Archäologie: Der Kollaps der Maya

(c) AP (Rodrigo Abd)
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Die Hypothese von einer selbst gemachten Klima-Katastrophe wird modifiziert und verfeinert. Klimatologe Thomas Sevber (University of Alabama) hat nun erstmals in Modellen gezeigt, dass es so gewesen sein könnte.

Im frühen 9. Jahrhundert war Tikal mit 62.000 Einwohnern die größte Stadt in Amerika, die prunkvollste auch. Hundert Jahre später war es mit dem Glanz vorbei und die Einwohnerzahl um 80 bis 85 Prozent geschrumpft. So erging es nicht nur Tikal, überall in Mittelamerika verkamen zwischen den Jahren 695 und 1050 mächtige Städte, mit den Maya ging es zu Ende.

Dafür hatte man lange viele Verdächtige – Krankheiten, Vulkanausbrüche, Bauernrevolten –, seit den 90er-Jahren dominiert einer: der Klimawandel. Sedimente von der Küste Venezuelas zeigten Spuren einer Dürre ab dem Jahr 760, drei verheerende Höhepunkte gab es 810, 860 und 910. Aber das Land ist groß – es hat viele Klimazonen –, und die ersten Städte verschwanden schon um 695 (vor der Dürre) und ausgerechnet in einer feuchten Region, Petexbatun. Dort zeigen Maya-Knochen auch keine Zeichen von Mangelernährung, stattdessen viele Verwundungen, die Bewohner haben sich in langen Kriegen – um die Herrschaft über Handelsrouten – aufgerieben.

Deshalb schwingt seit einiger Zeit das Pendel wieder zurück: Die Dürre mag mitgespielt haben, aber nicht überall gleich, man muss die Muster regional fein rekonstruieren. Dazu nutzt Kitty Emery (University of Florida) den Hausmüll der Maya, präziser: die Tierknochen darin. Die Forscherin zählt aus, wie viele wasserliebende Tiere – von Jaguaren bis zu Schildkröten – wann erbeutet wurden: Der Anteil dieser Knochen an allen im Müll ging in den Jahren 800 bis 1000 von sieben Prozent auf fünf zurück – es wurde trockener, aber so trocken auch wieder nicht, dass Tiere ausgestorben wären.

Mehr Gaben für den Regengott

Aber den Menschen kam das Zittern, davon zeugen Quellen, die Holley Moyes (Belize Institute of Archeology) in seinem Land erschlossen hat: Höhlen, in denen die Maya ihrem Regengott Chac Opfer brachten, eine davon wurde seit 1300 v.Chr. benutzt. Die Zahl der Opfergaben – Tongefäße – blieb lange konstant, bis 680, dann stieg sie stark, das Ende für diese Region kam 960. Aber woher kam die Dürre? Viel deutet darauf hin, dass die Maya sie selbst gemacht haben, durch Entwaldung. Jared Diamond verficht diese Hypothese. Und Klimatologe Thomas Sevber (University of Alabama) hat nun erstmals in Modellen gezeigt, dass es so gewesen sein könnte: „Durch die Entwaldung sind die Niederschläge um 20 bis 30 Prozent zurückgegangen.“ (Science, 324, S.454).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2009)

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