"Game of Thrones": Staffel fünf, Folge fünf

In "Kill the Boy", der intensiven fünften Folge der fünften "Game of Thrones"-Staffel, herrscht Aufbruchsstimmung.

SPOILERWARNUNG: Ich blogge wieder zu jeder neuen "Game of Thrones-Folge und verrate Details zur Handlung. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Aufbruchsstimmung herrscht in "Kill the Boy", der intensiven fünften Folge der fünften "Game of Thrones"-Staffel, von der ich schon befürchtet hatte, dass sie mit einem Cliffhanger endet.

An der Wall wissen zumindest einige wenige sehr genau Bescheid über Daenerys Handeln, wie einem Brief zu entnehmen ist, den Samwell Tarly Maester Aemon vorliest. Der alten Mann aus der Targaryan-Dynastie hat vor allem Mitleid mit seiner Urgroßnichte. Sein Rat an den frisch gewählten Lord Commander ist hingegen so simpel wie hart: "Do it". Jon muss lernen, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. "Kill the boy, Jon Snow, and let the man be born", sagt Aemon. Jon will die Wildlinge die Grenze aus hundert Meter hohem Eis passieren lassen. Alle. Mehr noch, er bricht gemeinsam mit Tormund Giantsbane auf, um Wildlinge zu retten. Auch wenn Jons Entscheidung rational argumentiert ist ("You can learn to live with the wildlings, or you can add them to the army of the dead", sagt er), sie ist eine aus Nächstenliebe. Er will die Leute nicht sterben lassen. Parallelen zur aktuellen Flüchtlingsproblematik sind sicher rein zufällig.

"It's the people who are strange"

Sansa erkundet neue menschliche Abgründe. "This isn't a strange place", sagt sie beim gemeinsamen Abendessen mit den Boltons. "This is home. It's the people who are strange." Die Leute aus dem Norden mögen sich zwar erinnern, ihre Motive bleiben aber oft im Verborgenen. Führt Ramsays Gespielin Myranda Sansa aus Kalkül oder aus Eifersucht zu Theon/Reek? Demonstriert Ramsay beim Dinner Macht, als er Reek sich für die Morde an Sansas Brüdern (die er ja gar nicht begangen hat) entschuldigen lässt oder will er Sansa damit für sich einnehmen? Will Roose seinen Sohn Ramsay provozieren, als er ihm erzählt, dass seine neue Frau Fat Walda schwanger ist? Wohl von allem ein bisschen.

(c) HBO

Das Dinner gehört jedenfalls zu den lustigsten und gleichzeitig grausamsten Szenen dieser Staffel. Dass Roose um keinen Deut besser ist als sein Psychopathen-Sohn, sondern nur dezenter, zeigt jedenfalls die Geschichte von Ramsays Zeugung. Da versteht man den Frust des legitimierten Bastard-Sohns beinahe: "I am your son until a better alternative comes along."

Wer jedenfalls kommt, ist Stannis, der in letzter Zeit durchaus Königs-Potential zeigt. Erst erkundigt er sich bei Samwell, wie man White Walker tötet (mit Dragonglass, auch Obsidian genannt) und belohnt ihn mit Lob. Er kennt die korrekte Grammatik. Und er weiß, wann es Zeit ist aufzubrechen: Es geht Richtung Winterfell. Auch seine Königin und seine Prinzessin sowie Melisandre (die einen letzten sehnsüchtigen Blick auf Jon wirft) nimmt er mit. Es wird eine Schlacht geben. Die verhindert hoffentlich Sansas Eheschließung.

Ankündigung einer unglücklichen Ehe

Noch ein Ehe-Desaster kündigt sich an - und zwar fast ohne Vorwarnung. Daenerys ist nach Ser Barristans Tod ohne Berater und schwankt zwischen Grausamkeit und Milde. Indem sie ihren Drachen ehemalige Sklavenhalter zum Fressen gibt, macht sie Monster aus ihren "Kindern". Nur Hizdahr zo Loraq zeigt sich einigermaßen mutig. Oder spielt mutig. Weil er nicht als Feigling sterben wollte, wie er später auf Knien zugibt. Trotzdem scheint Daenerys in ihm den Schlüssel zu dauerhaftem Frieden zu sehen: Sie macht ihm also einen Heiratsantrag.

Ich zweifle an dieser Entscheidung und wage mal zu behaupten: Tyrion hätte sich etwas Klügeres einfallen lassen. Aber der sitzt ja noch auf einem Boot mit Jorah Mormont. Ihre "Abkürzung" durch Old Valyria plus das gemeinsame Gedicht-Rezitieren waren Höhepunkt der Folge. Valyria war einst Heimat der Targaryans, Hochkultur und Schmiede einzigartiger Schwerter. Heute ist die Stadt eine Ruine, die ein wenig an Angkor Wat erinnert. Schön! Und dann sieht Tyrion auch noch einen Drachen – Drogon. Das ist die Erfüllung eines Kindheitstraumes für den kleinen Herrn.

Der glückliche Moment währt nicht lange. In der letzten Folge erzählte Stannis seiner Tochter, wohin an Greyscale erkrankte Menschen geschickt werden. Hier sind sie, die "Stone Men", und sie greifen die beiden an. Tyrion ertrinkt beinahe - ich fürchtete schon einen Cliffhanger. Aber Jorah rettet ihn, dabei steckt er sich selbst an. Was mich zur nächsten Frage führt: Wie wertvoll ist Tyrion?

Zitate der Woche

  • Daenerys: "If I give everyone what they deserve, I'll have no one left to rule."
  • Tyrion zu Jorah: "Long sullen silences and the occasional punch in the face: the Mormont way."

Auffälliges

  • Grey Worm hat überlebt (ich hatte daran nie gezweifelt) und darf Missandei küssen. Nett.
  • Sansa hat Unterstützer in Winterfell, mehr als sie glaubt. Sie lernt, wie sie im Notfall um Hilfe rufen kann - ein Lichtsignal just aus dem Turm, von dem ihr Bruder Bran einst stürzte.
  • "Kill the boy" heißt die Folge. Der einzige boy, der darin vorkommt ist Jon Snows Steward Olly, der mit der Entscheidung seines Chefs nicht einverstanden ist. Ob das etwas zu bedeuten hat?

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>> Zum Blog von Folge eins "The Wars to Come"

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>> Zum Blog von Folge drei "High Sparrow"

>> Zum Blog von Folge vier "The Sons of The Harpy"

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Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich zeigt.