Wer kauft wen: VW droht bei Porsche Spieß umzudrehen

Porsche will VW kaufen, oder umgekehrt?
Porsche will VW kaufen, oder umgekehrt?(c) AP (Michael Probst)
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Porsche-Chef Wiedeking droht den Rückhalt der Eigentümerfamilien zu verlieren. Er soll sich mit der Übernahme des fünfzehn-mal größeren VW-Konzerns überhoben haben. Nun spielt VW einen Porsche-Kauf durch.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking verliert laut einem Pressebericht zunehmend den Rückhalt bei den Eigentümerfamilien. "Wiedeking wackelt", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) am Donnerstag unter Berufung auf gut informierte Kreise. Offenbar machten sich die Eigentümerfamilien Piech und Porsche inzwischen große Sorgen über die Zukunft ihres Unternehmens, hieß es. Sie hätten Angst, dass sich Porsche mit der Übernahme des fünfzehn-mal größeren VW-Konzerns übernehmen könnte.

Bereits am Dienstag hatte die Münchener "Abendzeitung" gemeldet, Wiedeking stehe vor der Ablösung. Porsche wies diese Darstellung damals zurück. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sagte am Rande der Hannover Messe der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX: "Davon weiß ich nichts. Das Thema ist mir vollkommen neu." Niedersachsen ist der zweitgrößte VW-Eigner nach Porsche und ringt mit dem Sportwagen-Hersteller um die Macht in Wolfsburg.

Dreht VW den Spieß um?

Laut der "Financial Times Deutschland" (FTD) könnte Volkswagen gar den Spieß umdrehen. Dort wird dem Bericht zufolge erwogen, Porsche zu schlucken. Dazu müssten aber die Familien Porsche und Piech mitziehen, da bei ihnen die Stammaktien liegen. Auch die "FAZ" schreibt, eine Variante sei, dass VW der Porsche Holding das operative Sportwagengeschäft abkaufen könnte, als die Porsche AG.

Porsche hält knapp 51 Prozent an VW und will auf 75 Prozent aufstocken, sobald dies die wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen. Allerdings steht der Sportwagenbauer wegen einer hohen Schuldenlast von neun Milliarden Euro unter erheblichem Druck seiner Kreditgeber. Deswegen wird spekuliert, VW könne das Automobilgeschäft von Porsche übernehmen, um dann unter Wolfsburger Führung einen Autokonzern zu schmieden, der neben Scania auch MAN kontrolliert.

VW-Chef: "Kraftzentrum der Autoindustrie"

Volkswagen hat indes die Vorteile der Allianz mit Haupteigner Porsche unterstrichen. "Auf dem Weg des Zusammenwachsens sind wir in den letzten Monaten ein gutes Stück vorangekommen. Und ich bin mir sicher, dass wir unsere Partnerschaft im laufenden schwierigen Autojahr 2009 vorantreiben können und werden", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag vor den Aktionären in Hamburg. Gemeinsam hätten Porsche und VW "das Zeug, das Kraftzentrum der internationalen Automobilindustrie zu bilden".

Europas größter Autobauer war im ersten Quartal dank des Verkaufs des Lastwagengeschäfts in Brasilien an MAN um einen Verlust herumgekommen. Für die ersten drei Monate wies VW einen operativen Gewinn von 312 Mio. Euro aus. Ohne den Verkauf allerdings wäre ein Verlust in etwa gleicher Höhe angefallen.

(Ag.)

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