Telekommunikation: Streit um billiges Telefonieren

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)
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Der Regulator senkt Gebühren, die Mobilfunker fürchten Umsatzeinbußen, weshalb sie nun die Höchstgerichte anrufen wollen. Einnahmenausfälle drohen den Mobilfunkern auch, weil die EU die Tarife für Auslandsgespräche weiter senkt.

Wien (eid). In Zeiten von Flatrates und Kombipaketen scheint es nahezu unwahrscheinlich, dass Telefonieren mit dem Handy noch billiger wird. Möglich sollte es eine Entscheidung des Telekomregulators (RTR) machen. Die Behörde hat eine deutliche Absenkung jener Entgelte beschlossen, die von einem Festnetz- oder Mobilfunkbetreiber für die Durchleitung eines Gesprächs in ein anderes Handynetz bezahlt wird. „Ich glaube nicht, dass sich die Unternehmen das als Körberlgeld behalten – angesichts des harten Wettbewerbs werden sie die Ersparnis an die Kunden weitergeben müssen“, sagte Telekomregulator Georg Serentschy am Dienstag.

Mobilkom, T-Mobile, Orange und Hutchison („3“) sollen schrittweise bis 2011 nur die Hälfte des Entgelts erhalten, das seit Mitte 2008 gilt (5,72 Cent pro Minute). Dies würde die vier Netzbetreiber rund 37 Mio. Euro Umsatz pro Jahr kosten, räumte die RTR ein. Serentschy gab allerdings zu bedenken, dass die Unternehmen auch weniger zahlen müssten. Die Entlastung schätzt er jedoch nur auf 27 Mio. Euro.

Weshalb die Mobilfunker toben: „Wenn der Regulator uns umbringen will, dann zieht er diese Entscheidung durch“, wettert Orange-Chef Michael Krammer im Gespräch mit der „Presse“ und kündigt den Gang zum Verwaltungsgerichtshof (VwGh) an. Er begründet das so: Die Mobilfunker würden im Inland weniger einnehmen, aber im Ausland für die Durchleitung deutlich mehr zahlen müssen. In Deutschland kostet die Minute 9 Cent, in der Schweiz 12, in Liechtenstein 26 Cent. Die Mobilkom gab sich „enttäuscht“, und T-Mobile sprach von einem Schaden für den Wirtschaftsstandort. Nur der kleinste Anbieter „3“ ist glücklich und spricht von „Gerechtigkeit“ am Markt.

Ungeachtet der drohenden Streitereien vor dem Höchstgericht ist die Entscheidung der RTR richtungsweisend für den Telekommunikationsmarkt. Mit den einheitlichen Terminierungsentgelten gehört nämlich auch die asymmetrische Regulierung der Vergangenheit an: Kleine und später auf den Markt gekommene Unternehmen (etwa Orange und „3“) erhielten ursprünglich deutlich höhere Zusammenschaltungsentgelte als Mobilkom und T-Mobile, um ihnen den Start zu erleichtern.

Dieser Startvorteil, der gut zehn Jahre anhielt, ermöglichte in Österreich die Entwicklung eines wirklich funktionierenden Wettbewerbs im Mobilfunk. Der Handyboom führte einerseits zu europaweit extrem niedrigen Tarifen, von denen die Konsumenten profitieren. Allerdings sanken gleichzeitig auch die Gewinnmargen der Netzbetreiber – Orange und „3“ verdienen bis heute nicht die Milliardeninvestitionen in ihre Netze zurück. Gleichzeitig verloren die Festnetzanbieter – allen voran die Telekom Austria – massiv Terrain: Inzwischen laufen 80 Prozent aller Telefongesprächsminuten über Handys. Das Festnetz „subventionierte“ gewissermaßen den Mobilfunk, weil die Terminierungsentgelte für Anrufe vom Festnetz in Handynetze viel höher sind als umgekehrt (0,7 Cent pro Minute). Der Abstand ist nun kleiner geworden – was eine Entlastung des Festnetzes darstellt –, aber er besteht weiterhin.

EU senkt SMS-Kosten

Einnahmenausfälle drohen den Mobilfunkern auch, weil die EU die Tarife für Auslandsgespräche (Roaming) und für SMS weiter senkt. Das EU-Parlament wird heute, Mittwoch, beschließen, dass eine SMS ins Ausland höchstens elf Cent kosten darf. Das ist im Schnitt um 60 Prozent weniger.

Derzeit darf ein abgehendes Telefonat im EU-Ausland nicht mehr als 46 Cent kosten, ein empfangenes Gespräch 22 Cent (ohne Mehrwertsteuer). Ab 1. Juli wird die Preisgrenze auf 40 (bzw. 19) Cent gesenkt. 2010 folgt die nächste Stufe mit 39 (15) Cent. Ab Juli 2011 liegt die Schranke bei 35 (11) Cent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2009)

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