Willkommen in Dorne.

"All they want to do is fuck and fight"

Dorne ist gefährlich – und aufregend, wenn man Ritter Bronn glaubt. "The Dornish are crazy. All they want to do is fuck and fight, fight and fuck", sagt er, als er mit Jaime Lannister am Strand landet. Sie sind inkognito in den Süden gereist, um Jaimes "Nichte" (Bronns Blick!) zu retten, vorbei an Briennes Heimat Tarth, der "Sapphire Isle" (Jaimes Blick!). Zwar besiegen die beiden vier dornische Soldaten und Jaime lernt, seine "Eisenhand" als Waffe zu benutzen, trotzdem bleibt ihre Ankunft nicht unbemerkt.

Die Sand Snakes, Oberyn Martells "Bastard-Töchter", haben diese Information aus erster Hand, vom Kapitän von Jaimes Schiff. Martialisch wirken die drei, Obara, Tyene und Nymeria, genannt Nym. Aber es wird schwer, sie auseinanderzuhalten. In den Büchern werden sie allein optisch unterschiedlicher dargestellt. In der Serie sind sie einander ähnlich, auch in ihren Standpunkten, als Oberyns Witwe Ellaria sie zu den Waffen ruft. "We don't need an army to start a war", wissen die drei.

Die Sand Snakes: Nymeria, Obara und Tyene
Die Sand Snakes: Nymeria, Obara und Tyene(c) HBO

"The Bolton boy, make him yours"

Nein, es braucht bloß einen Kranz aus blauen Winterrosen. So erzählt es jedenfalls "Littlefinger" Petyr Baelish Sansa in der Gruft unter Winterfell, vor dem Grab ihrer Tante Lyanna Stark. Kronprinz Rhaegar Targaryen bedachte einst, vor vielen Jahren, statt seiner eigenen Frau Elia Lyanna bei einem Turnier in Harrenhal mit einem solchen Kranz. "And then he kidnapped her and raped her", vervollständigt Sansa. Der dadurch ausgelöste Krieg war jedenfalls das Ende des Herrscherhauses Targaryen. Lyannas Geschichte ist eine von mehreren, die in "Sons of the Harpy" erzählt werden und eine, die besonders spannend für Fans dieser Theorie ist.

Littlefinger spielt ein gefährliches Spiel mit Sansa: Er setzt darauf, dass Stannis Baratheon Winterfell erobert, bevor die Boltons Sansa etwas antun können. Und auf Sansas Fähigkeiten, einen Mann zu manipulieren: "The Bolton boy, make him yours", rät Baelish. Ich wiederhole mich: Littlefinger unterschätzt, wozu dieser Psychopath Ramsay imstande ist.

King Tommen, der Bastard

Cersei ihrerseits unterschätzt den High Sparrow, den sie nicht nur zum Quasi-Papst hochgelobt hat, sondern dessen Mönche sie auch noch mit Waffen ausstattet. Religiöser Fanatismus ist brandgefährlich. Wenn die Mönche es doch dabei belassen würden, ihre eigenen Gesichter zu verstümmeln. Aber nein. Sie ermorden Homosexuelle im Namen Gottes. Loras Tyrell, der aus seinen sexuellen Neigungen keinen Hehl gemacht hat, wird in den Kerker gesperrt. Und "sweet King" Tommen ist zu schwach, ihn zu befreien. Cerseis Plan, die Tyrells zu schwächen, geht auf. Aber zu welchem Preis? Wenn Tommen vor der Kirche öffentlich als "Bastard" und "Abomination" beschimpft wird, schwächt das die Krone insgesamt.

"He never liked killing"

Eine Targaryen mit Machtanspruch gibt es natürlich noch, am anderen Ufer des Meeres in Meereen. Auch sie bekommt eine Geschichte von ihrem großen Bruder zu hören, eine weit nettere. Ser Barristan Selmy erzählt ihr, wie sich Rhaegar unters Volk mischte und als Sänger ausgab. Selmys Beschreibung deckt sich nicht mit Sansas Bild von Rhaegar: "He never liked killing. He loved singing."

Es wird wohl die letzte Geschichte sein, die ihr Ser Barristan über ihren verstorbenen Bruder, diesen großen Unbekannten der Serie, erzählt. Er stirbt (höchstwahrscheinlich) in einem spannend choreografierten Kampf mit den Sons of the Harpy, auch Grey Worm wird verletzt. Die "Guerilla" Meereens entwickeln sich zum echten Problem. Ob Daenerys etwas daran ändern kann, wenn sie die "Fighting Pits" wieder eröffnet, wie Hizdahr zo Loraq verlangt? In einem hat er Recht: "Traditions are the only thing that hold this city together." Wenn überhaupt.

Vielleicht weiß Tyrion Rat. Jorah Mormont bringt ihn tatsächlich zu Daenerys, nicht zu Cersei. Tyrion ertränkt derzeit sein Selbstmitleid zu gerne in Wein, finde ich. Zumindest hat er seinen Verstand und seine spitze Zunge nicht verloren: "What a waste of a good kidnapping", sagt er zu Mormont. Schließlich sei er ohnehin am Weg nach Meereen gewesen.

"Are you ashamed of me, father?"

Shireen Baratheon ist ein kluges, feinfühliges Kind
Shireen Baratheon ist ein kluges, feinfühliges Kind(c) HBO

Die sanfteste Geschichte diese Woche kommt ausgerechnet von Stannis Baratheon. "Are you ashamed of me, father?" fragt Tochter Shireen ihn. Ihre Mutter, das hat sie oft genug bewiesen, ist durch und durch kaltherzig. Daran ändert auch R'hllor, Gott des Lichtes, des Feuers und der Wärme nichts. Stannis antwortet nicht direkt, sondern mit der Geschichte von Shireens Krankheit. Er war es, der sie unter allen Umständen retten wollte. Stannis wächst mir langsam ans Herz. Ob es etwas zu bedeuten hat, dass die Puppe, durch die sich Shireen mit Greyscale angesteckt hat, aus Dorne war?

Stannis hat auch etwas für Jon übrig, das ist offensichtlich. Aber er hat auch allen Grund, eifersüchtig zu sein, würde er davon erfahren: Die rote Priesterin entblößt sich vor Jon, der zwar willig wäre, ihr aber doch widersteht. Das war absehbar. Interessanter ist, was Melisandre sagt: "There is only one war. Life against death". Und: "There's power in you. You resist it and that's your mistake." Was meint sie genau? Und wenn wir schon bei Fragen sind: Sprechen durch Melisandre die Toten ("You know nothing, Jon Snow")? Wird es Folgen haben, dass Jon, widerwillig aber doch, die Boltons um Männer bittet? Wo ist Ghost schon wieder?

Zitate der Woche

  • Melisandre: "The dead don't need lovers, only the living."
  • Bronn: "I've had an exciting life. I want my death to be boring."
  • Jaime ist ernsthaft böse auf seinen kleinen Bruder Tyrion: "He murdered my father. If I ever see him I'll split him in two."

Falls Sie einen Fehler finden, schicken Sie ein Mail an feedback@diepresse.com.

>> Zum Blog von Folge eins "The Wars to Come"

>> Zum Blog von Folge zwei "The House of Black and White"

>> Zum Blog von Folge drei "High Sparrow"

>> "Game of Thrones"-Episodenblog

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich zeigt.