Varoufakis glaubt an baldige Einigung im Schuldenstreit, Juncker eher nicht.
Wien/Athen/Brüssel. Der griechische Regierungssprecher Gabriel Sakellaridis hat am gestrigen Donnerstag offen ausgesprochen, was ohnehin alle befürchten: Für sein Land sei der immense Schuldenberg „nicht tragbar“, hat er eingestanden – und obwohl Athen das Thema nicht unmittelbar auf die Tagesordnung in den Gesprächen mit den Geldgebern setzen will, könne es „nicht unter den Teppich gekehrt werden“. Die EU-Kommission erwartet für das laufende Jahr einen Anstieg der Schuldenquote auf 180 Prozent der Wirtschaftsleistung, erlaubt sind nach EU-Regeln aber nur 60 Prozent.
Doch selbst über den Fortschritt in den Verhandlungen zur Auszahlung weiterer Hilfsgelder in Höhe von 7,2 Milliarden lässt sich trefflich streiten. Während Finanzminister Yanis Varoufakis davon ausgeht, dass eine Einigung mit den Geldgebern über weitere Mittel für sein klammes Land nicht mehr lang auf sich warten lässt, hat Kommissionschef Jean-Claude Juncker die Fortschritte als „bescheiden“ eingeschätzt. Die Euro-Finanzminister beraten am Montag erneut über Griechenland. Eine endgültige Abmachung zu einem Reformpaket – der Voraussetzung für die Hilfszahlungen – wird in Brüssel nicht erwartet. (ag.)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2015)