Krise? Gänsehäufel statt Griechenland

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Trotz höherer Eintrittspreise hoffen Wiens Badbetreiber auf Besucherrekorde. Krise sei Dank. Viele werden ihre freien Tage dann statt in fernen Ländern in Wien verbringen. Im Idealfall im Lieblingsfreibad.

WIEN. Es war wie so oft im April. Die Tage waren sommerlich warm – heuer sogar noch mehr als sonst, war es doch bisher der wärmste April seit Beginn der Aufzeichnungen – und Wiens Bäder reagierten darauf wie gewohnt. Gar nicht nämlich, während anderswo, in Salzburg etwa, die Freibadsaison kurzfristig vorverlegt wurde.

Aber jetzt: Am Samstag öffnet das Schönbrunner Bad traditionell als erstes Wiener Bad. Am 1. Mai folgen die meisten anderen privat betriebenen Freibäder, tags darauf starten schließlich die städtischen Bäder in die Saison.

Durchaus mit großen Hoffnungen – auf Besucherrekorde. Trotz, oder vielmehr: gerade wegen der Wirtschaftskrise. Denn da sich viele ob der Krise einen Sparkurs verordnet haben, so die Überlegung, werden heuer viele Wiener gar nicht oder kürzer als sonst auf Urlaub fahren. Viele werden ihre freien Tage dann in Wien verbringen. Im Idealfall im Lieblingsfreibad. Gänsehäufel statt Griechenland sozusagen. Dort, im Gänsehäufel, „rechnen wir damit, dass wir heuer mehr Badegäste haben werden“, sagt Betriebsleiter Robert Swoboda. „Viele Wiener werden heuer ihren Urlaub sausen lassen.“ Das glaubt auch Krapfenwaldlbad-Chef Günther Sommer. „Statt den Urlaub auf Raten zurückzahlen zu müssen, werden viele in die Bäder kommen.“ „Logisch“, sagt der Sprecher der Wiener Bäder, Martin Kotinsky, „wär das schon. Wo doch die Reisebranche jetzt schon über ausbleibende Buchungen jammert.“

Tatsächlich sparen, das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT), die Österreicher in Krisenzeiten vor allem beim Urlaub: 42 % der Befragten wollen überhaupt auf eine Urlaubsreise verzichten – in der Generation 50+ sind es sogar 52% –, und ein Viertel will kürzer als sonst verreisen. Und da ja, wie Peter Zellmann vom IFT sagt, „alle unverändert Urlaub haben“, werden sie ihre freien Tage eher in ihrem gewohnten Umfeld verbringen. „Freibäder zählen, wie Naherholungsgebiete insgesamt, ganz sicher zu den potenziellen Gewinnern der Krise“, sagt Zellmann.

„Potenziell“ deswegen, weil, Sparprogramm hin oder her, die Bäder leer bleiben, wenn das Wetter nicht stimmt. Danach sieht es aber nach einer ersten, freilich noch vagen Prognose nicht aus. Der Mai dürfte nach Berechnungen internationaler Klimarechenzentren „überdurchschnittliche Temperaturen bringen und sonniger als normal üblich verlaufen“, sagt Meteorologe Martin Puchegger vom Wetterdienst meteomedia. Während der Juli nach jetzigem Stand feuchter als im langjährigen Schnitt wird und viele Schauer und Gewitter bringen dürfte, sieht es für den restlichen Sommer sehr gut aus. Der wird laut Puchegger „normal temperiert“, sprich: sommerlich-warm. Gute Aussichten für die Badbetreiber also.

Fast alle Bäder teurer geworden

Auch wenn der „Urlaub im Schwimmbad“ Geld spart: So teuer wie heuer waren die Freibäder noch nie. Fast alle haben ihre Preise angehoben, in den städtischen Bädern kostet die Tageskarte für Erwachsene nun 4,70 statt 4,50 €, Kinder zahlen 1,60 statt 1,50 €, die Monatskarte kostet nun 17,70 €, um 70 Cent mehr als bisher. Das Schönbrunner Bad hat die Tageskarte von 9 auf 10 Euro erhöht. Im kleinen privaten Neuwaldegger Bad überlegt man derzeit noch, ob man wegen der gestiegenen Betriebskosten den Eintritt (Tageskarte derzeit 13 €) um 50 Cent oder einen Euro anhebt.

Die „absoluten Krisengewinner“, sagt Freizeitforscher Zellmann, seien aber nicht die Bäder, sondern Aktivitäten, die nichts kosten. Im „Urlaub daheim“ werden die Wiener vermehrt Rad fahren und inlineskaten, prophezeit er. Gut möglich, sagt Bädersprecher Kotinsky, dass die Wiener zum Baden überhaupt auf die Donauinsel fahren. Dort badet es sich bekanntlich gratis.

AUF EINEN BLICK

Die Freibadsaison wird heute, Samstag, im Schönbrunner Bad eingeleitet. Die anderen Bäder folgen am 1. und 2.5. Geschlossen bleibt das in den Konkurs geschlitterte Waldbad Penzing, das von der Stadt übernommen wurde und im Dezember als klassisches Sportbad wieder eröffnen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2009)

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