Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Song-Contest-Matinee: Gipfeltreffen der Diven in der Staatsoper

EUROVISION SONG CONTEST 2015: MATINEE ´POP MEETS OPERA: MORLAND & DEBRAH SCARLETT
ESC-Teilnehmer aus Norwegen, Debrah Scarlett und Mørland(c) APA (HERBERT P. OCZERET)
  • Drucken

Unter dem zugegebenermaßen etwas abgedroschenen Motto "Pop meets Opera" lud die Wiener Staatsoper am Sonntag Song-Contest-Teilnehmer und Opernstars ein.

Es gehört Mut dazu, in der Wiener Staatsoper als Popsänger zwischen Opernstars aufzutreten. Die Staatsoper verzeiht keine falschen Töne, auch wenn sich im Publikum am Sonntagmittag zur Matinee unter dem zugegebenermaßen etwas abgedroschenen Motto "Pop meets Opera" doch viele Fans des Song Contest fanden. Abwechselnd sangen Opernstars und Song-Contest-Teilnehmer. Gleich zwei Absagen gab es für das Event: Die georgische Kandidatin beim Gesangswettbewerb, Nina Sublatti, "hat ihre Stimme verloren", sagte ORF-Moderatorin Barbara Rett, die auf Deutsch und Englisch moderierte. Hoffentlich nur kurzzeitig, sie singt am Dienstag beim ersten Halbfinale ihren starken Beitrag "Warrior". Zudem war Bariton Alessio Arduini erkrankt. Ihn ersetzte der Österreicher Adrian Eröd.

Los ging es mit Trommelwirbel: Die strenge Aufgliederung zwischen Publikum und Orchester wurde aufgehoben und das Orchester der Wiener Staatsoper unter Witolf Werner spielte vom Parkett aus, bevor es auf die Bühne ging. Der erst 17-jährigen Irin Molly Stirling, die für Irland beim Song Contest antritt, kam als erster die undankbare Aufgabe zu, nach einem Opernstar aufzutreten. Die Russin Aida Garifullina, die als "nächste Netrebko" gilt und beim Opernball sang, erntete auch bei bei der Matinee für Puccinis "O mio babbino caro" Jubel. Stirling konnte sich mit "Build Fireworks Again" anschließend dennoch behaupten.

Nach den Wiener Comedian Harmonists (solide) wurde der zypriotische Kandidat John Karayiannis von der Balletttänzerin Ioanna Avraam beim gefühlvollen "One Thing I Should Have Done" visuell unterstützt. Gestört wurde der Eindruck allein von den vielen in die Luft gereckten Handys, die den Auftritt, der ohnehin per Livestream und im Fernsehen übertragen wurde, mitfilmten. Besonders gut für die Staatsopernbühne eignete sich die düstere Ballade "A Monster Like Me" der norwegischen Song-Contest-Teilnehmer Mørland und Debrah Scarlett. Die ungarische Kandidatin Boggie forderte für "Wars for Nothing" - gemeinsam mit dem Chor der Opernschule der Staatsoper vorgetragen - Jubel ein, wie sie es zuvor bei Juan Diego Flórez gesehen hat. Allein, die Opernbühne ist Heimat des peruanisch-österreichischen Tenors und Lehars "Dein ist mein ganzes Herz" für ihn quasi ein Heimspiel.

Die Diven hinterließen den größten Eindruck

Am Ende waren es die Diven, die den größten Eindruck hinterließen: Flórez natürlich, die moldawische Sopranistin Valentina Naforniţa, Garifullina und Conchita Wurst. Österreichs Song-Contest-Siegerin sang "Rise Like a Phoenix" in einer Kammermusikversion und zum ersten Mal in der Staatsoper. Jeder Blick, jede Geste und jeder Ton sitzt, aber man hat nicht den Eindruck, dass sie schon gelangweilt ist von ihrem Siegersong ist.

Das Finale war dann ganz auf die Opernstars zugeschnitten: der "Gassenhauer" aus Verdi La Traviata, "Libiamo ne' lieti calici". Wurst kennt den Text offenbar nicht und stand verschämt in der zweiten Reihe, ehe sie von Flórez in die Bühnenmitte gezogen wurde. Und das gleich zweimal: Zur Zugabe, einer Wiederholung des Verdi-Duetts, musste Rett das Publikum, das mit den Gepflogenheiten der Staatsoper nicht vertraut ist, animieren. Diesmal schob die Moderatorin Österreichs Song-Contest-Siegerin in die Mitte. Zweimal drei Minuten stumm dazustehen und nicht allzu fehl am Platz zu wirken: auch das macht eine Diva aus.

ORF III zeigt die Matinee am Sonntag ab 20.15 Uhr. Außerdem wird die Aufzeichnung in Zusammenarbeit mit der EBU vom ORF Fernsehanstalten weltweit angeboten.