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Jede dritte Führungskraft sagt: "Ich bin Burn-out-gefährdet"

Ein junges Phänomen: Je jünger die befragte Führungskraft ist oder je kürzer sie eine Führungsposition innehat, umso stärker schätzt sie sich als Burn-out-gefährdet ein.

Der Alltag für Führungskräfte ist kein Spaziergang: Der Druck steigt, allen voran der Zeitdruck. Fast die Hälfte gibt an, häufig gestresst zu sein. Ein Drittel sieht sich selbst als tendenziell Burn-out-gefährdet, fünf Prozent halten sich für akut gefährdet, erhob das Hernstein Institut für Management und Leadership.

Bei Personen mit ein bis drei Jahren Berufserfahrung bezeichnet sich die Hälfte aller Führungskräfte als zumindest teilweise gefährdet. "Häufig werden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aufgrund von fachlichen Kompetenzen befördert. Doch oft sind sie für die damit verbundene Übernahme von Personalverantwortung ungenügend vorbereitet", sagt Eva-Maria Ayberk, Leiterin des Hernstein Instituts. "Der Rollenwechsel vom Mitarbeiter oder von der Mitarbeiterin zur Führungskraft bringt unvorhersehbare Herausforderungen auf psychologischer und kommunikativer Ebene mit sich. Es gibt keine geborenen Führungskräfte, aber Führungsfähigkeiten sind erlernbar."

Ist meine Arbeit überhaupt sinnvoll?

Acht von zehn Führungskräften haben in ihren Unternehmen bereits Burn-out-Fälle erlebt. Sechs von zehn geben an, dies bei Führungskollegen beobachtet zu haben, vier von zehn kennen Burn-out bei den eigenen, direkt geführten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Jede zehnte Führungskraft war oder ist selbst davon betroffen. "Schon mehr als die Hälfte aller Krankenstandstage gehen in Europa auf ein psychisches Problem, auf Erschöpfung oder auf Nicht-mehr-Können zurück", sagt Ayberk. "Nicht immer steckt eine zu hohe Arbeitsbelastung dahinter. Wenn der Sinn der Tätigkeit infrage gestellt wird oder eigene Gestaltungsmöglichkeiten fehlen, kann sich das ebenfalls auf die Psyche auswirken."

26 Prozent der Befragten wurden von ihrem persönlichen Umfeld auf eine mögliche Burn-out-Gefahr hingewiesen, 14 Prozent schon mehrfach gewarnt. Besonders das obere Management, Eigentümer und Eigentümerinnen sowie junge Führungskräfte wurden vermehrt darauf angesprochen. Nicht verwunderlich, dass auch Familie und Freude darauf reagieren, wenn der Job mit nach Hause kommt. Denn 56 Prozent der Befragten geben an, nach Feierabend gedanklich nicht abschalten zu können.

Wenn du es eilig hast, gehe langsam

"Wichtig ist es, trotz des ganzen Trubels die Stop-Taste zu drücken, die eigenen Stressmuster zu kennen und zu durchbrechen", sagt Ayberk. "Selbstführung ist die Grundvoraussetzung, um Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gesund führen zu können."

Es gibt auch gute Nachrichten: Drei wesentliche Eckpfeiler einer positiven Arbeitsumgebung, nämlich Sinn, Kollegialität und Wertschätzung, sieht ein Großteil der befragten Führungskräfte positiv. 72 Prozent erleben ihre Arbeit als sinnvoll und erfüllend, 74 Prozent sprechen von einer freundlichen und kollegialen Arbeitsatmosphäre im Team. Mit der Wertschätzung der eigenen Arbeitsleistung durch die direkte Führungskraft sind 61 Prozent zufrieden, 16 Prozent fühlen sich nicht anerkannt.

Mach mal Pause!

Was tun Führungskräfte, um fit zu bleiben? Zwei Drittel planen Pausen in den Arbeitsalltag ein. Dies gelingt jedoch nicht allen: Drei von zehn Führungskräften geben an, während eines Arbeitstags nur selten Ruhezeiten verschaffen zu können. Eine von zehn Führungskräften erklärt sogar, fast nie Pausen zu machen. Zwei Drittel der befragten Führungskräfte geben an, mehrmals oder zumindest einmal pro Woche Ausdauersport zu betreiben. Dies ist mit Abstand die am häufigsten ausgeübte Sportart. Gymnastik und Beweglichkeitstrainings wie Yoga nutzen vor allem weibliche Führungskräfte. Alles beginnt im Kopf: Das weiß vor allem das Top-Management. Denn Mentaltechniken werden von dieser Gruppe am häufigsten zur Entspannung genutzt.