Sicherheitslücke beim Langstreckenflug

Flugzeug
Flugzeug(c) Clemens Fabry
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Wer während Flügen Filme anschaut, sollte wissen: Hier klafft eine Sicherheitslücke für Hacker.

Wenn Sie bei Ihrem nächsten Flug grübeln, ob Sie auf dem Bildschirmchen in der Rückenlehne vor Ihnen lieber einen Tschingbum-Film oder doch eine erbauliche Tierdokumentation anschauen sollen, dann können wir Ihnen einen kleinen beunruhigenden Gedanken mit ins Handgepäck geben: Das digitale Unterhaltungssystem, das uns auf langen Flügen zerstreuen soll, ist ein sperrangelweit geöffnetes Einfallstor für gutmütige und bösartige Hacker.

Der IT-Sicherheitsfachmann Chris Roberts, Gründer der Beratungsfirma One World Labs, exerzierte das durch: In den Jahren 2011 bis 2014 löste er mehr als ein Dutzend Mal dezent die Abdeckung der Box, in denen das On-Board-Entertainmentsystem schlummert. Über ein Ethernet-Kabel verband er die Kiste mit seinem Laptop, und rasch hatte er das Passwort zum Entertainmentsystem ermittelt. Von dort fiel es ihm leicht, sich in die Schaltkreise und Datensysteme im Cockpit vorzuarbeiten.

Roberts schaute den Piloten dann virtuell bei ihrer Arbeit zu, beobachtete den Flugverkehr ringsum und ergriff einmal auch die Kontrolle über die elektronisch gesteuerten Triebwerke. Dass er das Flugzeug damit für einen Moment zur Seite fliegen ließ, machte die US-Bundespolizei FBI, der er all diese Erkenntnisse als Warnung vor den Sicherheitslücken der modernen Luftfahrt übermittelte, hellhörig. Nun hat das FBI einige Laptops und Datenträger von Roberts beschlagnahmt. Die Sicherheitslücken jedoch bleiben offen. Und Panasonic und Thales, die beiden führenden Hersteller von On-Board-Entertainmentsystemen, schweigen.

oliver.grimm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.05.2015)

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