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Kaiserwiese: Palazzo zieht ab

Kaiserwiese: Der Palazzo wird heuer im Herbst nicht auf der prominenten Grünfläche seine Zelte aufschlagen.
Kaiserwiese: Der Palazzo wird heuer im Herbst nicht auf der prominenten Grünfläche seine Zelte aufschlagen.Clemens Fabry / Die Presse
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Nach Protesten gegen zu viele Events auf der Kaiserwiese im Wiener Prater sucht Toni Mörwalds Palazzo einen neuen Standort. Veranstaltungen auf dem Gelände sollen künftig auf 60 Tage beschränkt werden.

Wien. Der Palazzo gibt auf. Toni Mörwalds Dinnershow wird ihren Spiegelpalast in diesem Herbst nicht mehr wie in der vergangenen Saison auf der Kaiserwiese im Prater aufbauen. Den prominenten Standort vor dem Riesenrad verlässt man wegen der anhaltenden Proteste der Bürgerinitiative „Kaiserwiese für Alle!“, die gegen Veranstaltungen auf der bekannten Grünfläche mobil macht.

„Es ist einfach mühsam“, sagt Palazzo-Sprecher Mario Reiner zur „Presse“, „wenn man ständig negativ in den Medien vorkommt. Dabei wollen wir nur schönes Entertainment bieten.“ Also verlässt man den „tollen“ Standort Kaiserwiese nach nur einer Saison und sucht nun einen ebenfalls zentral gelegenen Ort, „an dem wir drei Saisonen bleiben können und bei dem anders als auf der Kaiserwiese auch Taxis vorfahren können.“

Kaputter Rasen

Verhandlungen seien derzeit am Laufen, so bald wie möglich soll der neue Standort bekannt gegeben werden. Der Kartenverkauf für die Dinnershow, die von November bis März läuft, hat trotzdem schon begonnen.

Für die Bürgerinitiative ist der Abzug des Palazzo ein Sieg, war das riesige Zelt vielen Anrainern – und zuletzt auch dem roten Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Karlheinz Hora – doch ein besonderer Dorn im Auge, da durch das Zelt die Kaiserwiese monatelang blockiert war. Auch nach dem Abbau war die Wiese wochenlang – wenn auch in der kalten Jahreszeit – mit Zäunen abgesperrt, da man den Rasen aus Kostengründen erst im Frühling wiederhergestellt hat.

Die Kosten für den neuen Rasen musste der Palazzo übernehmen, diese Mehrausgaben seien ein Mitgrund für den Umzug, so Sprecher Reiner. Ebenso der Vandalismus: Zeltplanen seien aufgeschnitten, Zäune beschmiert worden.

Die Bürgerinitiative kritisiert seit Längerem, dass die Kaiserwiese – die eigentlich als Erholungs- und Parkfläche gewidmet ist – zu oft von (kommerziellen) Veranstaltungen okkupiert sei und daher nicht als öffentlicher Erholungsraum genutzt werden könne. Im Vorjahr war die Wiese laut den Aktivisten nur elf Wochen frei zugänglich.

Bezirksvorsteher Hora hat kürzlich angekündigt, dass er die Veranstaltungen inklusive Auf- und Abbauarbeiten auf 60 Tage im Jahr beschränken will. Ein entsprechender Antrag dürfte im Juni im Bezirk mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und FPÖ beschlossen werden. Die Bezirksgrünen werden dagegen stimmen, ihnen geht das 60-Tage-Limit nicht weit genug: „Wir wollen die Veranstaltungen auf 30 Tage im Jahr beschränken“, sagt die grüne Klubobfrau Uschi Lichtenegger. „Die Kaiserwiese muss für die Erholung zur Verfügung stehen, und das konsumfrei.“ Problematisch sei auch, dass durch Auf- und Abbau die Prater Hauptallee oft von Lkw und Containern blockiert sei.

Wiener Wiesn findet statt

Der Palazzo wird ab November anderswo gastieren, an den sonstigen Plänen für die heurige Saison wird der Beschluss in der Leopoldstadt aber wenig ändern. So spielt im Juli Sänger Xavier Naidoo auf der Kaiserwiese. Und von 24. September bis 11. Oktober gastiert das Wiener Wiesn-Fest wie gehabt vor dem Riesenrad, auch davor und danach wird die Kaiserwiese wegen des Auf- und Abbaus der Festzelte tagelang gesperrt sein. Der Ticketverkauf hat schon begonnen.


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