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Der Kampf um den Lotto-Jackpot

THEMENBILD: OESTERREICHISCHE LOTTERIEN / LOTTO
THEMENBILD: OESTERREICHISCHE LOTTERIEN / LOTTOAPA/HELMUT FOHRINGER
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In der Schlacht um die Anteile an der Casinos Austria geht es vor allem um eines: um die Lotterien. Sie sind das Herzstück und die Cashcow das Traditionsunternehmens.

Einfache und klare Regeln sind beim Glücksspiel das Um und Auf. Nur wenn jemand weiß, welcher Einsatz wie viel Gewinn bringt, ist er bereit zu spielen. Das gilt für das Spiel in den Casinos. Das trifft aber im Spiel um die Casinos Austria ganz und gar nicht zu. Dafür sorgen schon allein die sehr komplizierten Besitzverhältnisse.

33 Prozent hält etwa die Staatsholding ÖBIB. Und diese will nun sämtliche Anteile übernehmen. Ein Regierungsbeschluss passierte bereits den Ministerrat. Und tatsächlich wollen einige Casinos-Eigentümer ihre Anteile gern versilbern. Allen voran Raiffeisen, aber auch die Privatstiftung von Maria Theresia Bablik und die Privatbank Schelhammer & Schattera.

Doch all diese Aktionäre sind durch einen Syndikatsvertrag aneinandergekettet. Sie können nicht einfach verkaufen, weil alle gegenseitige Vorkaufsrechte haben. Finanzminister Hans Jörg Schelling will diese verzwickten Eigentümerverhältnisse entwirren, um die Casinos Austria am Ende im Zuge eines Börsenganges wieder zu privatisieren.


Konkurrenz. Doch nicht nur Schelling machte den Aktionären ein Angebot. Auch eine private Investorengruppe unterbreitete ein Offert. Der Wiener Finanzinvestor Peter Goldscheider, dessen Sohn Daniel und die beiden tschechischen Milliardäre Jiri Šmejc und Karel Komárek machen Schelling und der ÖBIB Konkurrenz. Sie boten auch für die restlichen 67 Prozent an der Casinos Austria. Zwar hat die ÖBIB ein Vorkaufsrecht, sie müsste aber jenen Preis bezahlen, der geboten wird.

Und längst haben sich andere Spieler um den Casinos-Tisch versammelt. So wird berichtete, dass auch die Novia-Gruppe aus Malta um die Casinos-Anteile mitbieten will. Im Management des auf Glücksspiel spezialisierten Investmentfonds sitzen zwei ehemalige Novomatic-Manager. Und auch der ehemalige Raiffeisen-International-Chef, Herbert Stepic, und Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer sollen laut „Wiener Zeitung“ für Novia aktiv sein.

Der Spieleinsatz ist hoch: 500 Millionen Euro. So viel sollen die Casinos, die im vergangenen Jahr wieder ordentlich Gewinn geschrieben haben, wert sein. Doch das eigentliche Herzstück sind die Lotterien, an denen die Casinos Austria knapp 68 Prozent hält. Die Lotterien allein werden auf 800 Millionen Euro taxiert. Auf Lotto entfällt der Löwenanteil des 3,6-Milliarden-Euro-Umsatzes. Die Casinos mit ihren zwölf Spielbanken in Österreich tragen hingegen nur noch elf Prozent zum Umsatz bei. Die Casinos-Austria-Gruppe erzielte 2014 ein Konzernergebnis von 41,7 Millionen Euro.

Casinos

41,7 Millionen Euro.Mit diesem positiven Konzernergebnis überraschte die Casinos Austria 2014, nachdem sie 2013 16,3 Millionen Verlust geschrieben hatte.

Bieter. Diese erfreuliche Entwicklung lässt den Wert der Casinos Austria steigen. Sie wird mit 500 Mio. Euro taxiert. Die dem Finanzministerium unterstellte Staatsholding ÖBIB hält 33 Prozent und will die restlichen Eigentümer auskaufen. Doch es gibt auch private Interessenten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2015)