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Airport Wien: Ein unbeliebter Bewerber

Die Verlängerung von Julian Jäger und Günther Ofner als Vorstände des Flughafens Wien gilt als fix. Die Bewerbungsfrist hat Ende April geendet. Ein Kandidat, mit dem die beiden wohl sicher nicht gerechnet haben, hat sich nun dennoch um ihre Position beworben.(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Eklat beim Flughafen Wien: Ein Manager eines Tochterunternehmens wurde gefeuert und klagte. Jetzt hat er sich auch noch um einen Vorstandsposten beworben.

Wien. Die Bewerbungsfrist für die beiden Vorstandspositionen für den Flughafen Wien ist am 30. April abgelaufen. Die Verlängerung der Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger gilt bereits als fix. Dennoch haben sich fünf Kandidaten um die Stellen beworben. Darunter einer, mit dem weder Jäger noch Ofner gerechnet hat.
Es ist Markus Klaushofer. Seit 2011 leitete Klaushofer den Flughafen Malta, an dem der Flughafen Wien 33 Prozent der Anteile hält. Sein Vertrag hätte bis Juni 2017 laufen sollen. An seiner Performance gab es nichts auszusetzen, wie Ofner kürzlich bei der Bilanzpressekonferenz sagte. Die Passagierzahlen stiegen von 2012 bis 2014 um 4,1 Prozent, zuletzt trug die Malta-Beteiligung 4,7 Mio. Euro zum Ergebnis des Airport Vienna bei.

 

Erst Angebot, dann Entlassung

Dennoch arbeitet Klaushofer heute nicht mehr für den Malta International Airport (MAI) und auch nicht für jenen in Wien. Das kam so: Bei einem Treffen in Wien am 21. Jänner 2015 soll der Aufsichtsratsvorsitzende des MAI, Nikolaus Gretzmacher, im Beisein von Julian Jäger, Klaushofer um eine Trennung gebeten und ihm gleichzeitig eine Entschädigungszahlung von 400.000 Euro geboten haben. Die schlechte Gesprächsbasis zwischen ihm und Gretzmacher sei ihm, Klaushofer, dabei als einziger Grund für diesen Schritt genannt worden. Das Angebot nahm er nicht an und wurde im Februar gekündigt. Nachdem es sich bei seinem Vertrag um einen befristeten Vertrag gehandelt habe, den man nicht ohne Weiteres auflösen kann, akzeptierte Klaushofer die Kündigung nicht. Im Gegenteil, er forderte den Flughafen Wien auf, schriftlich anzuerkennen, dass sein Dienstverhältnis weiterhin besteht.

Das passierte nicht. Stattdessen wurde Klaushofer am 11. März 2015 mit sofortiger Wirkung entlassen. Weshalb, das habe er nicht erfahren, sagt er zur „Presse“. Er klagte daher den ehemaligen Arbeitgeber umgehend. „Wie hätte ich einen Entlassungsgrund setzen können, wenn ich doch zwischen der unwirksamen Kündigung und der Entlassung dienstfrei gestellt war?“

Von der „Presse“ nach den Gründen der Trennung gefragt, heißt es seitens des Flughafens: „Es lagen wesentliche Auffassungsunterschiede vor, die eine durch den Aufsichtsrat vom Flughafen Malta einstimmige Abberufung von Herrn Klaushofer zur Folge hatten. Eine Untersuchung hat in weiterer Folge schwerwiegende Sachverhalte zutage gebracht, die eine Auflösung des Dienstverhältnisses notwendig machten. Diesbezüglich laufen derzeit arbeitsrechtliche Verfahren in Malta und Österreich. Zu einem dieser Sachverhalte hat der Flughafen Wien auch Strafanzeige in Österreich gegen Herrn Klaushofer erstattet. Wir bitten um Verständnis, dass wir Details dazu nicht kommentieren.“

 

„Ungebührlicher Vorteil“

Konkreteres konnte „Die Presse“ dem Schriftsatz des Flughafens vom 11. Mai entnehmen. Aus ihm geht hervor, dass eine Luxusuhr der Entlassungsgrund war. Von einem „wesentlichen Geschäftspartner“ sei die Zuwendung erfolgt, Klaushofer hätte sich im Vergleich zum Einkaufspreis 3000 Euro erspart und „sich damit jedenfalls einen ,ungebührlichen‘ Vorteil zuwenden lassen.“ Fazit des Flughafens: Die Entlassung ist zu Recht erfolgt.

Klaushofer ist verwundert: „Ich habe die Uhr nicht geschenkt bekommen, sondern sie lediglich zu besseren Konditionen erhalten und dafür nachweislich bezahlt.“ Er vermutet ganz andere Motive für seine Entlassung. Mit Jäger, der vor ihm Vorstand beim Flughafen Malta war, habe ihn eine enge Freundschaft verbunden. „Als er sich damals für die Vorstandsposition in Wien beworben hat, habe ich ihm bei der Vorbereitung auf sein Hearing geholfen.“ Doch nachdem er, Klaushofer, in Malta so gute Ergebnisse geliefert habe, sei die Sorge bei Jäger gewachsen, sein Freund könnte auch Ambitionen auf seine Vorstandsposition in Wien hegen, und habe er in ihm zunehmend einen bedrohlichen Konkurrenten gesehen. „Die Behauptung entbehrt jeder Grundlage“, ist die Reaktion des Flughafens. Klaushofers Bewerbung sei eingelangt, heißt es: „Der aktuelle Ausschreibungsprozess zu den Vorstandsfunktionen ist Sache des Aufsichtsrats.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2015)