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Ein neuer Club für Mäzene

PRESSEFUeHRUNG LITERATURMUSEUM DER OeSTERREICHISCHEN NATIONALBIBLIOTHEK
Innenansicht des Literaturmuseums der Österreichischen NationalbibliothekAPA/HANS KLAUS TECHT
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Museen sind zunehmend auf private Förderer angewiesen. Der Verein Phileas macht den bestehenden Freundeskreisen nun Konkurrenz.

Jedes Jahr wird es schwieriger für die Museen. Kontinuierlich steigen die Kosten für Versicherungssummen, Transporte, Mitarbeiter. Da die staatlichen Fördermittel nicht gleichermaßen mitziehen, müssen zunehmend private Gelder aufgestellt werden. Daher hat mittlerweile jedes Haus einen Förderverein.

Seit Kurzem gibt es jetzt in Wien ein privat initiiertes Modell zur Unterstützung der Institutionen: Phileas schenkt Museen Geld, um Ausstellungen oder Ankäufe zu finanzieren. Heuer unterstützt der Verein die Ausstellung von Latifa Echakhch im Lentos in Linz, den Ankauf von Amie Siegels „Provenance“ im MAK, auch Heimo Zobernigs Biennale-Beitrag in Venedig und im November die Personale von Vija Celmins in der Wiener Secession. Wer steht dahinter? Woher kommt diese Spendierfreudigkeit? Und gibt es da nicht Konflikte mit bestehenden Vereinen?


Abstimmen über Nutznießer. Gegründet wurde Phileas von Jasper Sharp und Moritz Stipsicz. „Wir antworten auf einen Geldmangel“, erklärt Jasper Sharp. Die öffentlichen Budgets für Museen und Ausstellungshäuser werden immer knapper. Dem wollen sie eine „Kultur privater Philanthropen“ entgegensetzen. Viele Kunstinteressierte würden gerne Geld spenden und suchten „eine Betreuung, die sie in den bestehenden Freundesvereinen nicht finden“, ergänzt Stipsicz.

Phileas bietet zwei Formen der Mitgliedschaft: Kunstfreunde bis vierzig Jahre („Junior“) zahlen 3000, „Partner“ zahlen 15.000 Euro im Jahr. Die Gruppe der Juniors zählt zwanzig Mitglieder, bei den Partnern sind es 16, zusammen konnten schon 300.000 Euro eingesammelt werden. Über die Nutznießer des Geldsegens wird auf einer jährlichen Generalversammlung abgestimmt, stimmberechtigt sind nur die Partner, ausgewählt wird aus Projekten, die die Institutionen einreichen. Noch arbeiten die beiden Gründer und Felicitas Herberstein, die das Team ergänzt, pro bono, später ist eine „Aufwandsentschädigung“ für die drei vorgesehen.

In der anglo-amerikanischen Kultur sind private Fördervereine notwendig, da es für Museen keine staatlichen Gelder gibt. In Österreich übernimmt das die bürgerliche Gesellschaft, durch Steuern und direkte Zuwendungen an die Museen. Der schnelle Anfangserfolg von Phileas zeugt davon, dass es unterdessen auch hier einen Wunsch nach privat organisierter Exklusivität gibt – was aber bietet Phileas dafür? Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder zu einer Veranstaltung. Zudem würden die Geldgeschenke transparent verteilt und das Mitspracherecht sei gewährleistet, betont Sharp.

Geplant ist offenbar auch, Phileas als Anlaufstelle für internationale Museumsgruppen zu platzieren. Der Verein sei eine „unabhängige Stimme“, erklärt Sharp, und könnte „Druck machen, um Änderungen zu initiieren“.

Privates Engagement ist absolut erfreulich – aber konkurrenziert Phileas nicht die vorhandenen Freundesvereine, die immerhin keinen „Druck“ machen wollen? Acht Freundeskreise haben allein die Museen des Kunsthistorischen Museums, sechs das Belvedere. 2009 gründete Agnes Husslein-Arco im Belvedere den Cercle. Als Gegenleistung werden für Mitglieder Besuche in Privatsammlungen, internationale Kunstreisen, exklusive Voreröffnungen, Atelierbesuche organisiert. Das KHM bietet noch dazu Beratungen „in Kunstbelangen“ an. Manche Wiener Sammler wie Roman Fuchs sind im KHM Mitglied, aber auch im MUMOK, im Belvedere, in der Wiener Secession. Wird das Ehepaar Fuchs jetzt auch bei Phileas einzahlen? „Wir sind nicht angesprochen worden, weil wir uns ja schon engagieren,“ erklärt Fuchs. Sharp und Stipsicz legen großen Wert darauf, die bestehenden Vereine nicht zu schwächen, sechzig Prozent ihrer Mitglieder sind Neulinge.


„Ein heikles Feld“. Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvedere, kommentiert die Situation zielgerichtet: „Selbstverständlich bedeutet Phileas im Grunde Konkurrenz für die Museen und ihre Freundesvereine im Bemühen um private Unterstützer. Ich begrüße dennoch jede Initiative zur Stärkung der privaten Förderkultur in Österreich im Bereich der Kunst – die öffentliche Hand ist hierzulande zwar traditionell freigiebig, mittlerweile, wie jeder weiß, aber zunehmend strapaziert. Zudem hoffe ich und bin sehr zuversichtlich, dass das Belvedere und das 21er Haus von der Zusammenarbeit von Phileas mit Museen unmittelbar profitieren werden.“

Und wie sieht Sabine Haag, Generaldirektorin des KHM, diese Gründung? Immerhin betreut Sharp, der als Adjunct Curator für das KHM Ausstellungen zeitgenössischer Kunst veranstaltet, dort bereits einen Freundesverein, den er selbst gründete. 2012 initiierte er den Contemporary Patrons Club. Die dreißig Mitglieder zahlen 2000 oder 4000 Euro. Im höheren Beitrag ist eine exklusive, kostenlose Jahresedition enthalten, heuer von Susan Philipsz. Nach wie vor sei es seine Aufgabe, diesen Club mit zu betreuen und auch neue Mitglieder dazu zu gewinnen, betont Sabine Haag. Aber ist Phileas nicht eine Konkurrenz für den Patrons-Club, konkurrenziert Sharp nicht seinen eigenen Arbeitgeber? Tatsächlich sieht Sabine Haag „eine Inkompatibilität mit unserem Haus“ aufgrund der „Gefahr, dass die Leute woandershin umgelenkt werden“, wie sie vorsichtig formuliert. Die Freundesvereine seien „ein heikles Feld“, und „der Teich, in dem wir fischen, ist nicht das große Meer“.

Der Name Phileas kommt aus dem Griechischen und bedeutet „der, der Freundschaft schenkt“ – ein schöner Ansatz, solange er nicht gut funktionierende Strukturen schwächt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2015)