Lee Miller: Die Fotografin in Hitlers Badewanne
Elizabeth "Lee" Miller lernte bei Man Ray die Technik der Fotografie und war eine von nur fünf Pressefotografinnen, die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg für die USA in Europa arbeiteten. Die Albertina zeigt einen Teil ihres Werks.
Die Wiener Albertina eröffnet mit der Ausstellung "Lee Miller" (ab 8. Mai) ihre neu geschaffenen "Galleries for Photography". Die Amerikanerin Elizabeth "Lee" Miller (1907-1977) posierte für Man Ray und wurde lange auf ihre Rolle als Fotomodell beschränkt. Doch sie war eine eigenständige Künstlerin mit einem vielfältigen fotografischen Werk.Man Ray: Porträt von Lee Miller, Paris, Frankreich, 1929
(c) Lee Miller Archives England 2015. All Rights Reserved
Ihr Werk erstreckt sich über Mode-, Reise-, Porträt- und Akt- bis hin zur Kriegsreportagefotografie. Die sparsam inszenierte Sammlung an Schwarz-Weiß-Fotografien in der aktuellen Ausstellung konzentriert sich auf die produktive Schaffensperiode von 1929 bis 1945.Lee Miller: Schwebender Kopf, Mary Taylor, New York Studio, New York, USA, 1933
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In diesen Jahren entwickelte sich Miller von der surrealistischen Fotografin in Paris zur furchtlosen Kriegsreporterin - auch in Wien.Lee Miller: Ohne Titel (Explodierende Hand), Paris, Frankreich, circa 1930
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Bei Man Ray, mit dem sie auch liiert war, erlernte Miller in Paris die Technik der Fotografie und eignete sich surrealistische Techniken wie die Verfremdung von Bildern durch enge Bildausschnitte und experimentelle Techniken wie die Solarisation an.Man Ray and Lee Miller: Hals (Lee Miller), Paris, Frankreich, circa 1930
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Als eine von nur fünf Pressefotografinnen, die für die USA in Europa arbeiteten, hielt sie im April 1945 unter anderm die befreiten Konzentrationslager Buchenwald und Dachau fest, lichtete Opfer ebenso wie Täter ab. Schockierend und ungewohnt nah sind ihre Aufnahmen von Leichenbergen im Buchenwald. Schockierend und doch künstlerisch anmutend ist etwa das Foto von einem im Kanal treibenden toten SS-Mann.Lee Miller: Ein toter SS-Wachmann treibt im Kanal, Dachau, Deutschland, 1945
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Gemeinsam mit dem "Life"-Fotografen David Scherman inszenierte sich Miller auch legendär in der Badewanne in Adolf Hitlers Wohnung in München. Die vor der Wanne platzierten Armeestiefel definierten sie als Angehörige der Alliierten und stellten damit "einen radikalen Akt der Machtumkehrung dar", so Kurator Walter Moser.Lee Miller with David E. Scherman: Lee Miller in Hitlers Badewanne, München, Deutschland, 1945
(c) Lee Miller with David E. Scherma
Wenige Monate nach Kriegsende war Miller auch in dem von vier alliierten Besatzungsmächten aufgeteilten Wien. Aufnahmen aus der von Luftangriffen schwerbeschädigten und Stadt zeigen bröckelnde Sehenswürdigkeiten, aber auch die für Miller eigentlichen Opfer des Krieges: Kinder.Lee Miller: Knabe mit Scharnhorst-Mütze, Wien, 1945
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Es sind aufrüttelnde Fotos, die nicht nur die Albertina-Schau, sondern auch Millers Schaffen beschließen: Psychisch unter den Auswirkungen des Krieges leidend, hörte sie nach ihrer Rückkehr nach England beinahe völlig zu fotografieren auf.Lee Miller: Irmgard Seefried, Opernsängerin, singt eine Arie aus Madame Butterfly, Wiener Opernhaus, Wien, 1945
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Mit "Lee Miller" startet die Albertina eine Reihe von Fotoausstellungen. Künftig will das Museum zwei Fotoausstellungen pro Jahr aus Eigenbestand und ein bis zwei Sonderausstellungen bestreiten.Die Ausstellung: "Lee Miller", Albertina Wien, 8. Mai bis 16. AugustLee Miller: Brandschutzmasken, London, England, 1941
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