Der Wiener Leitindex ATX feiert heuer ein Comeback

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Index. Seit Jahresbeginn hat der Wiener Leitindex um gut ein Fünftel zugelegt. Doch war der Nachholbedarf hoch.

Wien. Während der Frankfurter DAX nach einem extrem starken ersten Quartal zuletzt ein wenig ins Schlingern geraten war, konnte der Wiener Leitindex ATX seine gute Performance halten. Von Anfang Jänner bis Mitte Mai schaffte er ein Plus von rund 20 Prozent und damit mehr als sein deutsches Pendant (in das noch dazu auch die Dividenden einberechnet werden, was beim ATX nicht der Fall ist). Seit Jahresbeginn hat übrigens die Erste Group mit fast 40 Prozent besonders kräftig zulegen können. Dem Papier hatten zuvor Finanzkrise und Osteuropa-Schwäche besonders zu schaffen gemacht.

Auch die OMV hatte zu einer steilen Erholungsbewegung von 37 Prozent angesetzt, bevor es am vergangenen Montag nach enttäuschenden Quartalszahlen tief nach unten ging. Seit Jahresbeginn gibt es dank der Erholung des Ölpreises dennoch ein erkleckliches Plus. Auf Einjahressicht ist die Performance weniger berauschend.

Finanzkrise nicht überwunden

Generell hat der heimische Index weiter Nachholbedarf. Um sein Allzeithoch von 2007 zu erreichen, müsste er sich fast verdoppeln. Damals hat er die Marke von 5000 Punkten berührt. Allerdings war dieses historische Hoch einem sehr starken Nachfrageüberhang geschuldet. Nach Ansicht von Experten war der ATX damals um 80 Prozent überbewertet, was das jetzige „Zurückbleiben“ doch etwas relativiert.

In der Finanzkrise rutschte das Wiener Börsenbarometer auf unter 1500 Zähler ab. Die Erholung danach war nur von kurzer Dauer: Im Februar 2011 stieg der Index wieder auf 3000 Punkte. Das Eskalieren der Euroschuldenkrise schickte den ATX wieder auf Tauchgang.

Die Gründe für das Zurückbleiben des österreichischen Leitindex sind vielfältig. Hauptgrund ist die Branchenzusammensetzung. Finanztitel sind stark gewichtet. Diese Aktien wurden von der Finanzkrise besonders schwer getroffen. Die Rallye der Konsumgüter- und Pharmaaktien ging am Wiener Marktplatz fast spurlos vorüber, denn solche Aktien gibt es– zumindest im ATX– nicht.

Auch ist der Markt klein. Nach der Finanzkrise stellte sich auch heraus, dass die Osteuropafantasie vieler österreichischer Firmen übertrieben war. Die Russland-Ukraine-Krise tat das Ihre und bremste Werte wie Immofinanz und Raiffeisen Bank International zusätzlich aus.

Seit Jahresbeginn, als die Russland-Krise in den Hintergrund getreten ist, haben sich beide jedoch ein wenig erholt: Die Immofinanz legte um 25 Prozent zu (auch bedingt durch einen Übernahmeversuch), die Aktie der Raiffeisen Bank International um 22 Prozent. Um jedoch auch nur den Wert zu erreichen, um den die Aktie vor zehn Jahren an die Börse gebracht worden ist, müsste sie sich mehr als verdoppeln, bis zum Höchststand verachtfachen.

Einige Kurse vervielfacht

Der ATX liegt heute nur knapp über dem Wert von vor zehn Jahren. Wer auf die richtigen Titel gesetzt hatte, konnte jedoch in diesem Zeitraum auch in Wien viel Geld verdienen: Die Aktie des Anlagenbauers Andritz hat sich mehr als versechsfacht. Mit Papieren des Ölfeldausrüsters Schoeller-Bleckmann konnte man sein Vermögen verdreifachen, auch die Kurse des Stahlkonzerns Voestalpine, des Faserunternehmens Lenzing oder der Österreichischen Post haben sich mehr als verdoppelt. (b.l.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2015)

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