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"Pitch Perfect 2": Eine Gesangskomödie aus dem Hollywood-Lehrbuch

Universal
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Auch der zweite Teil der leichtgewichtigen A-Capella-Hommage funktioniert streng nach dem Hollywood-Rezept. Für Lacher sorgt das komödiantische Talent von Anna Kendrick und Rebel Wilson.

„Pitch Perfect 2“ beginnt mit einer Katastrophe wie aus dem Hollywood-Komödien-Lehrbuch: Eine riesige Bühne, die gefeierte Studentinnenband namens „Barden Bellas“ singt ein Medley aus Popsongs, die Menge tobt, sogar die Obamas sitzen im Publikum. Dann der Überraschungsmoment: Zu Miley Cyrus' „Wrecking Ball“ schwingt Fat Amy, eine beleibte Blondine, auf einer seidenen Schaukel über die Bühne, trällert dabei, räkelt sich im knallengen Kostüm. Doch da passiert es, die Hose reißt! Einmal quer über den Schritt, von ganz vorne nach ganz hinten. Mit entblößtem Hinterteil hängt sie bewegungsunfähig in ihrer Schaukel. Die Show ist gelaufen. „She showed her vagina! To the president!“, erzürnen sich die Medien.

Die „Barden Bellas“, eine rein-weibliche A-Capella-Gesangstruppe der fiktiven „Barden University“, haben es seit dem ersten „Pitch Perfect“-Film zu Ruhm gebracht: Sie sind dreifache A-cappella-Meister und vom Publikum geliebt. Doch nun soll Schluss sein: Als Disziplinarmaßnahme gibt es nach der peinlichen Panne Auftrittsverbot, soziale Ächtung sowieso, den Barden Bellas droht das Aus. Letzte Hoffnung: Bei der Weltmeisterschaft der A-Capella-Gruppen in Kopenhagen zu gewinnen – gegen die ominöse deutsche Konkurrenz namens „Das Sound Machine“ (sic!) mit ihren Laser-Shows.

Musikalische Insider-Gags

Das Rezept für eine klassische Hollywood-Komödie ist bekannt: Man nehme eine Gruppe liebenswerter, talentierter, ausschließlich gutaussehender Leute und lasse sie tief abstürzen, auf dass sie sich Zug für Zug aus ihrer Misere herauskämpfen mögen. Man stelle ihnen einen listigen und ganz und gar unsympathischen Konkurrenten in den Weg, der bis zuletzt einen Schritt vor ihnen zu liegen scheint. Ihren Weg nach oben und Kampf gegen die Konkurrenz garniere man dann mit kleineren Ausbrüchen menschlicher Schwächen wie Neid und Egoismus sowie einer aufblühenden Romanze. Am Ende zünde man ein Feuerwerk und lasse die Guten siegen.

Fat Amy (Rebel Wilson) setzt ihren Körper bewusst in Szene.Universal

 

„Pitch Perfect 2“ versucht erst gar nicht, aus diesem Schema auszubrechen. Nach dem Super-Gau auf der Bühne wird also zunächst in Selbstmitleid gesuhlt, dann fleißig geprobt. Debüt-Regisseurin Elizabeth Banks begleitet den Fall und Aufstieg der Bellas nicht nur hinter der Kamera, sondern auch als Teil eines gehässigen Teams von Radiokommentatoren, die jeden Schritt der Band mitverfolgen. Über weite Strecken ist der Film – wie auch schon der erste Teil – eine leichtgewichtige Hommage an das poppige A-Capella-Genre. Inklusive spontaner Gesangseinlagen, aufwendiger Choreografien und so manchem musikalischem Insider-Gag. So hat Bandleaderin Chloe (Brittany Snow) einen besonderen Vorschlag, als es gilt, darüber abzustimmen, ob die Erstsemestrige Emily (Hailee Steinfeld) als neue Bella in die Band aufgenommen werden soll: Wer dafür ist, soll ein Gis, wer dagegen ist, ein As singen. Die Entscheidung fällt einstimmig.

Arroganz der Popindustrie

Trotz vorhersehbarer Wendungen und der furchtbar aufgesetzten College-Atmosphäre (muss eigentlich bei jeder studentischen Poolparty jemand zu breakdancen beginnen?) ist „Pitch Perfect 2“ doch überraschend witzig – auch dank des komödiantischen Talents einiger der Protagonisten, allen voran der ungezügelten, herrlich selbstbewussten Fat Amy (die Australierin Rebel Wilson), die ihre Massigkeit bewusst in Szene setzt. Anna Kendrick spielt das musikalische Band-Hirn Beca Mitchell, das gerne im Musikbusiness durchstarten möchte und nebenbei in einem Studio als Praktikantin arbeitet. An dieser Stelle persifliert der Film gewitzt die Arroganz der Popmusikindustrie, verkörpert von einem übercoolen Produzenten (Keegan-Michael Key), der seine Mitarbeiter als Strafe für schlechte Ideen im Kniehebelauf um den Besprechungstisch hopsen lässt.

Am Ende sind natürlich alle Spannungen beseitigt, der verlorene Mannschaftsgeist wurde beim Campingausflug am Lagerfeuer wiedergefunden, man schließt – wie könnte es anders sein – mit einer fulminanten A-Capella-Show. Für Freunde von „High School Musical“ bis „Glee“ werden wohl alleine die Gesangsszenen – vor allem jene, in der sich verfeindete Teams eine A-Capella-Battle liefern – reichen, um den Film zu mögen. Zieht man diese und den ein oder anderen gelungenen Gag aber ab, bleibt kaum etwas übrig – außer eben die üblichen prototypischen Hollywood-Ingredienzien.