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Israel vergleicht Irans Regime mit Nazis

(c) AP (Salvatore di Nalfo)
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Nach Ahmadinejads Brandrede warnt Jerusalem vor Teherans Bombe."Der Iran tut alles, um Israel auszuradieren", sagte der stellvertretende Minister-Präsident Silvan Schalom.

JERUSALEM. Die Empörung in Israel ist groß: Die UN-Antirassismuskonferenz in Genf demonstriere „die Akzeptanz von Rassismus statt den Kampf gegen ihn“, klagte Israels Präsident und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres. Er verurteilte jene, die „das einzige Land der Welt attackieren, das als sicherer Hafen für Holocaust-Überlebende gegründet wurde und das einzige Land, das einen neuen Holocaust verhindern wird“.

In Israel ist man sich über alle politischen, religiösen und sozialen Grenzen hinweg so einig wie selten: Dass ausgerechnet wenige Stunden vor Beginn des Holocaust-Gedenktages ein Antisemit wie Irans Präsident Mahmoud Ahmadinejad als Redner auf einer UN-Konferenz gegen Rassismus im Herzen Europas auftreten dürfe, sei eine Schande. „Der Iran tut alles, um Israel auszuradieren“, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Silvan Schalom. In Auschwitz, wo er am traditionellen „Marsch der Lebenden“ teilnahm, verglich er den Iran mit Deutschland unter Adolf Hitler. Eine nukleare Bewaffnung Irans dürfe deshalb nicht zugelassen werden.

Ahmadinejad, der den Holocaust als „Mythos“ bezeichnet, hatte am Montag seine halbstündige Rede in Genf hauptsächlich dazu genutzt, Israel an den Pranger zu stellen. Der Westen hätte einen durch und durch rassistischen Staat „unter dem Vorwand jüdischen Leidens“ auf palästinensischem Boden gegründet.

Die Vertreter der an der Konferenz teilnehmenden EU-Staaten – darunter der Österreichs – hatten demonstrativ den Plenarsaal verlassen, als Ahmadinejad seine Hasstiraden gegen Israel begann.

Israels neuer Premier Benjamin Netanjahu sagte während einer Zeremonie in der Gedenkstätte Yad Vashem in Anspielung auf den Iran: „Nur wenige Jahrzehnte nach dem Holocaust sind neue Kräfte aufgestiegen, die offen ihre Ansicht erklären, den jüdischen Staat von der Erde auszulöschen.“ Doch Holocaustleugner könnten keinen zweiten Holocaust verüben. Dafür sei Israel der Garant. Die Armee des jüdischen Staates könne überall zuschlagen, warnte er.

 

„Ich gehe zu allen Konferenzen“

Von Irans Regime wurde Ahmadinejad hingegen für „seinen mutigen Auftritt“ gefeiert. Ahmadinejad selbst warf den Vertretern der EU-Staaten, die während seiner Rede den Saal verlassen hatten, „Intoleranz“ vor. „Wegen mir haben einige Länder sogar die Konferenz boykottiert. Ich erkläre hiermit, dass ich von nun an an allen internationalen Konferenzen teilnehmen werde.“ Eine Reihe von Staaten, darunter die USA, Deutschland, Italien und Polen, waren von vornherein der UN-Veranstaltung ferngeblieben. Tschechiens Vertreter kehrte nach dem gemeinsamen EU-Auszug während der Ahmadinejad-Rede nicht mehr zur Konferenz zurück.

Israels Regierung dankte nun den Ländern, die dem Treffen ferngeblieben waren. Kritik übte Israel dagegen an der Schweiz, dessen Präsident Hans-Rudolf Merz mit Ahmadinejad noch vor dessen Rede zusammengetroffen war.

„Es muss doch eine Grenze geben, sogar bei der Neutralität der Schweizer“, so Peres. Das Außenministerium rief Israels Botschafter aus Bern zurück. Auch wenn die Schweiz betone, man habe bei Ahmadinejad kritische Themen und Menschenrechtsverletzungen angesprochen, sei es in der internationalen Öffentlichkeit „anders wahrgenommen worden“, so Außenamtssprecher Yigal Palmor. „Die Schweizer können nicht die Unschuldslämmer spielen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2009)